31.08.2009

SPIEGEL-GESPRÄCH„Man muss lügen können“

Bestsellerautorin Charlotte Roche, 31, über ihren Einstieg bei der Talkshow „3 nach 9“, den monströsen Erfolg ihres Romans „Feuchtgebiete“ und ihre Begeisterung für Heidi Klum
SPIEGEL: Frau Roche, Mitte September starten Sie als Moderatorin der Radio-Bremen-Talkshow "3 nach 9". Die CDU-Politikerin und Pfarrersfrau Elisabeth Motschmann wetterte schon, wer sich wie Sie selbst als "perverse Sau" bezeichne, dürfe eine so renommierte Sendung nicht bekommen. Das muss Ihnen gefallen, oder?
Roche: Stimmt, das hätte man sich als PR-Masche gar nicht besser ausdenken können. Ich habe das nicht gelesen. Ich halte mich fern von so etwas. Aber nach dem, was ich gehört habe, suhlt Frau Motschmann sich ja seitenweise in den Sachen, die sie angeblich so schlimm findet. Das ist schon fast wieder niedlich.
SPIEGEL: Die Pfarrersfrau dürfte repräsentieren, was viele Stammzuschauer des gepflegten öffentlich-rechtlichen Talks über Sie denken.
Roche: Bei manchen Zuschauern werde ich bestimmt wie der Blitz einschlagen, wenn ich einfach nur dasitze. Aber die Aufregung wird schnell wieder verpuffen. Ich habe nicht vor, meine Gäste zu beleidigen, und ich bereite mich auf Interviews genauso akribisch vor wie Amelie Fried das wahrscheinlich getan hat.
SPIEGEL: Sie haben mal gesagt, in einer Talkshow gehe es nicht um Wahrheit, sondern um Unterhaltung. Gilt das auch für "3 nach 9"?
Roche: Na klar. Auch dem konservativsten Publikum ist es lieber, wenn es vorm Fernsehen nicht einschläft. Auch konservative Leute gucken so eine Show, weil sie immer hoffen, vielleicht passiert ja heute was.
SPIEGEL: Bestand bei "3 nach 9" bisher das Risiko, dass das Publikum einschläft?
Roche: Ja, manchmal, klar. Das liegt auch an dieser sehr, sehr schweren Ernsthaftigkeit. Ich bin ja dafür, dass ein Gast lieber lügt, damit es unterhaltsam wird, als eine langweilige Wahrheit zu erzählen.
SPIEGEL: Ist das Ihr Ernst?
Roche: Natürlich, das ist doch die Voraussetzung für gute Unterhaltung. Egal, ob am Kneipentisch oder im Fernsehen.
SPIEGEL: Belügen Sie uns dann hier auch?
Roche: Bisher noch nicht. Aber falls ich beginne, Sie anzuöden, müssen Sie nur Bescheid sagen.
SPIEGEL: Was sind Ihrer Meinung nach die langweiligsten Talkshow-Wahrheiten?
Roche: Für mich ist das langweiligste ein Schauspieler, der sagt, wie nett sein Regisseur war, wie toll er sich mit den Kollegen verstanden hat und was für ein wichtiger Film das ist, den er gerade promotet. Das ist das Schlimmste, was es gibt.
SPIEGEL: Diese Leute kommen doch gerade deshalb in die Talkshows, weil sie sich da so wichtig fühlen dürfen.
Roche: Ja, leider.
SPIEGEL: Auch die Moderatoren nehmen sich bisweilen ziemlich ernst.
Roche: Diese vorgetragene Wichtigkeit ist ganz schlimm, vor allem bei Reinhold Beckmann. Der ist so ein Darsteller von einem Journalisten, der in jede Frage eine unglaub-li-che Be-deu-tung legt - und in Wahrheit ganz nackte Boulevardfragen stellt. Er macht so auf seriöser Journalist, aber hakt nur den Fragekatalog der "Bunten" ab. Boris, jetzt mal ganz ehrlich, und so. Er redet übers Bumsen in der Kleiderkammer, tut aber so, als hätte das eine metaphysische Dimension.
SPIEGEL: Wie wollen Sie dem Talkshow-Genre die Langeweile austreiben?
Roche: In den USA weiß jeder große Weltschauspieler, wenn er in einer Show auftritt, dass er peinliche Geschichten von sich erzählen und sich selbst kleinmachen muss. Auf keinen Fall darf er versuchen, superernst genommen zu werden.
SPIEGEL: Wenn Sie Gast in Talkshows sind, liefern Sie demnach meist eine Show.
Roche: Ich bin der ideale Gast. Das größte, was ich in meiner Karriere gemacht habe, waren meine Auftritte bei Harald Schmidt. Ich vergöttere ihn ja und habe immer totale Angst, bei ihm zu versagen. Darum bereite ich mich tagelang auf einen solchen Auftritt vor. Ich weiß, ich brauche für einen Auftritt drei, vier Geschichten. Ich brauche zwei Gags pro Minute. Das ist eine Wahnsinnskopfarbeit, das vorher zu überlegen. Ich übe das zigmal vor Verwandten, erzähle die Geschichten mal kürzer, mal länger. Hinterher muss das natürlich spontan wirken, und alle Leute müssen denken, die Roche war bestimmt betrunken. Aber spontan ist da nichts.
SPIEGEL: Klingt nach harter Arbeit.
Roche: Ich finde es einfach unmöglich, wenn einer erzählt, ich war gerade in Mailand und habe mir Schuhe gekauft. Da denk ich nur: Das ist deine Geschichte, die du allen erzählen willst? Mann, setz dich vorher hin, mach dir Gedanken, und liefer was ab! In Deutschland herrscht immer noch dieser langweilige Respekt vor den Kollegen. Das will doch keiner hören. Man will doch Lästergeschichten hören. Was Gemeines.
SPIEGEL: Wie ist denn das Verhältnis zu Ihrem neuen Talk-Kollegen Giovanni di Lorenzo?
Roche: Dazu kann ich noch nichts sagen. Wir haben uns ja auch erst dreimal kurz gesehen. Ich habe Sorge, dass ich neben dem wie so ein dummer, platter Bauer wirke. Der ist eine sehr respekteinflößende Person, er spricht immer so leise, und alle hängen an seinen Lippen.
SPIEGEL: Vor Ihnen haben die Gäste wohl eher Angst, vor allem die Männer.
Roche: Ach, Männer sind doch schon erleichtert, wenn sie merken, dass ich gewaschen bin und mir keine Büsche unter den Armen wachsen. Wenn ich da nett "Hallo" sage, fällt von denen eine Riesenanspannung ab. Das war schon bei den Interviews mit männlichen Journalisten so, als das Buch gerade rauskam. Manche haben wirklich ganz erleichtert gesagt: "Sie haben ja geduscht, ich bin so froh!"
SPIEGEL: Vor einem Jahr durchbrach Ihr Buch "Feuchtgebiete" die Marke von einer Million verkauften Exemplaren. Was hat das für Sie verändert?
Roche: Ich war wie ein Buch auf zwei Beinen, das durch die Gegend läuft, und alle sagen: Das ist doch dieses Buch mit dem Pflaster vorn drauf. Das verändert alles. Es ist ja nicht leicht auszuhalten, dass jeder denkt, die wäscht sich nicht, die ist tierisch behaart, und ganz sicher hat sie Hämorrhoiden. Man läuft rum und sieht die Denkblasen der anderen, und in jeder Denkblase ist eine Hämorrhoide.
SPIEGEL: Aber dafür sind Sie doch selbst verantwortlich, das steht alles in Ihrem Buch.
Roche: Das Buch ist zu einem Monster geworden. Man ist zu viel in den Köpfen der Leute.
SPIEGEL: Wie sind Sie damit umgegangen?
Roche: Ich bin einfach nicht aus meinem Viertel rausgegangen. Dort kennt man mich ja, und nach ein paar Wochen hatte sich das beruhigt.
SPIEGEL: Der Erfolg hat Ihnen Angst gemacht?
Roche: Man muss aufpassen, dass man nicht größenwahnsinnig wird. Wenn mir das vor zehn Jahren passiert wäre, wäre ich an Drogen zugrunde gegangen. Wenn ich keine Familie hätte und mein Kind nicht jeden Tag zur Schule bringen müsste, wäre es eine Vollkatastrophe geworden.
SPIEGEL: Ist dieser Verkaufserfolg eigentlich eine Leistung, auf die Sie stolz sind?
Roche: Es ist komisch, aber um das Buch geht es gar nicht mehr. Die Leute sagen nicht mehr: tolles Buch, sondern Glückwunsch zum Erfolg. Es ist der Erfolg, der die Leute fasziniert.
SPIEGEL: Sind Sie stolz?
Roche: Wenn ich das Buch angucke, wie es so daliegt, dann ist es mir total fremd. Es ist das Buch von allen geworden und nicht mehr nur meins. Das ist gruslig. Ich verbinde damit auch schlimme Dinge: zu viele Lesungen, zu viele Fotos, zu viel von zu Hause weg gewesen. Ich war nahe am Nervenzusammenbruch. Aber wenn ich das alles vergesse und daran denke, wie viel Spaß es gemacht hat, das zu schreiben, dann bin ich stolz.
SPIEGEL: Macht es Ihnen noch Spaß, die Zoten-Charlotte zu sein?
Roche: Nein, ich kann nicht mehr. Es gibt eine Erschöpfung. Ich war mal eine verbale Sau, aber ich bin es nicht mehr. Das ist vorbei. Früher fand ich es total geil, Männer unter den Tisch zu saufen. Das war vorbei, als ich Mutter wurde. Dann fand ich es auch gut, noch viel obszöner und zotiger zu sein als jeder Mann, den ich kenne. Aber ich habe mein ganzes Pulver jetzt verschossen. Ich habe in so vielen Sendungen gesessen und immer nur Zoten gemacht. Ich habe mich selbst darauf reduziert. Ich kann einfach nicht mehr.
SPIEGEL: Im Fernsehen hatten Sie fast immer schlechte Quoten, wurden aber von der Kritik gefeiert. Bei Ihrem Roman "Feuchtgebiete" war das umgekehrt. Sind Sie jetzt eine Frau für die Nische oder für die Masse?
Roche: Bis ich dreißig war, konnte ich immer sagen: Was ich im Fernsehen mache, ist zu schlau für die Masse. Ich war unerfolgreich, aber total beliebt. Zum ersten Mal in meinem Leben sind Leute neidisch.
SPIEGEL: Im aktuellen Roman von Bodo Kirchhoff rechnet er mit einer Figur ab, die auf Sie gemünzt ist. Verstehen Sie den Neid der Literaten?
Roche: Ja, mein Erfolg muss ja für alle total frustrierend sein, die Bücher schreiben. Auch für Journalisten. Es gibt da diesen Harald Martenstein ...
SPIEGEL: ... den "Zeit"-Kolumnisten ...
Roche: Ich glaube, der ist besessen. Immer wenn ich den lese, ist der schon wieder dabei, sich zu erregen, so nach dem Motto: Ein Buch über Hämorrhoiden hätte er auch schreiben können. Hat er aber nicht.
SPIEGEL: Ihr Buch ist in 30 Sprachen übersetzt. Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung von "Feuchtgebiete"?
Roche: Alle Länder waren cooler als Deutschland. Holländische Kritiker sagen, bei ihnen drehe sich fast jedes Buch ums Kacken und Masturbieren, das seien doch auch die wichtigsten Themen im Leben. Die kann man nicht schocken. Für Ausländer ist das Buch ein Beweis, dass die Deutschen ein Analproblem haben. Kommt ja auch oft in Filmen vor. Die Verbindung von Nazis und Stuhlgang. Das finden Ausländer sehr lustig. Die sehen darin ein Psychogramm der deutschen Seele.
SPIEGEL: Im Ausland war es dann auch kein feministisches Manifest?
Roche: Nein, das war es nur hier. Hier war alles viel größer, viel hysterischer, ernster und schwerer.
SPIEGEL: Hierzulande sind Sie für manche Feministinnen eine Ikone geworden. Die Botschaft: Frauen befreien sich von Rollenmustern und Konsumterror, wenn sie sich nicht waschen und untenrum nicht rasieren.
Roche: So war das aber nicht gemeint. Die Stimmung in den Lesungen war so eine weibliche Befreiungsstimmung. In dem Buch geht es um viele Sachen, mit denen ich ein Problem habe. Viele Frauen haben mit ihren Freundinnen angefangen, über Dinge zu reden, was vorher nicht ging. Wir denken immer nur, unsere Welt ist so übersexualisiert. In Wahrheit sind wir alle verklemmt. Alle haben Angst, sich zu blamieren, wenn man etwas über sich erzählt.
SPIEGEL: Heidi Klum wurde zu Ihrer Antipodin aufgebaut. Aber Sie mögen "Germany's Next Topmodel" angeblich. Oder ist das auch nur eine lustige Lüge?
Roche: Ich schaue die Sendung immer, und ich bin immer auf Heidis Seite und verteidige sie. Das gibt jedes Mal Krach in der Familie. Die anderen haben immer Mitleid mit den Models, weil die so jung sind, oft weinen und so weit weg sind von zu Hause. Aber wer so schwach ist, darf eben nicht Model werden wollen.
SPIEGEL: Würden Sie gern mal mit Klum tauschen?
Roche: Ich würde wahnsinnig gern in einer Castingshow-Jury sitzen. Da würden sich die Leute wundern, wie mies und hart ich wäre. Ist auch weniger anstrengend, als immer nur zu lachen.
SPIEGEL: Wer ist derzeit die beste deutsche Unterhaltungskünstlerin?
Roche: Ich glaube Heidi Klum. Sie ist die abgewichsteste Verkäuferin von allen. Sie zieht es eisenhart durch. Die ist ein weltweiter Star, dagegen komme ich im pupsigen Deutschland nicht an.
SPIEGEL: Ob Buchbestseller oder Fernsehen - letztlich kommt es nur darauf an, wer am besten unterhält?
Roche: Auch ein Buch wird letztlich wie eine neue Flasche Wasser verkauft. Die Leute sagen dann, "Guck mal, wie nett die da sitzt und mit dem Kerner schäkert", kriegen gute Laune und gehen wie ferngesteuert ins Geschäft und kaufen das Buch. Dann landet man auf der Bestsellerliste. Und was dann kommt, kann
ich nicht begreifen: Menschen kaufen Bücher, nur weil sie in der Bestsellerliste sind.
SPIEGEL: Was ist daran unbegreiflich?
Roche: Schreibt man ein Buch für Menschen, die Bücher lesen, kann das niemals ein richtiger Bestseller werden. Schreibt man aber ein Buch für Fernsehzuschauer, geht das. Es schauen einfach mehr Leute fern, als Leute Bücher lesen. Die haben sonst kein einziges Buch, nur "Feuchtgebiete" steht da im Schrank.
SPIEGEL: Wann kann man sich ein zweites Roche-Buch dazustellen?
Roche: Ich habe im Januar angefangen, ein neues Buch zu schreiben. Es ist ja supereinfach, man schreibt ein Buch und kann davon leben. Mittlerweile frage ich mich aber, weshalb ich überhaupt ein zweites Buch schreiben muss. Ich bin ja keine Autorin. Ich muss niemandem beweisen, dass ich das ein zweites Mal schaffe.
SPIEGEL: Über die private Charlotte Roche weiß man kaum etwas von Belang.
Roche: Ich bin ein riesenaggressiver Beschützer meiner Privatsphäre. Ich will nicht, dass die "Bild"-Zeitung über meine Familie schreibt. Ich klage gegen alles. Wenn "Bild" schreibt, Charlotte Roche ist 29, dann erstreiten wir eine Gegendarstellung, dass ich 31 bin. Ich gehe gegen wirklich alles vor, was die machen.
SPIEGEL: Macht Ihnen das Spaß?
Roche: Ja, weil man immer gewinnt. Das kann ich total empfehlen, immer gegen "Bild" zu klagen.
SPIEGEL: Wie finden Sie die aktuelle "Bild"-Werbekampagne mit Prominenten?
Roche: Widerlich. Es gibt eine Liste in meinem Kopf, und da werden Personen gestrichen: Supernanny - fand ich nett, ist jetzt gestorben. Werbung für "Bild", völlig untendurch, egal, was die noch sagt. Es sind ja auch Leute darunter, die selbst viel gegen "Bild" klagen. Das ist doch eine fiese Doppelmoral. Ich bin da viel nachtragender.
SPIEGEL: Alice Schwarzer?
Roche: Gestorben.
SPIEGEL: Richard von Weizsäcker?
Roche: Gestorben.
SPIEGEL: Johannes B. Kerner?
Roche: Auch gestorben. Sind die denn alle echt so eitel und denken: Toll, so viele Plakate in ganz Deutschland mit meinem Gesicht drauf?
SPIEGEL: Es gab einen langen Rechtsstreit mit "Bild" über die Berichterstattung zum Tod Ihrer drei Brüder bei einem Verkehrsunfall. Bekommen Sie nach wie vor Anfragen von "Bild"?
Roche: Ja, da weiß eine Hand nicht, was die andere tut. Es arbeiten sicher ganz nette und unschuldige Menschen dort. Sie kommen trotzdem alle in die Hölle. Ich rede mit denen niemals. Das ganze Blatt basiert nur auf Esoterik, auf Fragen wie: "Wer ist gestorben?", "Wer hat geil Krebs?" und "Wer hat sich getrennt?"
SPIEGEL: Sie werfen "Bild" vor zu lügen, kokettieren aber selbst damit, lustige Lügen zu erzählen. Uns interessiert der Wahrheitsgehalt Ihrer Geschichten. Was ist etwa mit den Plänen, Hardcore-Pornos zu drehen oder einen Swinger-Club für coole Menschen aufzumachen?
Roche: Erst mal auf Eis gelegt.
SPIEGEL: Es war Teil Ihrer Inszenierung.
Roche: Nein, das war vergangenes Jahr eine ernsthafte Idee von mir. Einen stylischen Swinger-Club aufzumachen, finde ich nach wie vor toll. Ich kenne Swinger-Clubs von RTL II, die sehen total angsteinflößend aus. Da sitzen dicke Männer mit Tanga und Maske an einer Schwarzlichtbar. Totaler Alptraum. Meine Idee war ein Laden mit schönem Interieur, guter Musik und Menschen in meinem Alter.
SPIEGEL: Ausgerechnet Sie wollen also eine Körperkontrolle machen?
Roche: Nein, die hässlichen sind sowieso viel besser im Bett. Die geben sich mehr Mühe.
SPIEGEL: Gibt es einen Rollenkonflikt: Die mediale Charlotte Roche lügt, ist zotig und will ständig anecken, und die private Frau Roche führt ein ganz spießiges Leben?
Roche: Total. Privat lässt mich jeder in Ruhe. Meine Freunde sagen immer, wenn dich die Menschen da draußen wirklich kennen würden und wüssten, wie spießig du bist ...
SPIEGEL: Sie schrecken aber auch nicht davor zurück für die Inszenierung Ihres Buches einen Freund zu bemühen, der beim Lesen des Buches eine Erektion bekommen habe.
Roche: Der hat das gar nicht mitbekommen, dass ich das gesagt habe.
SPIEGEL: Würden Sie sich so was auch ausdenken, damit das Buch sich besser verkauft?
Roche: Klar. Die Grenzen sind fließend. Manchmal sagt man eine Lüge so oft, dass
sie dann zur Wahrheit wird. Das ist bei mir total so. Meine Mutter hat immer zu mir gesagt, dass man lügen können muss. Man will doch beim Lügen nicht rot werden.
SPIEGEL: Wenn wir uns dieses Interview ausgedacht hätten?
Roche: Dann würde ich Sie verklagen. Aus sportlichen Gründen. Aber lustig fänd ich es trotzdem.
SPIEGEL: Haben Sie sich von den Millionen, die Sie verdient haben, eigentlich mal einen echten Lustkauf gegönnt?
Roche: Nichts. Alles Betongold. Ich hab ja vorher schon ganz gut verdient. Doch, ich habe ein Schlauchboot gekauft, 4,6 Meter lang, 20 PS starker Motor. Ich interessiere mich nicht für Autos. Kurz bevor die Finanzkrise losging, kam die erste Überweisung. Ich dachte, das kann ich nicht der Bank geben. Ich habe wahnsinnige Angst, was davon abzugeben. Super spießig eben. Anale Phase, zumachen, nichts hergeben. Ich habe mich bei diesen Summen total verändert. Es darf nicht weniger werden.
SPIEGEL: Jetzt fehlt eigentlich nur noch, eine konservative Partei zu wählen.
Roche: Um Gottes willen. Ich bin links. Millionäre schröpfen. Vom Konto her müsste ich CDU wählen. Aber ich bin absolut bei den Linken.
SPIEGEL: Frau Roche, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
* Mit Ines Schiller am 25. September 2008 in Halle.
* Am 21. Mai beim Finale von "Germany's Next Topmodel" mit der Gewinnerin Sara Nuru in Köln.
* Mit den Redakteuren Martin U. Müller und Markus Brauck in Köln.
Von Martin U. Müller und Markus Brauck

DER SPIEGEL 36/2009
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