Cem Özdemir, 44, Vorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen, bereitet sich mit gemischten Gefühlen auf ein Treffen mit Barack Obama vor. Ende April ist der türkischstämmige Schwabe zu Gast im Weißen Haus. Der amerikanische Präsident hat muslimische Vertreter aus etwa 40 Ländern zu einem Treffen nach Washington gebeten, um über die Verständigung zwischen den Kulturen zu reden. Der Muslim Özdemir, der seinen Glauben ungefähr so intensiv praktiziert wie die Mehrheit seiner christlichen Mitbürger, freut sich darauf, Obama zu treffen. Sorgen macht er sich jedoch über die Anreise: "Ich hoffe, dass ich wenigstens ohne Probleme ins Land darf, wenn ich schon vom Präsidenten eingeladen bin", sagt er. Bei seinen letzten Visiten in den USA wurde er von den Grenzkontrolleuren mehrmals befragt und wie ein Terrorverdächtiger behandelt. Als er auf Nachfrage seinen Beruf als "Parteichef der Grünen" angab, fragte ein Beamter: "In welchem Business sind die Grünen tätig?" Özdemir habe geantwortet: "In demselben wie die Demokraten und Republikaner bei Ihnen, aber wir nennen das nicht Business, sondern Politik."
DER SPIEGEL 13/2010
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