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GRIECHENLAND

Wählen statt feiern

Eigentlich sollte der 4. Oktober ein Festtag für die Nea Dimokratia werden. Die Regierungspartei von Premier Kostas Karamanlis wollte an diesem Tag den 35. Jahrestag ihrer Gründung feiern. Doch nun hat Karamanlis für dieses Datum überraschend Neuwahlen ausgerufen und damit große Teile der Partei gegen sich aufgebracht. Denn der Meinungsumschwung trifft die Nea Dimokratia zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Griechenland steckt in einer tiefen Krise; Tourismus und Handelsschifffahrt, tragende Säulen der griechischen Wirtschaft, mussten schwere Einbußen hinnehmen. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr gingen im ersten Halbjahr um bis zu 20 Prozent zurück, die Erlöse aus der Handelsschifffahrt um fast 40 Prozent. Gleichzeitig blühen Schattenwirtschaft und Korruption. Die OECD schätzt deren finanziellen Umfang auf 65 Milliarden Euro jährlich. Die "Industrie der Korruption", Schmiergelder an staatliche Stellen, kommt auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Das Volumen der Steuerhinterziehung liegt bei 20 Milliarden Euro - alle Indizien deuten "eher auf ein Entwicklungsland als auf ein entwickeltes Land" hin, heißt es in dem OECD-Bericht.

Karamanlis geht ein großes Risiko ein. In Umfragen führt die sozialdemokratische Pasok mit sechs Prozent Vorsprung vor der Nea Dimokratia. "Ich bin gescheitert. Wählt mich wieder", spotten Kommentatoren über den Amtsinhaber. In ihrer Not rührt die Regierungspartei sogar an ein Tabu. Der Abgeordnete Kyriakos Mitsotakis, Sohn von Ex-Premier Konstantin Mitsotakis, schlägt eine Große Koalition von Konservativen und Sozialisten vor, falls es keine eindeutige Mehrheit gibt.


DER SPIEGEL 37/2009
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