12.04.2010

Helden auf Bewährung

Die Pubertät gilt als Zeit der Hormonstürme, des Ausflippens und der Nervenkriege. Nun fordern Hirnforscher und Pädagogen einen neuen Blick auf die Flegeljahre: In Wahrheit sind Jugendliche zu erstaunlichen Leistungen imstande, wenn sie sich an ernsthaften Aufgaben beweisen dürfen.
Es war ein trauriges Häuflein, das sich da auf steilen Pfaden hinaufschleppte ins Hochgebirge: 15 Schulkinder aus Hamburg, schnaufend, jammernd und völlig erschöpft.
Selbst dem Lehrer Holger Butt sank der Mut. "Die erste Etappe war extrem hart", sagt er. "Die haben alle geweint."
Endlos zog sich die "Saugasse" hin, der berüchtigte Anstieg vom Berchtesgadener Königssee zur Hochfläche des Steinernen Meeres. Es war der 1. September, Tag der Entscheidung für die kleinen Wandersleute von der Gesamtschule Winterhude. Gerade waren sie aufgebrochen, die Alpen zu überschreiten, 200 Kilometer bis nach Italien.
Und schon am ersten Tag drohte ein frühes Ende.
Am Morgen des zweiten Tages traten die Schüler vor ihren Lehrer. Sie sagten: "Wir schaffen das schon, Herr Butt."
Drei Wochen lang stapften die Flachländler durch Hitze, Eis und Regen, bis zu zehn Stunden am Tag. Sie kochten sich Nudelpampe auf Esbitkochern, schliefen in Berghütten oder, wenn sie Talorte erreichten, in Turnhallen; so sparten sie Geld. Irgendwie schafften sie es bis ans Ziel: Bozen in Südtirol.
Und, Kinder, würdet ihr so was noch einmal machen?
"Jaaa!", rufen sie im Chor: Larissa, Dennis und Nora; auch Hanna und Juliana, die "jeden Tag mal umkehren" wollte; Pauline und Mara, deren Ausdauerrekord bis dahin, wie sie sagt, bei "acht Stunden Shoppen" lag. Und Christoph mit seinem Asthma, dem hin und wieder die Luft knapp wurde. "Zweimal hatte ich Panikattacken in der Nacht", sagt er heute mit dem Stolz eines Revolverhelden, der seine vernarbten Schusswunden zeigt.
Ist das die pubertierende Jugend, wie man sie kennt? Sind das die launischen, hormongetriebenen Monster, die nur noch im Internet herumhängen und nichts mehr geregelt kriegen? Wie scheucht man solche Typen im heikelsten Alter von 13 bis 15 Jahren über insgesamt 14 000 Höhenmeter im An- und Abstieg?
"Die Kinder haben sich alle freiwillig beworben", sagt Lehrer Butt.
An der Gesamtschule Winterhude ist das nichts Besonderes mehr; da machen sie so was jetzt jedes Jahr. Das Konzept "Herausforderungen" gehört zum Lehrplan. Für die Jahrgangsstufen 8 bis 10 beginnt das Schuljahr mit einem dreiwöchigen Abenteuer. Leitspruch: Zeig, was du draufhast!
Über 300 Schüler schwärmen da inzwischen aus: Die einen organisieren sich eine Kanutour von Potsdam nach Hamburg, die anderen bauen nach eigenen Plänen einen Wintergarten fürs Schulcafé. Laila, 14, stellte ein Popkonzert auf die Beine, Pressearbeit, Logistik und Versicherungskram inklusive. Die Einnahmen gingen an die Kinder indischer Prostituierter.
Pubertierende sind zu echten Leistungen fähig - das ist eine Nachricht von hohem Neuigkeitswert. Denn gemeinhin gilt die Pubertät nur als zeitweiliges Irresein.
Speziell die Medien kennen es kaum anders: Wer in die Flegeljahre gerät, kippt Wodka mit Brausepulver, ritzt sich die Unterarme auf und bringt Eltern wie Lehrer um den Verstand. Erfreulich daran ist offenbar nur, dass der Schrecken irgendwann vorübergeht.
Schwierige Jahre sind das zweifellos. Die Kinder werden unleidlich, störrisch und überempfindlich, weil die Natur sie packt und umformt. Sie geraten unter das Diktat der Hormone, die Geschlechtswesen aus ihnen machen, ob ihnen das passt oder nicht. Halb stolz und halb widerwillig nehmen sie wahr, was da alles an ihnen wächst und schwillt. Im Schnitt sind Mädchen mit knapp 13 Jahren fortpflanzungsfähig, Jungen folgen etwa ein halbes Jahr später.
Vor allem aber wird das Gehirn in dieser Zeit gründlich umgebaut. Mit immer genaueren Befunden zeigt die Hirnforschung, wie sich die grauen Zellen neu vernetzen. Die Folgen sind beträchtlich: Das Denkvermögen gewinnt an Schärfe, und die alten Kinderfreuden werden schal. Dafür erwacht ein unbestimmtes Sehnen nach dem großen Abenteuer.
Selbst die Gedankenlosigkeit, mit der Jugendliche sich manchmal in Gefahren stürzen, folgt einem evolutionären Plan: Die Natur schubst ihre Geschöpfe mit aller Macht in die Scharmützel des Lebens.
Zwei, drei Jahre dauert die kritische Phase, und die Gebeutelten wissen oft kaum noch, wie ihnen geschieht. Sicher ist nur: Sie sind keine Kinder mehr. Aber was dann?
Alles wird nun anders, nur die Schule nicht. Die Schule macht einfach weiter im Programm: eine Stunde Redoxreaktion, danach die Heiratspolitik der Agilolfinger; und nach der Pause die Dezimalentwicklung der reellen Zahlen. Was könnte einem Schüler in Zeiten des Aufruhrs gleichgültiger sein?
Viele Kinder erleben die Schule in dieser Zeit als Anstalt von spukhafter Unwirklichkeit. Sie verziehen sich, seit langem wird es beklagt, in die innere Emigration.
Eine Alpenexpedition ist da offenbar schon eher nach ihrem Geschmack. "Die Kinder sind anders zurückgekommen, als sie losgezogen sind", berichtet Lehrer Butt. "Sie haben etwas geleistet, das ihnen niemand zugetraut hätte." Und der Unterrichtsausfall? "Die lernen in diesen Wochen so viel. Das wiegt das, was sie vielleicht versäumen, bei weitem auf."
Die Gesamtschule Winterhude ist eine von mehreren Schulen im Land, die einen neuen Umgang mit den Flegeljahren versuchen. Sie wollen der Pubertät gerecht werden als einem Entwicklungsschritt, der seine eigenen Gesetze hat. Ein Hintergedanke ist auch dabei: Womöglich verläuft der Auszug aus der Kindheit dann ein bisschen milder; vielleicht lassen die Überspanntheiten nach, das Exaltierte und die Nervenkriege.
Die staatliche Montessori-Oberschule in Potsdam geht besonders beherzt an den Versuch heran. Sie schickt die Klassen 7 und 8 zur Knochenarbeit auf ein verfallenes Feriengelände der Stasi. Auf dem Plan steht der Bau von Ställen, Werkstätten und einer Küche. Später sollen die Kinder hier jeden Monat eine Woche leben, lernen und Landwirtschaft betreiben. Die Schulleiterin Ulrike Kegler stellt das kühne Unternehmen in einem Buch vor, das soeben erschienen ist(*1).
Sogar im bildungsfrommen Schwabenland gibt es schon ein Pubertätsprojekt. Eine 7. Klasse der Thomas-Schweicker-Hauptschule in Schwäbisch Hall zog gerade ins nahe Hohenloher Freilandmuseum. Drei Jahre lang werden die Kinder dort jede Woche zwei Tage verbringen. Als Erstes renovieren sie das marode Schulhaus. Ein paar Wände haben sie
schon herausgerissen, acht Kubikmeter Steine und Dreck, echte Maloche. "Das finden die ja gerade toll", sagt ihr Lehrer Martin Thomas. Nebenher legen die Schüler historische Gärten an und erforschen die Geschichte der alten Bauten; bald wollen sie Besucher herumführen.
Den Anstoß fürs Umdenken gab der Pädagoge Hartmut von Hentig, der den Schulbetrieb - unbeschadet seiner verharmlosenden Äußerungen in der laufenden Missbrauchsdebatte - über Jahrzehnte hinweg mit Reformideen versorgt hat. In seinem Buch "Bewährung" zieht Hentig quasi die Summe seiner Pädagogik: Man möge, schlägt er vor, die gesamte Mittelstufe probeweise "entschulen"(**2). Die Schüler, statt widerwillig zu büffeln, sollen für zwei Jahre hinausziehen in die Welt. Dort packen sie eine Aufgabe an, die sie wirklich fordert. Sie drehen einen großen Film, stellen ein zirkusreifes Akrobatikprogramm auf die Beine oder bauen ein fahrtüchtiges Auto aus Teilen vom Schrottplatz.
Die herkömmliche Schule richtet in diesem Alter ohnehin sehr wenig aus; das bestätigen die Daten der Bildungsforscher. In den Klassen 7 bis 9 ist der Lernzuwachs kümmerlich, wie eine Langzeitstudie der Hamburger Schulbehörde ("LAU 9") ergab. Gerade die besten Schüler kommen kaum mehr voran; die schlechteren holen mit Mühe ein wenig auf.
Das Interesse erlischt bei den Schülern oft so plötzlich, dass sie selbst erschrecken. Julia, 18, Gymnasiastin aus München, weiß noch, wie sie mit ihrer Mutter in der 7. Klasse ein Englischdiktat übte. Es war ein Debakel, sie machte Fehler über Fehler. Zufällig kam später heraus, dass Julia das gleiche Diktat im Jahr zuvor schon einmal absolviert hatte - und damals war es ihr tadellos gelungen.
"Beim zweiten Mal hatte ich einfach andere Sachen im Kopf", sagt Julia. "Für Vokabeln war da überhaupt kein Platz mehr."
Mit der Pubertät nimmt das Dasein eine radikale Wende. Wer das ignoriert, vergeudet schlimmstenfalls kostbare Jahre. "Die Bildung müsste in dieser Zeit ganz anders organisiert werden", sagt der Familienberater Jan-Uwe Rogge, Autor mehrerer Bestseller ("Pubertät: Loslassen und Haltgeben"). "Die Pubertierenden sind doch die Helden der Gegenwart. Sie müssen ausziehen, das Leben zu packen. Genau das dürfen sie aber nicht."
Rogge hat öfters verzweifelte Eltern mit ihren Kindern in seiner Praxis. Als Erstes rät er ihnen gewöhnlich, eine Woche lang das Wort "Schule" nicht in den Mund zu nehmen. "Aber das schaffen sie nie", sagt Rogge. "Die Schule dominiert alles in dieser Zeit, sie versaut das gesamte Familienklima. Und Pisa hat die Probleme noch mal verschärft."
Für viele Schüler tut sich im Alter von 12 oder 13 ein Widerspruch auf, der lange Zeit ihr Leben bestimmen wird: Der große Aufbruch der Pubertät versackt in einem schier endlosen Wartestand.
"Wir haben eine viel zu lange Kindheit", meint der Erziehungswissenschaftler und Buchautor Wolfgang Bergmann. "Bei uns stecken Menschen mit 18, 19 Jahren noch im Kindstatus. Mutti stellt ihnen ihr Spiegelei hin, räumt die Unterwäsche weg und weiß stets, wann die nächste Mathe-Arbeit ansteht."
Gleichzeitig wächst der Druck, den lebensfernen Prüfungen der Schule zu genügen: "Die verwöhnende Abhängigkeit, in der viele Jugendliche verfangen sind, ist durchsetzt mit starken Leistungsängsten", sagt Bergmann. Für handfeste Erfahrungen jenseits der Schule bleibt immer weniger Raum. Der junge Mensch geht oft schon auf die dreißig zu, wenn er schließlich in den Ernst des Lebens entlassen wird.
Auch in den USA wird das Problem derzeit debattiert. Der Psychologe Robert Epstein, langjähriger Chefredakteur des Magazins "Psychology Today", zog mit einem dicken Buch ("A Case Against Adolescence") zu Felde gegen die Unsitte, Menschen ab 14 Jahren weiterhin wie Kinder in Unselbständigkeit zu halten - isoliert von der Welt der Erwachsenen. Vor allem dieser Infantilisierung, meint Epstein, verdanken sich die bekannten Überspanntheiten der Jugendkultur: das exzessive Telefonieren, die Aufregung um die richtigen Klamotten, die Versessenheit auf Online-Spiele.
Die Publizistin Barbara Sichtermann sieht das ähnlich. Die Gesellschaft schiebe ihre Teenager ab "auf eine Art Spielwiese, auf der sie jede Menge Geld für Schnickschnack ausgeben, aber keine wirklichen Aufgaben erfüllen dürfen", schreibt sie in ihrem Buch "Pubertät - Not und Versprechen". Die Folge: Jugendliche griffen "in ihrer Sehnsucht nach ,Ernst' und ,wirklichem Leben' zu Surrogaten wie Waffen oder Drogen oder verordnen sich selbst Wahnzustände in Discos oder auf Konzerten".
Die Jugend früherer Zeiten dagegen litt noch keineswegs an Lebensferne - erst die Industrialisierung brachte eine total verschulte Jugendphase hervor. Bis ins 19. Jahrhundert führten junge Menschen früh ein selbständiges Dasein; an ihrer Nützlichkeit bestand kein Zweifel, schon weil sie nach Möglichkeit zum Familieneinkommen beitrugen.
Völkerkundler steuern ähnliche Befunde aus den Stammeskulturen in Afrika und Asien bei. Die Geschlechtsreife der Jugend wird dort mit Initiationsriten freudig begrüßt, und dann beginnt zügig der Ernst des Lebens. Über Jahrtausende hinweg wären die jungen Leute gar nicht auf die Idee gekommen, sich abzugrenzen. "Sie bemühten sich vielmehr, selbst möglichst schnell erwachsen zu werden", sagt Uwe Krebs, Ethnologe an der Universität Erlangen. "Erst bei uns verharrt die Jugend in einem derart langen Schwebezustand."
Die Frage ist: Was darf man von jungen Menschen erwarten, die ihr Leben mit einer Art Langzeitarbeitslosigkeit beginnen? Welche Folgen hat es, wenn sie ausgeschlossen bleiben von allem, was in der Gesellschaft zählt? Kann es sein, dass die Industriegesellschaft den aufregendsten Lebensabschnitt ihrer Kinder verpfuscht?
Der neue Blick auf die Pubertät kommt nicht von ungefähr. Vor allem die Hirnforschung der vergangenen Jahre hat zum Wechsel der Perspektive beigetragen.
Noch Mitte der Neunziger glaubte die Fachwelt, das Hirn sei spätestens mit zwölf Jahren ausgereift. Die Wirrsal, die um diese Zeit einsetzt, schrieb man allein dem Walten der Hormone zu. Die Pubertät galt als Kollateralschaden auf dem Weg zur Geschlechtsreife.
Freilich stammte dieses Wissen haupt-sächlich aus Obduktionen. Seit die Forscher in der Lage sind, in lebende Gehirne hineinzuleuchten, sieht die Sache ganz anders aus. Vor allem die Magnetresonanzbilder des US-Neurologen Jay Giedd brachten Erstaunliches ans Licht.
Giedds Hirn-Scanner am National Institute of Mental Health nahe Washington ist schier unentwegt im Einsatz; an die 2000 Kinder und Jugendliche hat der Forscher in die Röhre geschoben, manche über Jahre hinweg immer wieder.
Die Aufnahmen zeigen, dass unterm Schädeldach im Alter von elf oder zwölf Jahren eine Generalüberholung der Schaltkreise beginnt. Und von Chaos kann dabei keine Rede sein; alles folgt einem Plan: Das Gehirn wird fit gemacht für den Eintritt ins selbständige Leben.
Gegen Ende der Kindheit wächst die graue Masse der Großhirnrinde zunächst noch einmal an; geradezu verschwenderisch sprießen die Zellen aus. Zu Beginn der Pubertät aber kommt es zu einer Wende: Die graue Masse schwindet wieder. Jede Sekunde sterben bis zu 30 000 Nervenverbindungen ab, vor allem wohl diejenigen, die selten gebraucht worden sind. Das Gehirn sortiert aus, es konzentriert seine Kräfte, es modelliert sich neu - und es wird dabei wesentlich schneller.
Denn zugleich wächst in der Pubertät die weißliche Schicht, mit der die graue Hirnrinde innen ausgekleidet ist: In ihren Falten und Klüften verlaufen dichtgepackte Nervenkabel, elektrisch isoliert durch eine fettreiche Hülle, die Myelinscheide. Diese Kabel leiten die Impulse der Hirnzellen viel zuverlässiger als unverkleidete Fasern. Die Geschwindigkeit steigt von fünf auf hundert Meter pro Sekunde. Obendrein feuern die Neuronen selbst nun viel schneller, weil die Erholungszeit zwischen den Impulsen sinkt.
Alles in allem, schätzt Jay Giedd, kann der Durchsatz auf einigen der Datenautobahnen um das 3000fache steigen.
Das Gehirn stellt also, anders gesagt, alles in den Dienst der Effizienz. Es wird zu einem Organ des gezielten Handelns.
Die Verwandlung geschieht unter dem Dirigat des Hypothalamus, eines Steuerzentrums tief im Zwischenhirn, das viele unbewusste Vorgänge regelt. Das Tuning des Gehirns ist genau getaktet; die Reifung verläuft von hinten nach vorn, von den einfachen zu den höheren Funktionen.
Mit dem Wahrnehmungsapparat fängt es an: Der Sehsinn erreicht jetzt seine größte Schärfe; Gehör und Tastsinn fol-gen. Später sind die zusammengesetzten Geistestätigkeiten, etwa die Raumorientierung, an der Reihe. Auch die Sprachzentren, verteilt auf beide Hirnhälften, profitieren nun von den neuen schnellen Langstreckenkabeln: Ihre Schaltkreise gewinnen erheblich an Agilität - oft zum Kummer der Eltern, deren Teenager plötzlich ein teuflisches Vergnügen an hintertriebenen Wortgefechten entwickeln.
Am Ende fehlt noch die höchste Instanz: der präfrontale Cortex gleich hinter der Stirn. Hier hat die Besonnenheit ihren Hauptsitz. In den Stirnlappen werden Emotionen reguliert, rumorende Impulse aus älteren Hirnteilen gebändigt und die Folgen von Handlungen bedacht - alles Dinge, bei denen Jugendliche zeitweise denkbar schlecht abschneiden. Viele Wirren der Pubertät erklären sich daraus, dass diese Region erst ganz zuletzt ausreift.
Bis dahin sind die Heranwachsenden leichte Beute für Erregungen aller Art. Es genügt der Einfall, mit Freunden loszuziehen - schon schüttet ihr Gehirn einen Vorschuss an Glückshormonen aus. Normalerweise würde sich nun der präfrontale Cortex einschalten mit der Erinnerung an die überfälligen Hausaufgaben. Solange aber dieser Spielverderber schwach ist, hat das Belohnungssystem weitgehend freie Bahn.
Sein Zentrum findet sich hinter den Schläfen im Nucleus accumbens; dort wird das Streben nach angenehmen Dingen gesteuert. "Etliche Studien zeigen, dass das Belohnungssystem in der Pubertät stärker ausschlägt", sagt Kerstin Krauel, Entwicklungspsychologin an der Universität Magdeburg. "Aus Sicht der Evolution ist das wohl auch sinnvoll."
Der präfrontale Cortex bringt ja nicht nur Ruhe und Übersicht ins Hirn, er ist auch das Zentrum der Zögerlichkeit. Nur weil er als Gegenspieler ausfällt, kann das Streben nach Glück oft so bedenkenlos durchschlagen - die Natur katapultiert die Kinder aus ihrer Selbstgenügsamkeit. Eben noch waren sie stundenlang selig mit einer Kiste Legosteine. Und nun erwachen sie mit dem Gehirn eines wagemutigen Abenteurers, der es bei Mama und Papa einfach nicht mehr aushält.
Für die Eltern ist die Pubertät eine schmerzliche Zeit. Die Kinder werden aufsässig; sie verbünden sich mit den Gleichaltrigen, für deren Anerkennung sie nun fast alles tun. Die Eltern aber haben erst einmal ausgespielt. Sie werden ihrem Nachwuchs zunehmend peinlich.
Vor diesem Los gibt es wohl kein Entrinnen. Geben die Eltern sich Mühe, wird es oft nur schlimmer. Esra, 14, spielt Fußball, und ihr türkischer Vater ist so stolz auf sie, dass er kein Spiel versäumt - an sich ein Glücksfall gelungener Integration. "Und dann feuert er mich auch noch an", sagt Esra. "Das ist überhaupt nicht auszuhalten." Pauline, 16, kennt das Gefühl; es überkommt sie, wenn ihre Mutter tanzt. Sie weiß, es ist nicht das Tanzen an sich: "Bei anderen Müttern finde ich das ja auch nicht schlimm", sagt Pauline.
Die eigenen Eltern sind es nur, die keinesfalls mehr durch Ausgelassenheit oder gar Liebeswallungen auffällig werden dürfen. Denn Erregungen und Affekte aller Art sind jetzt ganz heikel: Die Kinder entdecken gerade mit großem Herzklopfen ihre eigene erotische Macht. Mädchen können plötzlich mit kunstvollem Hüftschwung verstohlene Blicke auf sich lenken; Jungen bekommen Hirnsausen, wenn sich die Hübsche aus der Parallelklasse auf dem Schulhof neben sie setzt. Alles ist jetzt Bühne und wechselseitiges Taxieren.
Nichts stört dabei mehr als die Eltern, mit denen die Kinder in ganz andersartiger Liebe verstrickt sind. Diese dürften nun gern für eine Weile im Hintergrund versteinern - es sei denn, der rebellische Nachwuchs braucht plötzlich mal wieder ganz dringend den geliebten Eistee mit Pfirsich von Mama zum Einschlafen.
In dieser Zeit des Übergangs kann es nicht gerecht zugehen. Die Kinder sind impulsiv und unbedacht, gelegentlich auch hirnvernagelt. Immer mal wieder ist ihr Bewertungssystem im präfrontalen Cortex heillos überfordert. Werden sie in die Enge getrieben, greift der Hirnstamm auf seine archaischen Notfallprogramme zurück: Angriff, Flucht oder Totstellen.
Die einschlägigen Ratgeber empfehlen zuoberst Gelassenheit und Humor. Man möge auch nicht alles zu Ende diskutieren, lieber einmal nachgeben. Die Zeit geht ja vorbei. Und irgendwann bekommen die Eltern ihren Stammplatz unter den wichtigsten Lebensmenschen zurück. "Genießen Sie Ihre Kinder", empfiehlt der dänische Familientherapeut Jesper Juul in seinem neuen Buch, "achten Sie auf das, was wunderbar ist(*3)."
Viele Eltern sind ja zumindest insgeheim stolz auf die selbständigen, oft überraschend tiefsinnigen Wesen, die sie jetzt um sich haben. Auch gewinnen ihre Kinder an logischer Schlusskraft. Das Debattieren, besonders um missliebige Haus-
haltspflichten, betreiben sie jetzt mit der Begeisterung von Kampfsportlern. Und sie sind schwer zu schlagen.
"Das Potential der Pubertät wird viel zu wenig genutzt. Sie bedeutet ja nicht nur Horror. Das Gehirn ist bereit zu Höchstleistungen", sagt die Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel. Es ist die Zeit, da sich die jungen Sinnsucher gern auf die Literatur, die Musik und besonders auf die Philosophie werfen. In puncto Weltanschauung neigen sie freilich zu moralischem Furor. Mit Vorliebe greifen sie das angepasste Leben der Eltern an, und nicht immer zu Unrecht.
Auch körperlich sind die Geistesrecken in beeindruckender Verfassung: Sie strotzen vor Kraft und Geschicklichkeit; ihr Immunsystem ist optimal gerüstet, und sie können mehr Kälte, Hitze und Hunger ertragen als je zuvor und danach in ihrem Leben. Auch das Vermögen, Verletzungen auszuheilen, ist nun auf dem Höhepunkt. Die Jugendlichen sind, mit einem Wort, bereit für den Ernstfall.
Aus Sicht der Evolution könnten sie jetzt eine Kriegerhorde auf die Jagd nach Flusspferden führen. Stattdessen erschöpft sich ihr Abenteuergeist darin, gelegentlich bei einer Lateinarbeit abzuschreiben - so sehen es jedenfalls zwei Erlanger Professoren, der Neurobiologe Ralf Dawirs und der Kinderpsychiater Gunther Moll. Im vergangenen Jahr warfen die beiden ein thesenstarkes Buch in die Debatte ("Endlich in der Pubertät"). Darin fordern sie das Wahlrecht und noch einiges mehr ab 14 Jahren - es sei höchste Zeit, der Jugend ihren Platz im Leben zurückzugeben.
Solche Ideen, ausgegoren oder nicht, sind gerade erstaunlich virulent. Dem Zeitgeist scheint die Totalverschulung allmählich auf die Nerven zu gehen. Als die Hamburger Gesamtschule Winterhude mit ihren dreiwöchigen "Herausforderungen" anfing, gab es weit und breit nichts dergleichen. Heute kommen Anfragen von überall her. Nach dem Trip wurden die Heimkehrer zu Hause bewundert, als hätten sie Hannibals Elefanten nach Bozen geführt. "Das ist uns ja fast schon ein bisschen zu viel", sagt Abenteurerin Mara.
In der Tat handelt es sich um ganz normale Großstadtkinder, die bis dahin das Wandern kaum attraktiver fanden als das Häkeln von Klorollenüberziehern. Schon allein die Vorstellung, in Anorak und klobigen Stiefeln herumzulaufen, sei ihnen, wie Maras Freundin Hanna sagt, "einfach nur peinlich" gewesen. Einzig das Extreme an dem Vorhaben konnte sie locken. Sie bewarben sich, weil sie wissen wollten, ob sie fertig werden mit der enormen Strecke, den Strapazen, dem Heimweh.
Erfolg oder Scheitern war von Anfang an ihr eigenes Problem. Sogar das Geld mussten die Kinder selbst beschaffen. Der Einsatz der Eltern war auf 150 Euro beschränkt; das reichte kaum für die Zugfahrt. 3000 Euro fehlten der Gruppe noch, knapp kalkuliert. Mit Spendenbüchsen und Kuchenverkauf trieben die Kinder die Summe ein. Einer Apotheke luchsten sie einen Satz Blasenpflaster ab.
Unterwegs kamen dann die echten Krisen. Schon bald lernten die Jungalpinisten, wie schwer es ist, im Hochgebirge cool zu bleiben. Marvin zum Beispiel, Typ Skater, lief die ersten Tage standesgemäß mit offenen Schnürsenkeln. Er büßte mit schweren Blasen und gab nach.
Auch bei den anderen wackelte der Reihe nach die Fassade. Früher oder später hatte jeder mal einen Anfall von Schwäche und Mutlosigkeit. Oder einfach nur Angst vor einem schwindelerregend steilen Wegstück. "Die waren bald alle miteinander sehr ehrlich", sagt Lehrer Butt. Noch heute schwärmen die Kinder vom Rückhalt in der Gruppe. Dort fanden sie Trost und Zuflucht - und sei es nur vor der gelegentlichen Langeweile des Dahinstiefelns. "Dann haben wir eben gesungen", sagt Juliana.
Nach der Rückkehr bekamen die Schüler Fragebögen. Sie sollten eintragen, was das Abenteuer ihnen gebracht habe. Da steht jetzt unter anderem: selbständig sein; weitermachen; in schwierigen Situationen ruhig bleiben; nicht aufgeben; zusammenarbeiten; mit wenig Geld aus-
kommen; Unterkünfte suchen, Rucksack richtig packen; dass man nie zu schnell gehen darf.
Christoph hat jetzt einen neuen Blick auf die Probleme des Lebens, nämlich von oben: "Mann, du hast die Alpen überquert", sagt er sich dann. "Das kriegst du jetzt wohl auch noch hin."
Mehr kann man von drei Wochen nicht verlangen. Der Langzeitversuch der Montessori-Oberschule indes geht noch einen Schritt weiter: Alle 7. und 8. Klassen werden übers ganze Jahr hinweg in den Außendienst geschickt. Abwechselnd je eine Woche im Monat werden die Schüler am nahen Schlänitzsee verbringen.
Das abgeschiedene Ufergelände, gut drei Hektar groß, hatte einst die Stasi ihren Leuten zur Erholung eingerichtet. Seit 1989 verfallen die Bungalows zwischen den Pappeln; die Natur hat das stille Ruinenfeld schon halb überwuchert. Bald aber sollen hier Honigbienen brummen und Ziegen meckern, Ställe sind schon in Arbeit, Gärten werden angelegt, vielleicht eine Baumschule. Sobald die Pioniere ihre Bungalows saniert haben, wollen sie am See auch übernachten. Gäste von außerhalb sind dann ebenfalls willkommen; für ihre Verköstigung sorgt die Kochgruppe.
Schon länger suchte die Schule nach so einer Gelegenheit. "Die Schüler sind während der Pubertät in der Klasse nicht gut aufgehoben", sagt die Schulleiterin Ulrike Kegler. "Sie sind vollkommen unterfordert, wenn sie nur machen sollen, was man ihnen sagt."
Am See gibt es reichlich Gelegenheiten anzupacken. Eine der ersten Taten war ein Kompostklo. Dann galt es, eine abgestorbene Pappel zu fällen. Tagelang bearbeiteten die Kinder wie die Biber den riesigen Baum mit Äxten und Handsägen, bis er endlich fiel. 13-jährige Mädchen waren zu sehen, wie sie beherzt schwere Beile schwangen.
Nun müssen vermoderte Fußböden herausgerissen und Stromanschlüsse gelegt werden. Über Jahre wird sich das ehrgeizige Bauvorhaben hinziehen. Ganz ohne Hilfe geht das nicht: Neben den Klassenlehrern sind, als Fachkräfte für Lebenspraxis, ein Landwirt und ein Bootsbauer mit draußen. Die Kinder haben schon fünf Kanus gebaut.
Aber auch an Kopfarbeit herrscht kein Mangel. Pläne mussten her, ein Modell sollte entstehen. Dafür vermaßen die kleinen Bauleute penibel das Gelände. Und siehe da, im Kataster waren die Grenzen falsch eingetragen. Der Schriftverkehr mit den Behörden, der sich daraus entspann, oblag den Schülern selbst. Bald regte sich auch der Geschäftsgeist: Als das Alteisen aufgesammelt war, verhökerten sie die Fuhre an einen Schrotthändler. Erlös: 100 Euro.
Die Aussicht auf Plackerei in Kälte und Morast hatte die Schüler zunächst keineswegs begeistert. Das änderte sich, als sie dann draußen waren. Ein Idyll ist es aber immer noch nicht. Es gibt Krisen und gelegentlich einen alterstypischen Schub schwerer Unlust. Der Unterschied ist nur: Hier ist eine gemeinsame Sache in Gang; es gibt Dinge, die notwendig sind. Die Kochgruppe könne schon mal einen schlechten Tag haben, sagt die Schulleiterin Kegler. "Aber dann heißt es wieder: In anderthalb Stunden wollen 20, 30 Leute essen."
Das Projekt zieht viel Neugier auf sich. Bald rückten auch begeisterte Eltern am Schlänitzsee an, um mitzuhelfen beim großen Werk. Ernsthafte Verstimmungen bei den Schülern waren die Folge. Sie wollten, sagten sie, die Sache für sich haben.
Das Bedürfnis, sich von den Eltern abzusetzen, ist typisch für die Pubertät. Hier aber kommt hinzu, dass es den Kindern offenbar gefällt, etwas Eigenes zu leisten. Und das wollen sie sich keinesfalls von geschäftig herumwuselnden Erziehungsberechtigten verderben lassen.
Die Erfahrung, nützlich zu sein, wird den Kindern im herkömmlichen Schulbetrieb ziemlich systematisch verwehrt. Die Regelschule nimmt bis heute die Pubertät möglichst gar nicht zur Kenntnis - und wenn, dann nur als disziplinarisches Problem.
Das gilt auch für die Gesellschaft insgesamt: In der breiten Öffentlichkeit wird die Pubertät noch immer als Defizit betrachtet, dessen unerfreuliche Begleiterscheinungen es bestenfalls stoisch zu ertragen gilt.
Die Forschung wiederum war über Jahrzehnte fast ausschließlich auf den Krisenfall fixiert: Es ging um die Zappler, die Ritzer, die Ladendiebe, die frühschwangeren Lolitas. Angesichts dieses Zerrbilds musste die Jugend den Eindruck gewinnen, das Pubertieren sei ein eigener Beruf, für den man sich durch Ausgeflipptheit qualifiziert.
Die Medien taten das ihre, das Publikum zu alarmieren. Dabei ist vieles, was über die Pubertät kursiert, einfach falsch. Seit Jahren etwa wächst die Sorge darüber, dass die Kinder immer früher in die Pubertät kommen. Wer die Klagen hört, könnte meinen, bald würden Siebenjährige auf Stilettos zur Gebärklinik stöckeln, um dort, verrucht geschminkt, ihre erste Frühschwangerschaft zu absolvieren.
Aber in der Statistik ist davon nichts zu finden. Bei den Mädchen hat sich der Zeitpunkt der ersten Regelblutung nachweislich seit Jahrzehnten kaum verschoben. Die jüngste Bestätigung erbrachte vergangenes Jahr eine große EU-Studie der Berliner Charité an 1840 Schulmädchen: Die erste Regel trat im Schnitt mit 12,8 Jahren auf - so wie in den Sechzigern schon.
Dennoch machen immer wieder Schreckenszahlen die Runde. Eine stammt von dem vielzitierten Sexualforscher Norbert Kluge, einem emeritierten Professor der Universität Koblenz-Landau. Noch 2006 hatte Kluge geweissagt, im Jahr 2010 würden die Mädchen im Durchschnitt ihre erste Regelblutung schon mit 9,7 Jahren erleben.
"Das ist sicher nicht richtig", sagt Heiko Krude, Endokrinologe an der Charité und Mitautor der Berliner Studie. "Es gab immer schon einige wenige Mädchen, die sehr früh dran waren. Aber im Mittel hat sich nichts verändert." Der Anteil der Zehnjährigen, die ihre erste Regel bereits hinter sich haben, beträgt in Wahrheit ganze 2,2 Prozent.
Die Legende ist dennoch nicht zu tilgen. Eine Massenuntersuchung in den USA hat ihren Anteil daran. Dort wurden in den Neunzigern mehr als 17 000 Mädchen examiniert. Angeblich zeigten schon viele Siebenjährige Merkmale einer beginnenden Geschlechtsreife - fast ein Drittel der schwarzamerikanischen und immerhin sieben Prozent der weißen Mädchen.
Die Zahlen kamen aber auf fragwürdige Weise zusammen. Kinderärzte im ganzen Land spähten bei ihren Patientinnen nach äußeren Anzeichen, etwa dem ersten Brustansatz. "Da täuscht man sich aber leicht", sagt Krude. "Nach dem Augenschein können selbst Endokrinologen kaum zwischen Milchdrüsen und Fettgewebe unterscheiden." So manches Moppelchen dürfte deshalb als frühreif in die Statistik eingegangen sein.
Wahr ist nur, dass noch 1860 die Mädchen erst mit 16,6 Jahren in die Pubertät kamen; danach sank das Durchschnittsalter europaweit stetig bis ums Jahr 1960. Die Gründe sind bislang rätselhaft. Verdächtigt wird unter anderem der Cocktail der Hormone im Nahrungskreislauf.
Seit den Sechzigern aber ist das Pubertätsalter stabil. Nur die Sexualität erlebte seither noch eine Revolution. Der Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs rückte um Jahre nach vorn - und kam dann zu einem Halt. In den vergangenen Jahren bis 1989 stieg nur noch der Anteil derjenigen an, die schon mit 15 Jahren Sex hatten (29 Prozent) - um 2005 wieder auf 23 Prozent zu sinken. Das ergab eine Studie, die Silja Matthiesen vom Institut für Sexualforschung an der Hamburger Universitätsklinik durchführte. Die meisten Jugendlichen lassen sich nach wie vor Zeit, bis sie 16 oder älter sind. Und das erste Mal findet nicht an verruchten Orten, sondern oft zu Hause statt - also in zumindest stillschweigendem Einvernehmen mit den Eltern.
Auch von der allseits verfügbaren Pornografie scheint die Jugend, entgegen der landläufigen Meinung, nicht allzu beeindruckt zu sein. "Es kommt darauf an, wie man fragt", sagt Matthiesen. "Gesehen haben die meisten schon mal was, aber nur wenige nutzen das Angebot regelmäßig."
Bei den Jungs sind das 8 Prozent, und immerhin 35 Prozent geben zu, dass sie "hin und wieder" gucken. Der Hamburger Sozialpsychologe Gunter Schmidt findet eher erstaunlich, dass es nicht mehr sind. Schließlich bietet das Inter-net eine Fülle von Filmen aller Härtegrade. Andererseits sind Sexualreize seit den Siebzigern auch in den herkömmlichen Medien allgegenwärtig - und womöglich hat gerade das Überangebot, wie Schmidt vermutet, "eher zu einem gelassenen Umgang mit Sexualreizen geführt".
Für ihre erste Liebesbeziehung hegen die Heranwachsenden typischerweise eher wertkonservative Wünsche: Vertrauen, Ehrlichkeit, Kuscheln, Verbundenheit. Sex gehört aber unbedingt dazu, wie Silja Matthiesens Studie ergab. "Sex beglaubigt heute die Beziehung", sagt die Forscherin. "Das gilt aber auch umgekehrt. Sex ohne Liebe halten Jugendliche für wenig erstrebenswert."
In den Jahren vor dem ersten Mal trennen schon die Jüngeren sehr fein zwischen Schwärmen, Verliebtheit und Zusammensein. Verliebt waren alle schon mal in der 8. Klasse ihres Frankfurter Gymnasiums, sagt Paula. Aber sie ist die Einzige, die schon einen Freund hat. "Wir sind einfach noch zu jung für so was", sagt ihr Klassenkamerad Max.
Für eine gewisse Besonnenheit spricht auch, dass der lange beschworene Anstieg der Frühschwangerschaften ausgeblieben ist. Die Zahl ist heute in etwa auf dem Stand von 1996, als die Zählung begann. Nur 2,4 Prozent der Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag schwanger.
Wohin man blickt, die Jugend scheint einfach nicht verlottern zu wollen.
Und wenn es einen Trend gibt, ist er positiv: Die Zahl der jugendlichen Raucher sinkt; seit 2001 hat sich ihre Quote nahezu halbiert auf 15,4 Prozent - ein historischer Tiefstand. Der Konsum der spirituosenhaltigen Alkopops ging um zwei Drittel zurück, seit sie mit einer Steuer belegt sind. Voriges Jahr griffen nur noch knapp zehn Prozent der Jugendlichen mindestens einmal im Monat zu.
Sogar das Konfliktpotential in der Familie, dem Hauptkriegsgebiet der Pubertät, wird chronisch überschätzt. "Umfragen zeigen, dass rund 80 Prozent der Jugendlichen keine größeren Probleme mit ihren Eltern haben", sagt Karina Weichold, Entwicklungspsychologin an der Universität Jena.
Weichold beschäftigt sich vor allem mit den anderen 20 Prozent. Unter ihnen findet sie auffallend viele junge Leute, die ein besonderes Merkmal teilen: Sie erleben die Pubertät früher oder später als ihre Altersgenossen. Damit scheinen sie einiges Unheil auf sich zu ziehen. Schließlich sind sie in einem Alter, da alles davon abhängt, in den Augen der anderen "richtig" zu sein. Wer da schon mit 10 an der Reihe ist oder mit 16 immer noch nicht, hat es oft nicht leicht.
Die Probleme sind allerdings unter den Geschlechtern ungleich verteilt. Am meisten bekommen die frühreifen Mädchen ab. Sie fühlen sich mit ihrer neuen Weiblichkeit unter Gleichaltrigen häufig unverstanden. Obendrein neigen die Eltern dazu, sie übermäßig zu gängeln. So suchen die Mädchen eher die Gesellschaft Älterer, und sie übernehmen auch deren Verhalten - Rauchen und Trinken inbegriffen.
Dagegen kann ein Junge, den es gleichermaßen früh trifft, von Glück reden: Er ist in der Regel größer als seine Altersgenossen, und er beeindruckt mit breiten Schultern und maskulinem Bariton. Bei den Jungen sind es vorwiegend die Spätkömmlinge, die zu kämpfen haben: Eher klein, schmal und im Vergleich kindlich, werden sie gern gehänselt. Häufig versuchen sie, mit Alkohol den Rückstand auf die Mannhaftigkeit zu kompensieren.
Der Alkoholkonsum der Jugend gehört zu den Dingen, die tatsächlich Anlass zur Sorge bieten. Wenn auch der allgemeine Absatz rückläufig ist, so bleibt doch das haltlose Saufen einer Minderheit ein Problem. Im Jahr 2008 wurden rund 25 700 Menschen im Alter zwischen 10 und 20 wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert - fast dreimal so viele wie noch acht Jahre zuvor.
Früher betranken sich Jugendliche vor allem, um einander zu imponieren, heute aber tritt ein neues Motiv hinzu: "Auffallend ist der hohe Anteil der Angepassten, der Leistungsbereiten", sagt der Berliner Soziologe Klaus Hurrelmann. "Bis Freitag beugen sie sich dem enormen Druck der Schule, aber dann muss Schluss sein, und zwar schlagartig. Dann suchen sie die Turboentspannung."
Es ist nicht nur die Schule, die der Jugend zusetzt. Auch die Idealbilder der Jugendkultur, die ihnen die Medien auf allen Kanälen vorgaukeln, machen die Selbstfindung überaus anstrengend. Es wimmelt von coolen Erfolgstypen und dürren Top-Models, an denen normale Menschenkinder sich vergebens messen.
Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann beobachtet in seiner Praxis häufig, wie verzweifelt die Pubertierenden versuchen, ihrem Anspruch an Perfektion zu genügen. Das kann irreale Züge annehmen: Sie imaginieren sich als großartig, gehen aber jeder Probe aus dem Weg. "Diese Kinder sind völlig verzweifelt, wenn sie eine Fünf in Mathe haben, aber nichts auf der Welt kann sie dazu bringen, sich auf die nächste Arbeit vorzubereiten. Die wollen sich dem Realen nicht stellen, das Ich-Ideal wäre dann gefährdet", sagt Bergmann. "Und das ist neu."
Die Jungen weichen vor allem ins Internet aus. Dort ziehen sie als unangefochtene Helden durch Fabelwelten, oder sie hinterlassen in den Kommentarspalten von SchülerVZ ein paar coole Sprüche. "Mädchen dagegen inszenieren eher ihre reale Erscheinung", sagt Bergmann. "Bei mir erscheinen schon Zehnjährige so gestylt, als kämen sie auf eine Bühne. Die fühlen sich bereits verpflichtet, perfekt zu sein. Das ist aber gar nicht einzulösen."
Das perfekte Aussehen hat inzwischen eine überragende Bedeutung erlangt. Seit Jahren steigt der Anteil normalgewichtiger Mädchen, die sich zu dick finden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie eine volle Stunde früher aufstehen, nur um sich herzurichten. Und damit sei es nicht getan, sagt Övgü, 12. An ihrer Frankfurter Realschule rennen die Mädels nach jeder Unterrichtsstunde auf die Toilette. Im Gedränge vor den Spiegeln kontrollieren sie dann mal eben, ob noch alles sitzt.
"Ich würde wirklich gern mal einfach so rausgehen wie ein Bauer", sagt Övgü, "nicht immer erst Haare machen und aufstylen. Aber das geht nicht." Ausnahmen sind nicht einmal für den trauten Video-Chat mit den Freundinnen gestattet. Die Mädchen machen sich sorgsam zurecht, bevor sie zum Computer gehen und die Web-Kamera einschalten.
In diesem Alter ist es noch eher Glückssache, das richtige Maß an erotischer Akzentsetzung zu treffen. Zu viel Schwarz um die Augen, und schon fällt man als schlampenhaft durch - "Schminkopfer", sagt Övgü. Am anderen Ende des Spektrums, nicht minder bedauert, finden sich die wenigen "Lauchs", die es noch wagen, naturbelassen herumzulaufen.
Schon länger wird beklagt, dass die Kinder zu früh der Kommerzkultur und dem Kult ums richtige Erscheinungsbild anheimfallen. Die Industrie dränge schon "Zwölfjährigen ihre Girlie-Ausrüstung auf, vom Haarfärbeschaum über den Achselhaarrasierer bis zum Fußgelenkkettchen", schreibt die Publizistin Sichtermann. Halbe Kinder würden dazu genötigt, "als Attrappen von sexy Girls durch die Gegend zu stolzieren, ohne ihr Outfit oder ihr Gehabe durch den geringsten Anflug einer einschlägigen Erfahrung zu rechtfertigen".
Das ist allerdings nicht nur eine Erfindung von Geschäftsleuten, sondern die verbindende Eigenheit der gesamten Jugendkultur: eine Inflation übersteigerter Zeichen und Symbole, denen nur eine sehr spärliche Lebenspraxis zugrunde liegt. Die Jugendlichen verbringen ihr Dasein in einer Art Spiegelkabinett, wo ihnen immer nur Verzerrungen ihrer selbst begegnen. Ist es da ein Wunder, wenn sie sich mit überhitzten Allüren, unerfüllbaren Ansprüchen und Scheinproblemen gegenseitig hysterisieren?
Wer früh mit beiden Beinen im Leben stünde, müsste nicht erst durch Eskapaden zeigen, dass er was draufhat. Damit schließt sich der Kreis. "Die Jugendlichen können nicht produktiv sein", sagt der Soziologe Hurrelmann. "Deshalb sind sie angewiesen auf Spielwiesen, auf Kultur, Konsum und Privatleben."
Eine Jugend von solcher Dauer ist ohnehin historisch neu. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert verließen die meisten Jugendlichen schon früh das Elternhaus, um selbständig zu werden; sie traten in fremde Dienste oder begannen eine Lehre. In England arbeiteten zeitweise 60 Prozent der jungen Leute zwischen 15 und 21 Jahren als Dienstboten. Auch die Bessergestellten ließen ihre Nachkommen in die Fremde ziehen - die Kinder sollten das wahre Leben kennenlernen und ihre Sitten verfeinern. Nach ein paar Jahren kehrten sie dann zurück, um selbst eine Familie zu gründen.
Bei den Naturvölkern werden, wie Ethnologen berichten, schon die Kleinsten spielerisch an die Arbeit herangeführt: Viehzüchter geben den Dreijährigen etwa eine Ziege zum Hüten, in Pflanzerkulturen wird ihnen ein eigenes Gärtchen zugeteilt. Mag die Ernte auch anfangs gering sein, so ist doch der erste selbstgezogene Kürbis ein Grund zu beträchtlichem Stolz.
Mit den zweiten Zähnen, meist um das sechste Lebensjahr, treten die Kinder in einen neuen Lebensabschnitt ein: "Da beginnen sie, spürbare Hilfsdienste zu leisten", sagt der Erlanger Pädagoge Uwe Krebs. Vom westindischen Volk der Bhil ist bekannt, dass achtjährige Buben völlig selbständig Holz mit kleinen Karren über längere Strecken transportieren.
Das Spiel in diesen Kulturen ist keine separate Welt mit eigenen Gesetzen. Die Kinder imitieren von klein an einfach, was die Großen tun - zunächst auf kindliche Weise, doch mit der Zeit immer besser. "Spielen", sagt Krebs, "ist die Arbeitsweise des Kindesalters."
Zu Beginn der Pubertät ist in Umfang und Qualität das Niveau Erwachsener erreicht. In vielen Kulturen verlassen die Halbwüchsigen um diese Zeit das Elternhaus. Nicht selten ziehen sie für eine Weile in selbstverwaltete Jugendhäuser, wo sie sich ihre Anführer wählen und eine eigene Kasse verwalten. Meist sind sie gemeinnützig im Dorf tätig und daher hochgeschätzt. "Bei den Bhil in Indien holen zum Beispiel Jugendliche für kranke Erwachsene die Ernte ein", sagt Uwe Krebs. "Das ist fast so eine Art Rotkreuzdienst."
Generationenkonflikte dagegen sind in der Literatur, die Krebs gesichtet hat, so gut wie unbekannt. Die Jugend zeigt auch keinen Bedarf, sich nachhaltig von den Erwachsenen abzugrenzen. Im Gegenteil, sie tut alles, um dazuzugehören.
Auch in der westlichen Industriegesellschaft trat noch in den Fünfzigern zumindest der Großteil der männlichen Jugend früh in die respektable Arbeitswelt ein - mit 15, spätestens 16 begann die Lehrzeit. Heutige Schüler dagegen trudeln aufs Abitur zu ohne die geringste Ahnung von den Berufen, die ihnen offenstünden, und es ist ihnen ebenfalls schleierhaft, welche Art von Tätigkeit ihnen überhaupt liegt.
Tolga, 18, flog vor zwei Jahren von seinem Frankfurter Gymnasium. Zuletzt war er kaum noch hingegangen. "Ich hatte einfach keine Ahnung, wofür", sagt er.
Ein Jahr trudelte Tolga durchs Leben. Halt gab ihm nur seine Straßenakrobatik; er ist ein "Freerunner". So nennen sich urbane Trendsportler, die möglichst waghalsig über Mauern, Dächer und Geländer hinwegspurten; gelegentlich flechten sie einen lässigen Rückwärtssalto ein.
Nebenher drehte Tolga Videos von den Auftritten seiner Truppe, schnitt sie am Computer zurecht und bastelte in tagelanger Versenkung ein paar Effekte dazu. Die anderen waren begeistert. "Mensch, das ist doch dein Ding", sagte er sich. "In diesem Moment habe ich mir ein Ziel gesetzt." Tolga macht jetzt das Fachabitur, er will Mediendesign studieren.
Nicht alle kommen noch so zeitig um die Kurve. Die Ratlosigkeit der Schulabgänger ist eines der größten Probleme des Bildungssystems. Die Unis sind voll von Studenten, die noch mit Mitte zwanzig nicht sagen können, was sie mit all ihrem Wissen anstellen wollen - kein Wunder, da die Schule das Berufsleben in der Regel sorgfältig ausklammert.
Höchste Zeit, dass sich das ändert, findet der Berliner Bildungsforscher Hurrelmann. "Die Schule muss zum Arbeitsplatz der Jugend werden", fordert er. "Wir können nicht 15 oder 20 Jahre lang sagen: Eines Tages braucht ihr das, ihr werdet es erleben. Die jungen Leute wollen etwas für das Hier und Jetzt machen."
Und wie soll das gehen? "Schülerfirmen sind eine hervorragende Möglichkeit", sagt Hurrelmann. "Da weiß der Schüler am Ende des Schultags: Heute habe ich etwas erkannt, etwas hergestellt. Ich habe wie ein Arbeitnehmer ein Tagwerk vollbracht."
Viele Schulen haben in der Tat schon damit angefangen; es gibt Hunderte Beispiele. Schüler bieten Nachhilfe, reparieren Fahrräder oder betreiben ei-nen Schultoilettenservice ("McClean").
Wie weit das selbständige Wirtschaften führen kann, zeigt ein Beispiel in Südtirol: Die Oberschule für Landwirtschaft in Auer, einem Dorf bei Bozen, ist bekannt für den Wein, den die Kinder dort keltern. Sie betreiben ein eigenes Übungsweingut, den Happacherhof.
Die kleinen Winzer arbeiten überall mit: Sie drillen den Boden, beschneiden die Reben und lesen die Instrumente in der Kelter ab. Sie entwerfen sogar die Etiketten. Und die chemischen Finessen der Feinoxidation und der malolaktischen Gärung lernen sie nicht für irgendwann später, sondern um damit Weine zu produzieren, von denen die Großen beeindruckt sind. Der Chardonnay vom Happacherhof wird in der Fachwelt hoch gelobt.
Für die Potsdamer Schulleiterin Ulrike Kegler steht außer Frage, dass die Pubertät kürzer und glimpflicher verläuft, wenn die Kinder altersgemäße Aufgaben bekommen. Ihr Außenposten am Schlänitzsee soll, auf lange Sicht, ebenfalls ein Unternehmen mit Bilanz und Erwerbszweck werden. Die Schule will hier eine Lehrerakademie betreiben. Die Pädagogen der Zukunft können dann vor Ort erproben, wie Kinder am besten lernen.
Im vergangenen Jahr hätte es schon was zu staunen gegeben. Erstmals führte die Schule eine Regel ein, die bis dahin undenkbar schien: keine Handys mehr da draußen, keine MP3-Player. Die Kinder waren, wie erwartet, entsetzt.
Dann geschah, was man vielleicht einmal das Wunder vom Schlänitzsee nennen wird. "Nach ein paar Wochen fragte ich die Schüler noch einmal", sagt Kegler. "Da fanden die das alle gut."
(*1) Ulrike Kegler: "In Zukunft lernen wir anders". Beltz Verlag, Weinheim; 256 Seiten; 19,95 Euro.
(**2) Hartmut von Hentig: "Bewährung - Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein". Hanser-Verlag, München; 112 Seiten; 12,50 Euro.
(*3) Jesper Juul: "Pubertät - Wenn Erziehen nicht mehr geht". Kösel-Verlag, München; 208 Seiten; 16,95 Euro.
(*4) Im Hohenloher Freilandmuseum in Schwäbisch Hall-Wackershofen.
Von Manfred Dworschak

DER SPIEGEL 15/2010
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