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Der deutsche Regenbogen

Der beste deutsche WM-Song entstand ungeplant. Der Rapper Bushido lernte den Nationalspieler Sami Khedira kennen, schrieb vor der WM einen Song, und Khedira spielte ihn dann der Mannschaft vor, er ist der Team-DJ: "Fackeln im Wind" ist ein Aufputschsong, die Spieler sollen ihn in der Kabine hören. "Hey yo, Deutschland, holt die Fahnen raus, sie hängen vom Balkon, am Gartenhaus. An tausend Fenstern, Autofenstern, der Kühlerhaube, auf dem Benz, Mann …" In gebührender Stumpfheit rappt Bushido (mit seinem Partner Kay One) über einen einfachen Beat, und es wäre wohl längst nicht so bemerkenswert, wenn es nicht hieße: "Ich glaub, ich sprech für das ganze Land, wenn ich sag, geht raus, und gewinnt diesen Kampf! Wir hol'n uns den Pokal, und das zum vierten Mal, Südafrika, wir kommen …" Einfache Worte, die einen hierzulande neuen Sachverhalt beschreiben. Ein deutsch-tunesischer Rapper nimmt für eine Mannschaft, die knapp zur Hälfte aus Migrantenkindern besteht, das selbstverständliche Recht in Anspruch, sich in die deutsche Geschichte einzuschreiben. Das Sommermärchen 2006 hatte ja noch eine Nationalmannschaft als Helden, die fast vollständig weiß war. Der afrodeutsche Flügelstürmer David Odonkor gab ihr einen Farbtupfer, symbolisierte aber vor allem die Bereicherung, die eine Herkunftsgemeinschaft durch Zuwanderung erfahren kann. 2010 ist alles anders. Ohne Mesut Özil und Khedira würde diese Mannschaft schlicht nicht funktionieren, ohne Migrantenkinder geht schlicht nichts. Aber auch das alte Sommermärchengefühl findet dieses Jahr seine musikalische Entsprechung. "Schland o Schland" heißt das Stück. Es kommt von Uwu Lena, einer blütenweißen Studentencombo aus Münster, die "Satellite", den Grand-Prix-Siegessong von Lena, zu einer Fußballhymne umdichtete, das Ergebnis ins Netz stellte und dann von Lenas Entdecker Stefan Raab Unterstützung bekam. Hier wird noch einmal der Fanmeilen-Nationalismus gefeiert - der Fan ist Clown.


DER SPIEGEL 25/2010
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