27.07.2009

IRAN

Die Trauer einer Mutter

Hunderte Menschen stehen laut Augenzeugenberichten jeden Tag vor dem berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran, der Folterzentrale des Regimes, und erinnern an die Verschwundenen der Proteste. Mindestens 500 Menschen sind in den letzten Wochen verhaftet worden, die wahre Zahl liegt wohl deutlich höher. Das Regime spricht von 20 Todesopfern, Regimegegner wollen von Hallen voller Leichen wissen. Auf die Angehörigen von Ermordeten und Verschwundenen wird nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen massiver Druck ausgeübt. Deshalb trauen sich die wenigsten, an die Öffentlichkeit zu gehen. Eine Ausnahme ist Parwin Fahimi, eine Mutter, die in ihrem Kampf für das Andenken ihres Kindes selbst zu einem Symbol geworden ist. 26 Tage lang suchte sie nach dem 19-jährigen Sohrab Arabi, der nach einer Demonstration verschwunden war. Erst nach einer Odyssee durch Krankenhäuser und Behörden fand Fahimi seine Leiche. Auf der Beerdigung schrie sie: "Ihr alle wisst es, sie haben meinen Sohn feige getötet. Ich werde meine Geschichte erzählen." Inzwischen hat sie der persischen BBC ein Interview gegeben, sie hat den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi zu einem Kondolenzbesuch empfangen und vor dem Stadtrat von Teheran ausgesagt. Bisher hat das Regime sich nicht getraut, Fahimi zum Schweigen zu bringen. Andere Schicksale, über die im Internet berichtet wird, sind schwieriger zu prüfen - etwa die Geschichte der 28-jährigen Tarane Mussawi, die angeblich auf der Straße verhaftet und später vergewaltigt wurde. Ihre Mutter soll einen Anruf erhalten haben, dass ihre Tochter im Krankenhaus liege. Später soll die junge Frau verkohlt in der Wüste aufgefunden worden sein. Dies sei eine "Geschichte, die gut der Wahrheit entsprechen kann", sagt Hadi Ghaemi von der International Campaign for Human Rights in Iran. Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass auch der Sohn eines Top-Beraters des Präsidentschaftskandidaten Mohsen Resai nach seiner Verhaftung im Evin-Gefängnis starb.


DER SPIEGEL 31/2009
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