Über Ihren Artikel musste ich doch staunen. Zum ersten Mal seit ihrer Amtsübernahme hat mir Angela Merkel imponiert: Endlich einmal hat sie das ihr eigene Schwammige, Ungenaue, Nebulöse verlassen, zum Themenkomplex Hilfe für Griechenland deutlich Stellung bezogen und diese Haltung dann - das ist die viel größere Überraschung - gegen Widerstände politisch durchgesetzt. Ähnliches konnte man in ihrer gesamten Amtszeit als Bundeskanzlerin leider noch nicht beobachten. Hut ab, Frau Merkel! Das wäre einem Helmut Kohl nicht passiert.
Ostfildern (Bad.-Württ.) Benjamin Binzer
Frau Merkel ist in Sachen Europapolitik nur bedingt mit Adenauer und Kohl zu vergleichen. Alle vereint das Streben nach einem möglichst gemeinschaftlichen Europa. Allerdings muss jeder die weiteren Ziele den sich verändernden Realitäten anpassen. In diesem Fall hat Angela Merkel einen Verhandlungserfolg erzielt. Einerseits hat sie mit der deutschen Tradition gebrochen, in Krisenzeiten für ein geeintes Europa gern etwas mehr zu zahlen. Andererseits wird für Griechenland und somit auch für alle anderen potentiellen Krisenkandidaten deutlich, dass der europäische Solidaritätsgedanke nicht unbegrenzt strapazierbar ist, so wie es auch in den europäischen Einigungsverträgen verankert wurde.
Hermannsburg (Nieders.) Frank Haller
DER SPIEGEL 15/2010
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