Wegen der Fixierung auf die Schweinegrippe sind andere, lebensgefährliche Erkrankungen mitunter erst verspätet erkannt worden. Dies geht aus einem soeben erschienenen Artikel des "British Medical Journal" hervor. Ärzte aus dem nordenglischen Newcastle upon Tyne berichten darin von sechs Patienten, die im Juli und August vergangenen Jahres mit der Diagnose Schweinegrippe ins örtliche Krankenhaus eingeliefert wurden. Tatsächlich jedoch litten sie, wie die Klinikärzte später feststellten, an lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Malaria, akuter Leukämie oder Hirnhautentzündung. Medizinexperten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland zu gefährlichen Fehldiagnosen gekommen ist, weil Ärzte in manchen Fällen zu voreilig Schweinegrippe diagnostizierten. "Ich bin mir sehr sicher, dass auch bei uns solche Fehler gemacht worden sind", sagt Reinhard Berner, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. "Eine systematische Erfassung dieser Fehler hat es meiner Kenntnis nach aber nicht gegeben."
DER SPIEGEL 4/2010
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