SPIEGEL: Sie wollen ein Wirtschaftsmagazin mit dem Schwerpunkt nachhaltiges Wirtschaften starten. Finden Sie diesen Trend noch neu?
Friemel: Das Heft ist auch ein Kind der Finanzkrise. Die überhöhte Renditeorientierung hat die Wirtschaft gegen den Baum gefahren und zu einem Umdenken in der Bevölkerung geführt. Das Thema nachhaltiges Wirtschaften ist bei den Vorständen angekommen und nicht mehr länger nur ein Konstrukt der Marketingabteilungen und PR-Menschen.
SPIEGEL: Viele Wirtschaftsmedien kämpfen derzeit ums Überleben.
Friemel: Thematisch geht es in den meisten Wirtschaftsmedien auf dem Markt doch darum, wie man aus Geld mehr Geld machen kann. Wir haben einen anderen Schwerpunkt. Mit unserer Ausrichtung rennen wir bei Anzeigenkunden, Journalisten und potentiellen Lesern offene Türen ein. Wir verhalten uns antizyklisch.
SPIEGEL: Das Layout erinnert an eine Mischung aus den Zeitschriften "Brand eins" und "Monocle".
Friemel: Wir können natürlich das Rad nicht neu erfinden, das ist modernes Magazinlayout. Trotzdem versuchen wir, unverwechselbar zu sein.
SPIEGEL: Ein Großverlag fand sich aber nicht für Ihr Projekt?
Friemel: Großverlagen haben wir das nie angeboten. Wir bekommen unser Geld von sozial orientierten Investoren. Unser Verlag arbeitet auch nach den Prinzipien eines Social Business, das passt nicht mit Großverlagen zusammen. Wir wollen unseren Gewinn nur ins Produkt, ins Honorar der Mitarbeiter oder auch in soziale Projekte investieren. Wir wollen keinen einzigen Euro abschöpfen.
SPIEGEL: Klingt nach journalistischer Mission. Wie lautet Ihre?
Friemel: Auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und dabei helfen, diese auch zu überwinden. Wir wollen Menschen dafür begeistern, nachhaltig zu wirtschaften, und ihnen auch Handreichungen mit konkreten Tipps mitgeben.
DER SPIEGEL 4/2010
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