13.02.2010

13. Februar 2010 Betr.: Titel

Der Katalog einschlägiger Sünden ist ebenso umfassend wie differenziert: Es gibt eher kleine wie das üppig belegte Frühstücksbrot, mittelschwere wie die Missachtung von Verkehrsvorschriften, größere wie Alltagslügen im Arbeitsleben und wirklich schlimme Sünden wie Missbrauch oder Mord. In einer Art kulturgeschichtlicher Strafpredigt zum Aschermittwoch beschreibt SPIEGEL-Autor Matthias Matussek, 55, wie die Sünde von der Bibel erfunden und zum weltweiten Exportschlager mehrerer Religionen wurde - und wie sie selbst, klagt der Titelautor, "nun vom Verfall bedroht ist". Bei seinen Recherchen in der Vor-Karnevalszeit über den zumeist vergeblichen Kampf der Menschen gegen die zahlreichen Anfechtungen des Alltagslebens fand er heraus, dass die Sünde "aus der öffentlichen Rede verschwunden ist", sie habe "kein metaphysisches Gewicht mehr". Matussek, einst Messdiener und Jesuitenschüler, stellt sich dem entgegen. Als praktizierender Katholik beichtet er seine Sünden bis heute regelmäßig. Das sei "entlastender, als auf die ganz große Schlussabrechnung durch einen gnädigen Gott zu warten, wie es Protestanten tun". Im Beichtstuhl bat der SPIEGEL-Mann auch um Vergebung für die Umstände, unter denen in Rom sein Foto im Petersdom entstanden war: Mit der geliehenen Ministrantenkutte eines befreundeten Theologieprofessors hatte er sich dort, verbotenerweise, zu einer Kardinalsweihe Zutritt verschafft (Seite 60).

DER SPIEGEL 7/2010
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