In der deutschen Autoindustrie wächst die Furcht vor Handelssanktionen durch die USA. Die Regierung in Washington ist verärgert darüber, dass Deutschland der General-Motors-Tochter Opel Staatshilfen verweigert hat, obwohl sie sich dafür zuvor in Berlin starkgemacht hatte. Sie kritisiert auch, dass deutsche Autokonzerne ihren Absatz in den USA steigern, während Ford und GM kaum nennenswerte Stückzahlen nach Europa ausführen. Dies liegt zwar vor allem daran, dass US-Modelle hierzulande nur schwer verkäuflich sind. Aber US-Politiker sehen das offenbar anders: In Gesprächen mit den Chefs deutscher Autokonzerne klagten sie darüber, dass Europa auf Autoimporte aus Amerika einen Zoll von 10 Prozent erhebt, die USA für die Einfuhren europäischer Fahrzeuge dagegen nur 2,5 Prozent berechnet. Dies wird als klarer Hinweis darauf verstanden, dass die Amerikaner ihren Zoll demnächst deutlich erhöhen könnten. Treffen würde dies weniger Mercedes-Benz und BMW, die bereits mehrere hunderttausend Autos in den USA produzieren und nur einen Teil der Fahrzeuge, die sie dort verkaufen, aus Deutschland einführen. Der VW-Konzern, der sein erstes USWerk gerade erst aufbaut, bekäme eine Zollerhöhung dagegen deutlich zu spüren.
DER SPIEGEL 28/2010
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