05.10.2009

SCHWEDENRaubzug der Roten Barette

Beim spektakulären Helikopter-Raub im Stockholmer Stadtteil Västberga blamierte sich die schwedische Polizei nach Kräften. Alarmierte Beamte mussten am 23. September tatenlos von der Straße aus zusehen, wie der Hubschrauber vom Dach eines Sicherheitsdepots wieder abhob, nachdem zwei abgeseilte Ganoven säckeweise Geld an Bord gehievt hatten. "Die Polizisten warteten auf eine Spezialeinheit", erklärte ein Sprecher später. Eine Verfolgung per Helikopter scheiterte, weil die beiden einzigen Maschinen der Polizei wegen einer vermeintlichen Bombe nicht starten durften. Eine Attrappe reiche, "um die gesamte Hubschrauberstaffel der Polizei außer Gefecht zu setzen", hämte die auflagenstärkste Zeitung "Aftonbladet". "Das klingt entsetzlich", stöhnt Justizministerin Beatrice Ask.
Seit vergangene Woche auch noch bekannt wurde, dass die schwedischen Behörden rechtzeitig gewarnt worden waren, kennen Hohn und Spott kaum noch Grenzen. Sicherheitsbehörden in Belgrad hatten Stockholm vor gut einem Monat von dem geplanten Raubzug in Kenntnis gesetzt, inklusive Namen und Telefonnummern der Täter sowie dem Objekt der Begierde. "Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand, außer selbst nach Schweden zu fahren und den Raub zu verhindern", sagt Serbiens Polizeichef Milorad Veljovic. "Sie wurden über alles informiert", erklärt auch Sasa Vukadinovic, Chef des serbischen Nachrichtendienstes, selbst darüber, "dass ein Helikopter verwendet werden sollte".
Ein ehemaliger serbischer Polizeipilot, der für den Coup angeworben werden sollte, hatte die Pläne offenbar verraten. Nachdem der vermeintliche Tag der Tat, der 15. September, ereignislos verstrichen war, hatten die Schweden die Sicherheitsvorkehrungen allerdings wieder abgeblasen. Eine Woche später landete der ungebetene Besuch - genau nach Plan.
Bis Freitag nahm die schwedische Polizei sechs Verdächtige fest, drei sitzen in Untersuchungshaft, drei sind wieder auf freiem Fuß. Zusammen mit einer noch unbekannten Anzahl von Komplizen sollen sie mindestens 65 Millionen Kronen (6,3 Millionen Euro) erbeutet haben, andere Schätzungen gehen von bis zu 100 Millionen Euro aus.
Zu den Verdächtigen gehören neben einem prominenten schwedischen TV-Produzenten berüchtigte Kriminelle aus dem ehemaligen Jugoslawien. Belgrads Innenminister Ivica Dacic bestätigte, dass Mitglieder der Roten Barette bei dem Raub mitmischten - die ehemalige jugoslawisch-serbische paramilitärische Sondereinheit war seinerzeit an schweren Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien beteiligt. Einer ihrer Ex-Führer wurde für den Mord am serbischen Premier Zoran Djindjic 2003 verurteilt. Die in Stockholm überfallene Sicherheitsfirma G4S wiederum ist Mehrheitseignerin des serbischen Sicherheitsunternehmens Progard. Ob das eine Rolle gespielt hat bei der Planung des Raubzugs, ist bislang unklar. G4S ist weltweit im Einsatz, unter anderem zum Schutz des amerikanischen Pentagon sowie von Atomkraftwerken in den USA.

DER SPIEGEL 41/2009
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SCHWEDEN:
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