SPIEGEL: Sie sind als erster deutscher Surfer für die Billabong XXL Awards in der Kategorie "Größte Welle" nominiert, das ist der Oscar der Surfer. Wie verlief der preisverdächtige Ritt?
Steudtner: Es war am 7. Dezember in Jaws, an der Nordküste Mauis. Die Wellen waren an diesem Tag so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr. Bei dem Ritt türmte sich das Wasser über 20 Meter hoch. Mein Partner hat mich mit dem Jetski in die Welle gezogen, fast bis ganz nach oben, und dann ging es 30 Sekunden die Wand entlang.
SPIEGEL: Sind Sie ein Adrenalin-Junkie?
Steudtner: Nein, ich bin Hochleistungssportler. Ich trainiere sechs Stunden am Tag, ähnlich wie ein Alpin-Skifahrer vor allem Grundlagenausdauer. So eine Welle ist ungefähr 70 Kilometer pro Stunde schnell, sie zu surfen ist, als führe man auf dem Snowboard durch Tiefschnee und würde von einer Lawine verfolgt. Dabei bin ich so konzentriert, dass ich keine Angst habe, dass mich die Welle erwischt. Ich achte nur auf meine Fahrlinie. Wer daran denkt, dass ihn eine dermaßen gewaltige Wassermasse verschlingen könnte, den erwischt es.
SPIEGEL: Und wenn es passiert, was dann?
Steudtner: Wenn die Welle mich wäscht, dann rolle ich mich zu einem Ball zusammen, damit mir die Gliedmaßen nicht abgerissen werden. Ich habe jahrelang geübt, unter Wasser nicht panisch zu werden. Ich kann so lange die Luft anhalten, bis ich bewusstlos werde. Dann dauert es zwei Minuten, bis der Atemreflex wieder einsetzt. Bis dahin sollte ich gerettet sein.
SPIEGEL: Sie reden auf Kongressen vor Bankern über Risikomanagement. Was haben Surfen und Wirtschaft gemein?
Steudtner: Riesenwellen entstehen selten und nur an wenigen Orten. Ich muss genau wissen, wo sich Stürme zusammenbrauen, die sie auslösen können, damit ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Im Risikoinvestment ist es ähnlich: Nur wer den Markt perfekt kennt, wird eine Lücke entdecken, wo es sich lohnt zu investieren. Und beide, Surfer wie Investor, müssen sich mitreißen lassen.
DER SPIEGEL 16/2010
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