Ein wahrhaft nobler Akt von Selbstverleugnung: Groß-Autoren wie Botho Strauß und Heinz Strunk, Elfriede Jelinek, Roger Willemsen, Daniel Kehlmann und Hans Magnus Enzensberger erlaubten dem Humoristen Thomas Gsella, 51, ihre Namen für ein besonderes Satire-Projekt zu benutzen - für dessen "Offenbacher Anthologie": "Warte nur, balde dichtest du auch!" (Ullstein Taschenbuch Verlag; 7,95 Euro). Dutzende Dichterinnen und Dichter werden hier vorgestellt, mit kurzer Biografie, einem lyrischen Werk und dessen Interpretation durch einen anderen namhaften Autor. Aber alles an diesem Buch ist allein Gsellas Erfindung. Sein Werk ist eine köstliche Parodie auf die "Frankfurter Anthologie", die Lyrik-Kolumne der "Frankfurter Allgemeinen", die seit 1974 jeden Samstag das Bildungsbürgertum mit einer Gedicht-Exegese beeindruckt. Die Gedichte des Ex-"Titanic"-Autors schimmern murmelgleich zwischen poetischer Entfesselung und strengem Haiku, die Kommentare beglücken durch offensives kritisches Delirium, herzhaftes Pathos und akademische Bewirtschaftung.
DER SPIEGEL 51/2009
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