26.09.2009

Rückspiegel

Der SPIEGEL berichtete ...

... in Nr. 38/2009 "Panorama - Rotes Kreuz: Alljährliche Bluttests an Bierleichen" über dubiose Blutentnahmen zu Studienzwecken in der BRK-Notfallambulanz des Münchner Oktoberfestes.

Vorvergangenen Donnerstag trat BRK-Chefärztin Monika Mirlach als ärztliche Leiterin der Oktoberfest-Ambulanz zurück. Kurz zuvor hatte sie erfahren, dass die Staatsanwaltschaft München nicht nur gegen den Veranlasser der Studie, sondern nun auch gegen sie persönlich wegen Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler glauben, dass Mirlach von den Bluttests wusste und diese geduldet hat.

Artikel aus SPIEGEL 38/2009 vom 14.09.2009

Alljährliche Bluttests an Bierleichen

Wegen Blutentnahmen an Hunderten volltrunkener Patienten auf dem Oktoberfest gerät das Bayerische Rote Kreuz (BRK) immer stärker unter Druck. Ende August musste der BRK-Kreisverband München einräumen, dass der Leipziger Arzt Christian Binner 2004 in der Notfallambulanz der Wies'n 405 Bluttests vornehmen ließ, die in eine medizinische Studie über Trinkgewohnheiten und Drogenkonsum eingeflossen sind. Weil es Zweifel am Einverständnis der stark alkoholisierten Probanden zur Studienteilnahme gab, ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung gegen den Arzt, aber auch gegen ehrenamtliche Helfer des Rettungsdienstes. Bei einer internen Sitzung zur Aufklärung der Vorfälle vergangenen Dienstag soll der BRK-Führung von Bereitschaftsärzten vorgeworfen worden sein, es habe nicht nur 2004, sondern auch in den Jahren von 2005 bis 2008 Tests unter Binners Leitung gegeben. Dies habe das BRK der Öffentlichkeit verschwiegen. Die Ärzte behaupteten, auf Anweisung des Leipziger Mediziners sei bis zu 300 Patienten pro Jahr Blut für sogenannte Blutgasanalysen abgenommen worden. Die Proben seien in einer Versuchsreihe ausgewertet worden. Das BRK räumte ein, dass es Beschwerden über weitere Blutentnahmen für angebliche Studien gegeben habe. Diese seien aber zu diagnostischen Zwecken erfolgt. Auch Binner ließ über seinen Anwalt mitteilen, es seien 2005 bis 2008 zwar Blutgasanalysen erfolgt, die Werte hätten jedoch keiner Studie gedient.


DER SPIEGEL 40/2009
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