19.04.2010

GRIECHENLAND Rettung dank U-Booten?

Die Regierung in Athen hat sich die Unterstützung für das europäische Rettungspaket in Paris und Berlin womöglich teuer erkauft. Vor allem die Bestellung von sechs französischen Fregatten und sechs deutschen U-Booten stößt auf Kritik. EU-Diplomaten in Brüssel sprechen von einem "aberwitzigen Beitrag" zur Sanierung der öffentlichen Finanzen angesichts von knapp 300 Milliarden Euro Schulden. "Deutsche und Franzosen hatten die Griechen in der Hand", sagt der ehemalige Chef der Europäischen Verteidigungsagentur Nick Witney. Selbst Berater des griechischen Premiers Georgios Papandreou räumen ein, dass "Zugeständnisse an der Rüstungsfront" offenkundig hilfreich bei den Verhandlungen über die Finanzhilfen gewesen seien. Die griechische Regierung hatte einen Vertrag über den Kauf von vier U-Booten, der im Herbst wegen Zahlungsschwierigkeiten und Streit um angebliche Baumängel gekündigt worden war, kurz vor Ostern erneuert und sogar noch erweitert. Die Griechen kaufen nun bei ThyssenKrupp statt vier U-Booten der Klasse 214 insgesamt sechs. Mehrkosten: knapp eine Milliarde Euro. Und sie stimmten dem Verkauf von 75,1 Prozent der Athener ThyssenKrupp-Werft Hellenic Shipyards nach Abu Dhabi zu. Im Gegenzug werden 1400 Arbeitsplätze für zehn Jahre garantiert. Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos von der Regierungspartei Pasok weist einen Zusammenhang mit den Finanzhilfen zurück, die Verträge seien schon vorher auf den Weg gebracht worden. "Wir müssen nicht nur großes Gewicht auf die Sparmaßnahmen legen, sondern zugleich die Entwicklung des Landes voranbringen", so Petsalnikos: "Solange die Türkei ihre aggressive Politik beibehält, brauchen wir zur Verteidigung auch die notwendigen Mittel." Gleichzeitig wehrt er sich gegen Aufrufe zum Boykott deutscher Produkte in seinem Land. "Das ist geschmacklos", sagt der Sozialdemokrat, "350 000 Griechen leben in Deutschland und zwar gern. Es gibt keinen Grund für solche Feindseligkeiten."

DER SPIEGEL 16/2010
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