07.06.2010

Herzbube gegen Kraftmensch

Von Berg, Stefan; Beste, Ralf; Bornhöft, Petra; Dettmer, Markus; Hickmann, Christoph; Kullmann, Kerstin; Kurbjuweit, Dirk; Pfister, René; Theile, Merlind; Wirminghaus, Niklas

SPD und Grünen ist ein politischer Scoop geglückt: Joachim Gauck, ihr Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, findet auch bei Teilen von FDP und Union Zustimmung. Dagegen wirkt Merkels Mann Christian Wulff ziemlich blass.

Am Telefon ist Joachim Gauck. Es ist Donnerstag, 19 Uhr. "Hallo, ja bitte, Gauck", im Hintergrund klingelt ein weiteres Telefon. "Jetzt nicht", sagt Gauck, ruft "einen Moment" und wimmelt das andere Gespräch ab. Er lacht ein glucksiges Kinderlachen. "Tja", sagt er. Und noch mal: "Tja, wer sich jetzt so alles meldet, beim alten Gauck." Dann macht er eine Pause, es ist eine Genießer-Pause.

Erst rief Frank-Walter Steinmeier an, der Gauck lange persönlich kennt. Ob er sich vorstellen könne, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren? Dann rief Sigmar Gabriel an, dann Jürgen Trittin. Gauck lacht wieder sein Kinderlachen. "Trittiiiiin, Trittiiiiiin, ist das nicht komisch?" Der Ex-Kommunist aus dem Westen fragt Joachim Gauck, den Kommunistenfresser aus dem Osten. Gauck kann sich kaum halten vor Lachen. Köstlich ist das alles.

Er wird antreten, klar, das lässt er sich nicht entgehen. Und kaum ist er angekommen in der Politik, brennt es lichterloh. Die Landesverbände Thüringen und Sachsen der FDP haben am Freitag Sympathie für Gauck erkennen lassen. Es sei keineswegs sicher, dass ihre Delegierten am 30. Juni für Christian Wulff stimmen werden, den Kandidaten, den Bundeskanzlerin Angela Merkel für Schwarz-Gelb ausgesucht hat.

Nun bebt Berlin. FDP-Chef Guido Westerwelle muss sich fragen, wie lange ihn seine Partei noch trägt (siehe Seite 28). Kanzlerin Merkel ist einmal mehr als reine Machtpolitikerin entlarvt, die einen Bundespräsidenten, den Mann für alle Bürger, nach innerparteilichen Gesichtspunkten aussucht. Und sie kann sich nicht einmal ganz sicher sein, dass sie ihren Kandidaten durchbringt. Rasch hat sich eine Bewegung von Konservativen und Liberalen gebildet, die für Gauck eintritt. Die große alte Dame der FDP, Hildegard Hamm-Brücher, sagt: "Ich bin sehr enttäuscht, dass man nicht versucht hat, in dieser schwierigen innenpolitischen Situation einen gemeinsamen Kandidaten aller Parteien zu finden. Herr Gauck ist eine hervorragende Idee. Er ist politisch im Pulverdampf erprobt, kommt aber nicht aus der Parteikiste. Wenn ich Wahlfrau wäre, würde ich auf jeden Fall für Herrn Gauck stimmen."

Selbst in Merkels Partei gibt es erste Stimmen für Gauck. Jörg Schönbohm, einst Innenminister in Brandenburg, sagt: "Ich frage mich, warum es nicht möglich war, sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen." Schönbohm wird die CDU in der Bundesversammlung vertreten. Gauck wurde sehr geschickt von SPD und Grünen ausgesucht. Außer der Partei Die Linke, die immer noch meint, die Stasi-Geschichte der DDR ein bisschen rosig sehen zu müssen, spricht er Vertreter aller politischen Richtungen an. Er ist nun das, was oft ersehnt wird: ein überparteilicher Mensch in der Politik.

Es wird ein spannendes Duell werden, ein Duell, bei dem nicht nur zwei Individuen gegeneinander antreten, sondern zwei Lebensweisen, zwei Prinzipien.

Joachim Gauck, 70, parteilos, war Pfarrer in der DDR und einer der Revolutionäre, die das sozialistische System in die Knie gezwungen haben. In der Bundesrepublik hat er zehn Jahre die Stasi-Unterlagenbehörde geleitet, hat also dafür gesorgt, dass die Staatsverbrechen der DDR aufgeklärt werden. Er gilt als unabhängiger, intellektueller Kraftmensch.

Bei dem Telefonat vergangene Woche zeigte er sich als ein Mann, der sich traut, er selbst zu sein, trällernde Freude, Ambition und Selbstgenuss zu zeigen. Es zeigte sich ein Mensch.

Christian Wulff, 50, Mitglied der CDU seit 35 Jahren, hat wenig anderes gemacht als Politik. Er ist seit sieben Jahren Ministerpräsident von Niedersachsen und seit über elf Jahren stellvertretender Vorsitzender der CDU. Er gilt als etwas undeutlicher Widersacher von Merkel.

Als er am Donnerstag der vorvergangenen Woche, noch vor dem Rücktritt von Horst Köhler, gefragt wurde, ob er gern Bundespräsident werden würde, sagte Wulff: Er und Bundespräsident? Das sei völlig abwegig. Wenn dereinst gewählt werde, dann gebe es zwei Kandidaten: Ursula von der Leyen, die immer schon eine heimliche Leidenschaft fürs Schloss Bellevue gehabt habe, und die Grüne Katrin Göring-Eckardt als Frau des linken Lagers.

Wulff kam gerade von einem Unternehmen in Niedersachsen, er hatte eine sonnige Laune und lachte jenes Lachen, das jedem zeigen soll, dass es kein herrlicheres Amt gibt als das des niedersächsischen Ministerpräsidenten. Es zeigte sich ein Mann, der gelernt hat, sich zu tarnen. Es zeigte sich ein Politiker.

Das politische Leben ist mittlerweile so speziell, dass unterschieden werden kann in Mensch und politischen Menschen. Also ist es auch das Duell Mensch gegen politischen Menschen, das Deutschland in den nächsten drei Wochen beschäftigen wird.

Die Sympathien dürften da bei Joachim Gauck liegen. Politiker genießen kein hohes Ansehen in der Bevölkerung.

Die Pointe ist, dass ausgerechnet Horst Köhler diesen Zweikampf eingeleitet hat. Er war Bundespräsident bis zum Montag der vergangenen Woche um 14.02 Uhr. Da ist er zurückgetreten, weil er die Kritik an seiner Äußerung zu den Gründen für den weltweiten Einsatz der Bundeswehr nicht ausgehalten hat.

Wie Gauck war Köhler kein Politiker. Er war Spitzenbeamter und dann Chef des Internationalen Währungsfonds in Washington. Er war das, was sich viele Bürger wünschen, ein Quereinsteiger, ein Nichtpolitiker in der Politik. Aber er ist gescheitert. Auch deshalb hat sich Merkel für Christian Wulff entschieden. Sie will einen Profi, einen, der das Geschäft kennt.

Köhler ist gescheitert, weil er die beiden Hauptsätze des politischen Geschäfts nicht beherrscht hat: Hüte deine Worte. Sei nicht empfindlich.

Schon mit seiner Kandidatur begibt sich Gauck in einen Betrieb, bei dem jedes Wort abgeklopft, bewertet und mitunter hysterisiert wird. Und es wird nicht vor allem danach geschaut, was gut läuft, sondern, was schlecht läuft. Die Kritik, die dann folgt, ist streng.

Vielen Bürgern kommt das unmenschlich vor. Die Politiker, die in diesem System durchkommen, erscheinen ihnen als seltsame Züchtungen eines exotischen Treibhauses: gepanzert, aggressiv, ein bisschen krokodilhaft.

Einer von denen ist Wulff. Einer wie Gauck erscheint da als willkommene Abwechslung, als Hoffnung auf eine bessere Politik. So wie einst Köhler.

Horst Köhler hatte mit den skeptischen Bürgern ein Bündnis geschlossen gegen diese Politik, auch gegen Journalisten, weil die so übermäßig kritisch seien. Als er zurücktrat, richtete sich der Zorn mancher Bürger gegen die Medien, die dem Präsidenten unrecht getan hätten. Und die Politiker hätten ihn im Stich gelassen.

Aber Köhler hatte mindestens etwas Missverständliches gesagt. Und er hat sein Amt ohne triftigen Grund im Stich gelassen.

Spricht das gegen Gauck? Noch mal ein Quereinsteiger?

Die Sehnsucht nach dem Quereinsteiger ist ein bisschen romantisch. Politik ist ein hochspezialisierter Beruf. Ein Ingenieur ist kein guter Arzt, und auch Politik sollte man gelernt haben. Aber es gibt eine Ausnahme: das Amt des Bundespräsidenten. Er steht nicht außerhalb der Kritik, einen solchen Freiraum darf es in einer Demokratie, die auf der ständigen Kritik des Bestehenden gründet, nicht geben. Aber er steht außerhalb des täglichen Machtkampfes. Er muss nicht Vollprofi sein, er darf nur kein Glaskinn haben.

Gauck hat sich gegen das SED-Regime aufgelehnt, er hat sich durch den Stasi-Sumpf gewühlt. Journalistenworte wird er kaum fürchten.

Außerdem hat er eine starke Freundin: die Bundeskanzlerin, die ja eigentlich Wulff zum Präsidenten machen will. Vor wenigen Wochen erst hat sie eine Laudatio auf Gauck gehalten, zum 70. Geburtstag. Er sei "eine spannende Persönlichkeit", ein "Bürgerrechtler, politischer Aufklärer und Freiheitsdenker", ein "Versöhner und Einheitsstifter in unserem jetzt gemeinsamen Land", "ein richtiger Demokratielehrer", ein "herausragender Redner". So euphorisch hat sie Wulff noch nie gerühmt.

Merkel hat Gaucks Vita vorgetragen wie ein Gedicht: geboren 1940 in Rostock, geprägt von der Verhaftung seines Vaters, Theologiestudium, Stadtjugendpfarrer, Gemeindepfarrer, im Visier der Stasi, kritischer Prediger, Redner auf Demonstrationen in Rostock, Mitglied des Neuen Forums, frei gewählter Volkskammerabgeordneter 1990, zehn Jahre Stasi-Beauftragter. Sie hat auf die Gemeinsamkeiten hingewiesen: "Uns verbindet einiges, auch die immerwährende Sehnsucht nach Freiheit." Merkel und Gauck sind Protestanten, Ostdeutsche, sie sind eher konservativ, aber nicht rechts. Gauck sagt, er sei ein "linker, liberaler Konservativer". Es ist eine Beschreibung, die auch auf Merkel passt, von "links" einmal abgesehen.

Aber warum hat Merkel ihn jetzt nicht angerufen? Gauck lacht schon wieder. "Ehrlich: Ich hätte auch eher gedacht, die würden mich fragen." Gauck war schon immer überzeugt von sich. Bundespräsident, das hat er sich zugetraut und war auch bereits im Gespräch als Kandidat der Union. Gauck sagt, er verstehe, dass Merkel sich gegen ihn entschieden hat. Er klingt schon etwas präsidiabel. Er beherrscht diesen hohen Ton, er ist eben ein Prediger. Für knapp vier Wochen spielt er nun die Rolle seines Lebens.

Die Botschaft von Joachim Gauck wird Joachim Gauck sein. Er muss nur aus seinem Leben erzählen, er hat die Demokratie über Jahrzehnte ersehnt. Er kann für die Freiheit schwärmen, wie es eben nur jemand kann, der in Unfreiheit lebte. Ohne öffentliches Amt fährt er derzeit durchs Land, hält Vorträge, wirbt für Zivilcourage, für Beteiligung, er nennt sich selbst einen "Wanderprediger für Demokratie". Als Bundespräsident, sagt er, könnte er wie kein anderer für die Demokratie werben in Zeiten von Parteien- und Politikverdrossenheit. Er will nicht gegen die Parteien wettern, die Posten verteilen. Er will nur sagen, dass es auch anders gehen muss.

Gauck kann glänzend für sich selbst werben. Seine beste Rede war jene zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls. "Sie hatten vom Paradies geträumt und wachten in Nordrhein-Westfalen auf", hat er im November 1999 im Bundestag über die Hoffnungen der DDR-Bürger des Herbstes 1989 gesagt. Gerhard Schröder bog sich vor Lachen. Als er zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wiedergewählt wurde, erhielt er fast alle Stimmen des Bundestags.

Nur einen Haken hat seine Kür zum Kandidaten für das Schloss Bellevue: Hätten SPD und Grüne sich eine Chance ausgerechnet, sie hätten Gauck die Kandidatur nicht angeboten, eher einem verdienten Genossen. Gauck weiß dies. Ja ja, so sei das. Aber es stört ihn nicht, Öffentlichkeit ist für Gauck wie Medizin. Wie viele Ostdeutsche dürstet auch er nach Anerkennung, nach Aufmerksamkeit in der vereinten Republik, in der ostdeutsche Stimmen rar sind.

Und da gibt es noch ein Motiv: Gauck hat nie dementiert, eitel zu sein. Manchmal spreizt er sich zu sehr. Früher mussten seine Pressesprecher bei Fototerminen schon mal auf die Bremse treten. Gauck als Schlossherr von Bellevue wäre der schiere Genuss für ihn.

Und er wäre etwas Neues, eine neue Erfahrung mit der Politik. Schon das ist ein Reiz. Wulff wird wahrscheinlich wenig falsch machen, aber er löst auch nichts aus, keine Begeisterung, keine Neugier, keine Hoffnung, dass sich etwas ändert. Was man über Wulff erzählen kann, sind die vertrauten Geschichten von Machtkämpfen.

Mit Wulff will Merkel ausgerechnet jenen Mann zum Bundespräsidenten machen, der in den letzten Jahren zu ihrem gefährlichsten Rivalen aufgestiegen ist. Wulff griff Merkel nie offen an wie Roland Koch oder vermasselte ihr Parteitage mit populistischen Anträgen wie Jürgen Rüttgers. Wulff wusste seinen Ehrgeiz unter dem Mantel einer ewig lächelnden Bescheidenheit zu verbergen, aber gerade das machte ihn für Merkel so unheimlich.

Die Bürger lernten Wulff als einen Menschen kennen, der sich demütig in die Rolle des Landesvaters fügte. Er erklomm die Bühnen der niedersächsischen Provinz und sprach Sätze hart am Rande des Poesiealbumkitsches: "Was mir Kraft gibt, das ist die Herzenswärme der einfachen Leute." An seiner Rhetorik muss er im neuen Amt kaum etwas ändern, das Kantige kam in seiner Sprache ohnehin kaum vor.

Am vergangenen Donnerstag besuchte er den Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Landkreises Hameln-Pyrmont. Die Sonne schien, und Wulff sprach: "Nähe und Geborgenheit sind in einer globalisierten Welt von gewachsener Bedeutung." Mit solchen Sätzen kann er die Zeit unfallfrei im Schloss Bellevue bestehen.

Die Frage ist nur, welches Signal von einem Bundespräsidenten Wulff ausgehen soll. Er ist jetzt seit über 30 Jahren in der Politik, doch es gibt kaum eine Initiative oder ein Gesetz von ihm, das im Gedächtnis haften geblieben wäre. Zuletzt hat er zwar von sich reden gemacht, weil er als erster deutscher Ministerpräsident eine türkischstämmige Ministerin in sein Kabinett holte. Aber ansonsten blieb er ein Mann ohne Eigenschaften, weswegen die Selbsteinschätzung, ihm fehle der Wille zur Macht, wahrscheinlich gar nicht so falsch ist.

Während andere in der CDU um den richtigen Weg rangelten, gab Wulff den stillen Diener des niedersächsischen Volkes, der nichts am Hut hat mit dem intrigengespickten Berliner Politikbetrieb. "Schuster, bleib bei deinem Leisten", sagte er, wenn er wieder mal gefragt wurde, ob es ihn nicht reizen würde, Bundeskanzler zu werden. Nach Berlin ziehe es ihn schon deshalb nicht, weil er dort "jede Normalität, jede Privatheit" aufgeben müsse.

So gab er sich auch den Anschein, Gegner des politischen Establishments zu sein. Dabei war es gerade jene zur Schau gestellte Machtvergessenheit, die ihn im Gespräch hielt, und in Wahrheit war seine Scheu vor dem Verlust des Privaten auch nicht allzu groß. Für eine hübsche Story in "Bild" oder "Bunte" war immer Zeit. Er verstand es sogar, die Trennung von seiner ersten Frau Christiane und die Heirat mit der 14 Jahre jüngeren Bettina Körner in eine Erzählung vom Verlieren und Finden der Liebe zu verwandeln.

Merkel und ihre Leute lernten einen ganz anderen Wulff kennen. Sie bekamen mit, wie Wulff hinter den Kulissen über die Kanzlerin sprach. Er warf ihr vor, nur ergebene Diener um sich zu dulden, keine echten Politiker. Er kritisierte ihr ewiges Misstrauen und beklagte, dass sie sich nicht traue, auch mal für unbequeme Themen zu kämpfen.

Im Prinzip hatte Wulff recht, nur wagte er es nie, auch mal offen gegen Merkel Position zu beziehen. Klar, ein paar Unartigkeiten leistete er sich. Nachdem Merkel 2002 im Kampf um die Kanzlerkandidatur unterlag, sagte er, niemals hätte er sich von Edmund Stoiber "über den Tisch ziehen lassen". Und als Roland Koch Anfang vorvergangener Woche seinen Rücktritt ankündigte, lästerte er: "Man muss eben sehen, dass man gute Leute hält."

Aber das war's auch schon. Wenn es wirklich ernst wurde, schwieg Wulff, sein Image als Herzbube der deutschen Politik sollte keine Schrammen bekommen. Als Koch vor vier Wochen vorschlug, beim Sparen auch mal an die Bildungsausgaben zu denken, drückte Wulff ihm zwar die Daumen. Ein Wort der Unterstützung kam ihm aber nicht über die Lippen, dafür waren ihm die Vorschläge des Kollegen zu unpopulär.

In Wahrheit war der Stil von Wulffs Politik dem Merkels gar nicht so unähnlich. Er bedauerte zwar, dass die Leipziger Reformbeschlüsse von Merkel zu Grabe getragen worden sind, und nach dem Abgang von Friedrich Merz überlegte er sogar, die vakante Stelle des ordnungspolitischen Mahners in der Union einzunehmen. Aber als dann im Jahr 2008 Wahlen in Niedersachsen anstanden, dachte er gar nicht daran, seine Wähler mit einem strammen Reformprogramm zu verschrecken. Er entdeckte sein Herz für Mindestlöhne, er rückte so weit in die Mitte, dass die SPD ihn gar nicht mehr links überholen konnte. Das war das Konzept, mit dem Merkel ihren Wahlkampf im Jahr 2005 bestritten hatte.

Für Wulff wäre der Aufstieg zum Bundespräsidenten ein großer Erfolg. Er wurde 1959 in Osnabrück geboren, schon als Teenager musste er seine kranke Mutter pflegen, weil erst der Vater und dann der Stiefvater die Familie verließ. Die CDU wurde für ihn so etwas wie eine zweite Heimat. Mit 15 trat er in die Partei ein, mit 18 schaffte er es an die Spitze der Schüler Union, 1994, da war er erst 34 Jahre alt, forderte er zum ersten Mal Ministerpräsident Gerhard Schröder heraus.

Zweimal verlor Wulff gegen Schröder, er verharrte so lange in der Opposition, dass er fast schon zur tragischen Figur wurde. Wahrscheinlich hat Wulff keine Zeit so stark geprägt wie die als Oppositionsführer. Schröder galt als der lässige und rotzige Ministerpräsident und Wulff als der geföhnte Streber von der CDU. Aus dieser Zeit trägt Wulff immer noch den Komplex mit sich herum, dass niemand ihn ernst nimmt, dass er die Coolness eines Versicherungsvertreters ausstrahlt. Erst 2003, als Schröder schon fast fünf Jahre Kanzler ist, schafft er den Sprung in die Staatskanzlei in Hannover.

Die Entscheidung für Wulff birgt Risiken für Merkel. Sie will nun einen Mann ins Schloss Bellevue setzen, der in der Vergangenheit immer wieder bewiesen hat, dass sich seine Loyalität zur Kanzlerin in engen Grenzen hält. Andererseits hat Merkel mit der Berufung von Wulff den letzten Rivalen weggelobt, der ihr in der Stunde der Schwäche den CDU-Vorsitz hätte streitig machen können.

So hat sie gewonnen und verloren zugleich. Wenn alles glattläuft, hat sie die Macht in ihrer Partei fast bis zur Absolutheit ausgebaut. Aber genau das wirft ein schlechtes Licht auf sie. Sie hat nicht daran gedacht, was dem Land nützt, sondern daran, was ihr nützt. Sonst wäre sie vielleicht auch auf Joachim Gauck gekommen.

Das ganze Verfahren der Kür zeigt, wie die Kandidatensuche für Machtspiele eingesetzt wird. Im Fall Gauck ist das nicht anders als im Fall Wulff.

Es war eine kuriose Woche, eine Woche mit zwei ernsthaften Kandidaten und einem Gespenst. Diese unglückliche Rolle fiel an Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Sie geisterte drei Tage lang durch Presse und Köpfe, und es sah aus, als würde sie die erste Bundespräsidentin Deutschlands.

Für Merkel begann die Suche nach einem Kandidaten am Montagmittag. Um zwölf Uhr wurde ihr ein Zettel in die laufende Sitzung des CDU-Präsidiums gereicht. Der Bundespräsident bitte dringend um Rückruf. Merkel geht aus dem Raum und telefoniert mit Köhler, er sagt ihr, dass er sein Amt mit sofortiger Wirkung abgeben werde. Merkel versucht ihn umzustimmen, vergebens. Sie kehrt in die Sitzung zurück und sagt nichts, sie will nicht für Unruhe sorgen.

Nach der Sitzung bittet sie ihre beiden Stellvertreter Roland Koch und Christian Wulff in ihr Büro, dazu gesellen sich der Parlamentarische Geschäftsführer Peter Altmaier und Generalsekretär Hermann Gröhe. Koch sagt, der Rücktritt sei ein weiterer Schlag für die CDU. "Wir bekommen jetzt die Debatte, dass der CDU alle Leute wegrennen." Merkels Leute meinen, eine gewisse Befriedigung in Kochs Miene lesen zu können, einer erwidert: "Die Leute werden sagen, Köhler ist von seiner Verantwortung davongerannt." Wulff scherzt, er sei immer davon ausgegangen, dass die nächsten Anwärter auf das Bundespräsidentenamt Ursula von der Leyen und die Grüne Katrin Göring-Eckardt seien.

Am Nachmittag ruft ein Freund Wulff an und fragt ihn, ob er sich nicht vorstellen könne, selbst Bundespräsident zu werden. Wulff sagt nicht nein, er sagt: "Das hängt vom Willen Merkels ab."

Montag, 18 Uhr: Merkel hält eine Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums ab. Alle sind sich einig, dass die Präsidentenfrage schnell geklärt sein muss.

Ebenfalls 18 Uhr: SPD-Chef Sigmar Gabriel und der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, reden über einen gemeinsamen Kandidaten. Gabriel nennt zunächst einen Genossen, den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Trittin drängt darauf, ein echtes Angebot an das konservative Lager zu suchen. Man will den Gegner spalten. Gabriel schließt sich an.

Mehrere Namen sind im Spiel: der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU), der dann ablehnt. Er wolle nicht gegen seine Partei ins Rennen ziehen. Mit Wolfgang Huber, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat Gabriel gesprochen, doch die Grünen lehnen ihn ab - Huber ist in der SPD und daher kein Angebot für die Union. Der Name Gauck, von Trittin ins Spiel gebracht, findet Gabriels Zustimmung.

Dienstag, 9 Uhr, Kanzleramt: Die Parteivorsitzenden Merkel, Westerwelle und Seehofer sitzen zusammen und beraten über den Präsidenten und den Haushalt. Es ist Horst Seehofer, der den Namen von der Leyen ins Spiel bringt, aber es fallen auch noch drei weitere Namen: Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Westerwelle und Seehofer sagen, dass sie das Vorschlagsrecht Merkels akzeptieren. Sie würden die Namen nun mit den Präsidien ihrer Parteien abstimmen.

11 Uhr, Bundesarbeitsministerium: Ursula von der Leyen steht im schwarzen Hosenanzug hinter dem Rednerpult. Sie spricht über die guten Arbeitsmarktzahlen im Mai. Journalisten fragen sie zu den Spekulationen, dass sie die künftige Bundespräsidentin werden soll. Gutgelaunt antwortet die Ministerin: "Also zu der Nachfrage nach einem spezifischen Arbeitsplatz gilt die gute Regel: Das ist zwar jetzt die Zeit der Spekulationen, aber es muss jetzt unter hohem Zeitdruck eine gute Lösung für dieses Land gefunden werden. Und deshalb gilt für mich einfach ..." Sie legt die Fingerspitzen kurz vor die geschlossenen Lippen, führt die Hand mit einer abwehrenden Bewegung wieder weg und nickt bestimmt. "So." Von der Leyen schaut lächelnd in die Runde. Sie sieht aus wie die künftige Präsidentin.

Am Nachmittag ruft Merkel bei Wulff an und lädt ihn zum Abendessen ins Kanzleramt ein.

16.40 Uhr: Die Nachrichtenagentur AP meldet, von der Leyen sei Favoritin für das Amt des Bundespräsidenten. Eine Quelle wird nicht genannt.

Abend, Kanzleramt: Merkel isst mit Wulff und fragt ihn, ob er sich vorstellen könne, Präsident zu werden. Wulff erbittet sich Bedenkzeit.

Zwischen 20 und 21 Uhr: Joachim Gauck ruft bei SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zurück. Der ist in Madrid und hatte versucht, Gauck zu erreichen. Ob er Kandidat werden wolle?

Gauck zeigt sich überrascht von der Offerte, die nach und nach auch die anderen Vertreter des linken Lagers telefonisch vortragen. Trittin sagt: "Sie sollen ja auch echte Konservative ansprechen." Gauck schlägt vor, Rot-Grün solle diskret versuchen, Merkel für die Kandidatur zu gewinnen. Gabriel und Trittin sagen zu, fragen Gauck aber, ob er auch kandidiere, wenn Merkel ihre Unterstützung verweigere. Gauck sagt zu.

23 Uhr, Thomas-Dehler-Haus: Das Präsidium der Liberalen berät über den Bundespräsidenten. Man ist schnell einig, dass die FDP keinen eigenen Kandidaten aufstellen wird, weil sie in ihren Reihen keinen geeigneten hat. Anschließend wird über die vier Namen der CDU diskutiert. Die FDP-Fraktionschefin im Bundestag, Birgit Homburger, und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger melden Bedenken an. Wegen ihrer Haltung zu Sperren im Internet sei von der Leyen - Schmähname: Zensursula - aus Sicht der FDP schwer mitzutragen, sagt Leutheusser-Schnarrenberger. Das FDP-Präsidium legt sich an diesem Abend auf keinen Kandidaten fest. Um 1.30 Uhr endet die Sitzung.

Mittwoch, morgens: Fast alle Zeitungen berichten, dass Ursula von der Leyen Favoritin ist.

9 Uhr: Das CSU-Präsidium berät in einer Schaltkonferenz die Präsidentenfrage. Seehofer nennt die vier Kandidaten der Kanzlerin. Es gibt keine Bedenken, drei Mitglieder des Präsidiums sprechen sich für von der Leyen aus: Umweltminister Markus Söder, die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Auch Seehofer, so berichten Teilnehmer, gibt klar zu erkennen, dass er von der Leyen für die beste Kandidatin hält.

Vormittags: Ursula von der Leyen redet mit einem Freund. Ihr komme das alles unwirklich vor, sagt sie. Wenn sie von der Kanzlerin gefragt werde, ob sie Bundespräsidentin werden wolle, könne sie nicht nein sagen. Aber in diesem Amt verliere sie alle Gestaltungsmacht.

12.55 Uhr: SPD-Chef Sigmar Gabriel schickt Merkel eine SMS: "Sehr geehrte frau bundeskanzlerin, ich habe verstaendnis fuer die notwendigen zeitablaeufe zur vorbereitung einer kandidatur fuer das amt des bundespraesidenten. Fuer den fall, dass die meinungsbildung ueber einen personalvorschlag innerhalb der koalition noch nicht abgeschlossen sein sollte, moechte ich Ihnen aber auch einen namen nennen, bei dem eine sehr hohe wahrscheinlichkeit fuer eine zustimmung der fraktionen von spd und buendnis 90/die gruenen bestuende: joachim gauck. Fuer einen solchen personalvorschlag kann ich auch im namen von herrn steinmeier, frau kuenast und herrn trittin die unterstuetzung von spd und buendnis 90/die gruenen anbieten. Ich gehe davon aus, dass dieser vorschlag vertraulich bleibt, allerdings ist joachim gauck natuerlich davon informiert. Er bittet ausdruecklich darum, dass eine solche kandidatur nicht als parteinahme fuer oder gegen eines der 'politischen lager' interpretiert wird. Sondern wie buendnis 90/die gruenen und spd haelt auch er eine eher ueberparteiliche kandidatur fuer sinnvoll und stuende dafuer bereit. Fuer gespraeche stehen herr gauck, herr steinmeier und ich ebenso wie frau kuenast und herr trittin jederzeit bereit. Mit freundlichem gruss, sigmar gabriel".

14.41 Uhr: Merkel schickt Gabriel eine SMS: "Danke fuer die info und herzliche grüße am".

15 Uhr: Die SPD-Führung konferiert per Telefon, Gabriel verkündet, er wolle Gauck vorschlagen. Die stellvertretende Parteichefin Manuela Schwesig macht kurz Bedenken geltend. Wenn die Union von der Leyen ins Rennen schicke, stehe sie für das modernere Frauenbild.

Nachmittags, Kanzleramt: Seehofer, Merkel und Westerwelle treffen sich erneut im Kanzleramt, um über die Sparpläne der Koalition zu sprechen. Das Thema Bundespräsident wird mit keinem Wort erwähnt. Im Laufe des Tages bekommt Merkel einen Anruf von Wulff: Ja, er könne sich vorstellen, Bundespräsident zu werden.

16.42 Uhr: dpa verschickt ein Porträt unter dem Titel "Heiko von der Leyen - scheuer Gatte der ersten Frau im Staat?"

Nachmittags: Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ruft einige Journalisten an und warnt davor, sich auf von der Leyen festzulegen.

Donnerstag, 13.30 Uhr: Merkel sagt Seehofer, dass sie Wulff zum Präsidenten machen wolle. Das sei in der CDU die tragfähigste Lösung. Bei einer Kandidatur von der Leyens hätte es erheblichen Widerstand gegeben. Seehofer sagt, dass er Wulff mittrage. Auch Westerwelle stimmt zu.

18 Uhr: Merkel ruft von der Leyen an und sagt, dass sie ihr die Kandidatur nicht anbieten werde. Auch Schäuble bekommt einen solchen Anruf.

18.15 Uhr, Schaltkonferenz des CDU-Bundesvorstands. Merkel sagt, dass sie Wulff als Kandidaten der CDU für das Amt des Bundespräsidenten vorschlagen werde. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller ist der Einzige, der Kritik anmeldet. "Es kann doch nicht sein, dass wir schon wieder einen erfolgreichen Ministerpräsidenten aus der aktiven Politik holen", sagt er. Wulff widerspricht sofort. Sein Haus in Niedersachsen sei bestellt, er könne die Amtsgeschäfte ohne Probleme abgeben. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet sagt, er sei froh, dass endlich wieder mal ein Katholik Staatsoberhaupt wird.

19.30 Uhr, Reichstag: Merkel, Seehofer und Westerwelle präsentieren den Kandidaten Wulff.

Freitag, 10.30 Uhr, Haus der Bundespressekonferenz: SPD und Grüne präsentieren den Kandidaten Gauck.

Vor allem Ursula von der Leyen kann mit diesem Verlauf nicht glücklich sein. Sie wäre gern Bundespräsidentin geworden, jetzt steht sie als Bauernopfer im Machtspiel ums Schloss Bellevue da.

Bei Merkels Leuten heißt es, von der Leyen sei als Arbeitsministerin unabkömmlich gewesen, außerdem hätte es die CDU überfordert, wenn eine Woche nach dem Abgang der konservativen Galionsfigur Koch noch eine weitere norddeutsche Protestantin mit fortschrittlicher Gesinnung in die Staatsspitze aufgerückt wäre.

In der Union werden Merkel aber auch eigennützige Motive unterstellt. Eine Beförderung von der Leyens, so heißt es, hätte Merkel sofort die Debatte eingebracht, dass jetzt Roland Koch ins Arbeitsministerium einrücken müsse, und das wollte die Kanzlerin unter allen Umständen verhindern.

Das waren Kalküle im kleinen Karo. Auch die SPD und die Grünen haben machtpolitisch gedacht, aber immerhin sind die Oppositionsparteien zu einem überzeugenden Ergebnis gekommen.

Um 19.15 Uhr ist der erste Arbeitstag des Kandidaten Gauck beendet. Er läuft durch das ARD-Hauptstadtstudio mit einem freundlichen Referenten, den ihm die SPD gestellt hat. Er knufft dem letzten Gesprächspartner des Abends lachend in die Seite. Er lacht, er habe jetzt wieder einen Fahrer, für ein paar Wochen. Aber das dürfe er ja nicht sagen.

Im Lokal nebenan blicken die Leute auf, als er den Raum betritt. Ein Bundestagsabgeordneter kommt auf ihn zu: "Herr Gauck, das muss doch klappen." Gauck schüttelt die Hand, er weiß nicht so recht, was er sagen soll. Na, wir werden uns mal Mühe geben.

Dann lässt er sich in den Sessel in der Ecke plumpsen. "Das Thema ist gesetzt", sagt er, "muss denn jedes Amt in diesem Land von einem Parteimenschen besetzt werden? Muss es ausgekungelt werden? Wir leben doch in einer Bürgergesellschaft." Er freut sich diebisch, wie das politische Berlin in Bewegung geraten ist. Durch einen aus dem Osten.

Er zückt sein dickes Notizbuch, ein paar Termine sind noch zu besprechen. Montag geht er in die Parteivorstände von SPD und Grünen, Dienstag wird er vor den Fraktionen sprechen.

Und bei Union? Und FDP? Darauf freue er sich schon, sagt er, aber noch gebe es keine Termine. Dann verspeist er genussvoll und zufrieden die Nudeln, die vor ihm stehen. Der Kandidat hat guten Hunger.


DER SPIEGEL 23/2010
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