12.04.2010

Briefe

Der liebe Gott gibt keine Antwort

Nr. 14/2010, Titel: Der (Un)fehlbare - Die gescheiterte Mission des Joseph Ratzinger

Medizinisch gesehen ist die katholische Kirche ein komatöser Patient und hat die schwerste Form einer quantitativen Bewusstseinsstörung. In diesem Zustand kann sie auch durch starke äußere Schmerzreize - wie Kirchenaustritte und weltliche Strafverfolgung - offenbar nicht geweckt werden.

Freising (Bayern) Peter Porath

Nach den Versäumnissen, Fehlleistungen und Skandalen in der bisherigen Amtszeit von Benedikt XVI. wäre ein Rückzug des Papstes auf die Tätigkeit angebracht, die er am besten beherrscht, nämlich das Verfassen theologischer Abhandlungen. Da dies jedoch nicht zu erwarten ist, sollte man sich überlegen, in Zukunft jüngere Theologen zu Päpsten zu wählen und die Amtszeit in einem bestimmten Alter zu beenden. Männer, die in einem Alter zum Papst gewählt werden, in dem sich der Normalbürger bereits 10 bis 20 Jahre im beruflichen Ruhestand befindet, sind in diesem anspruchsvollen Amt psychisch und physisch überfordert.

Frechen (Nrdrh.-Westf.)

Prof. Dr. Claus Werning

Ich bedaure, dass die Medien sich wieder einmal nur auf ein engbegrenztes Thema konzentrieren. Jetzt wäre es an der Zeit, erneut darauf hinzuweisen, wie viele Priester heimlich mit Frauen zusammenleben und wie viele uneheliche Kinder von Priestern es gibt, die von ihren Vätern verleugnet werden (müssen). Auch in diesem weiten Feld hat die Kirche sehr viel gutzumachen - und sie wird es auch hier wieder nur tun, wenn sie keine andere Wahl mehr hat.

Übersee (Bayern) Birgit Reit

Alle Achtung! Dass ein Medium sich traut, den heiligsten Heiligen der Jetztzeit so offen und deutlich als gewöhnlichen fehlerhaften Irdischen zu bezeichnen, ist wirklich ein Highlight der Mediengeschichte. Es wird aber bald vorbei sein mit dem Hype gegen die Kirchen und ihre Oberhäupter, denn die Menschen brauchen etwas Höheres, Unangreifbares zum Anflehen, Befragen und Trotzdem-keine-Antwort-Kriegen. Antworten hat die Kirche nie wirklich gegeben. Dazu ist der liebe Gott da. Und der gibt erst recht keine, der hat ja die Kirche.

Schliersee (Bayern) Ilse Schmeller

An allem soll der "eulenäugige alte Mann mit der hohen Stimme" schuld sein? Nun, einen Schönling wie Brad Pitt als Heiligen Vater können sich viele auch nur im Film vorstellen. Sie fragen, warum ihm "nichts mehr gelingen" will. Als Atheist bewundere ich ihn dafür, wie es ihm souverän gelingt, gegenüber diesem Generalangriff der selbsternannten reinen Christen und sonstigen Edlen nicht zu verzweifeln, den Mut nicht zu verlieren. Und ich bin froh, dass es diese Kirche mit allen ihren Fehlern und Mängeln als letzte, unabhängige moralische Instanz noch gibt.

Limbach-Oberfrohna (Sachsen)

Michael Sieber

Pauschalverurteilungen und Beleidigungen sollten nicht der Stil unserer Zeit und Gesellschaft sein. Es ist traurig und bitter anzusehen und zu lesen, wie gegen die Kirche und gegen Papst Benedikt geschrieben wird. Ihre Artikel tragen nicht dazu bei, die schwere Sünde des Missbrauchs aufzuklären, den Opfern zu helfen und solcher Schande in Zukunft vorzubeugen. Mit Hetze, Kirchenkampf und Kampf gegen Gott ist keinem geholfen.

Cochem (Rhld.-Pf.) Bruder Bonifatius Faulhaber

Die derzeitigen Ereignisse lassen bei einem noch nicht ganz im neunten Lebensjahrzehnt stehenden Katholiken den Wunsch aufkommen, einer christlichen Kirche anzugehören, deren Führung nicht ausschließlich aus solitär lebenden, weltfremden alten Männern mit Unfehlbarkeitsdünkel besteht, deren Führung sich vielmehr zusammensetzt aus mitten im Leben stehenden Menschen beiderlei Geschlechts, bei denen es naturgemäß auch "menschelt", die aber zu Fehlern stehen, wie zum Beispiel die dadurch glaubwürdig gebliebene ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann.

Kronberg im Taunus (Hessen) Manfred Bickel

Unsere Zeitqualität beinhaltet, dass bei Personen und noch mehr bei Institutionen Verdrängtes und Unterdrücktes an die Oberfläche kommt. Dazu gehören insbesondere die systembedingten Absurditäten der katholischen Kirche, während die Protestanten sich freuen können, keine unmenschlichen Prinzipien und Dogmen zu haben. Schon unsere Klassiker wussten, dass die Sonne es an den Tag bringt. Auch diese verhält sich bekanntlich seit einiger Zeit ungewöhnlich. Allgemein gesagt: Wir befinden uns in einer Götterdämmerung sämtlicher Halbgötter. Und echte Götter gibt es hienieden nicht.

Prien a. Chiemsee (Bayern) Dr. Manfred Doepp


DER SPIEGEL 15/2010
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