12.07.2010

ESSAYNeue deutsche Männer

Die Nationalelf war bei der WM Botschafter eines anderen, jungen Landes. Von Alexander Osang
Vor zwei Wochen stieg ich kurz vor Mitternacht in Durban, wo Deutschland später gegen Spanien verlor, zu zwei weißen Männern und einer schwarzen Frau in einen Hotelfahrstuhl. Die beiden Männer trugen Englandtrikots, die Frau war nur spärlich bekleidet. Es war ein langer Fußballtag gewesen, und die Engländer hatten offenbar ziemlich zeitig mit Bier angefangen. Ich hatte im wunderschönen Stadion in Durban gesehen, wie Holland die Slowakei niederrang, später im Fanpark am Meer, wie Brasilien Chile besiegte, und wollte ins Bett. Die Gruppe im Fahrstuhl konnte sich nicht entscheiden, ob sie aussteigen oder bleiben sollte. Schließlich sprang einer der Männer aus der Kabine, zog die Frau hinter sich her, und ich fuhr mit dem anderen Mann nach oben. Er schwankte bedenklich und kippte zwischen der zweiten und dritten Etage auf seinen Rucksack.
"Wo kommst du her?", fragte er von dort unten.
"Aus Deutschland", sagte ich. "Tut mir leid. Ich weiß, es war ein Tor."
"Ach, scheiß auf das Tor", sagte der Mann. "Ihr wart besser. Schneller. Wir haben all die langsamen, faulen Stars mitgenommen. Terry, Lampard. Die haben doch keine Lust mehr. Ihr wart wirklich gut. Ich weiß nicht, wie ihr das hinbekommen habt. Aber das war wirklich sehr gut."
"Danke", sagte ich und stieg aus.
"Muller, Osssil, leck mich am Arsch, verdammt gute Jungs", sagte der Mann noch. Er saß auf seinem Rucksack und lächelte. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er wusste, wo er von hier aus hin sollte, aber er wirkte nicht unzufrieden. Ein orientierungsloser, betrunkener Engländer, der einen Moment Halt gefunden hatte am neuen, deutschen Fußball. Damit war nicht zu rechnen. Und Deutschland hatte noch nicht einmal Argentinien mit vier Toren besiegt. Ich weiß nicht, wie viele Hotelangestellte, Stadionnachbarn, Fernsehkommentatoren und Taxifahrer mich in den letzten Wochen in Südafrika zum deutschen Fußball beglückwünscht haben, sie kämpften sich durch die komplizierten Namen, Swinesteiger, Close, sie lächelten verzückt und bewundernd, manchmal hatte ich das Gefühl, selbst ein neuer, leichterer Mensch geworden zu sein.
Zwei Monate zuvor, in einer anderen Fußballzeit, erzählte mir Michael Becker, der Manager von Michael Ballack, welche deutschen Spieler angeblich schwul seien. Wir saßen in einem Restaurant über der Mercedes-Niederlassung in Luxemburg, wo Becker wohnt. Der Vorteil hier sei, dass man beim Essen sein Auto waschen lassen könne, sagte Becker. Er schien gute Laune zu haben und hatte allen Grund dazu. Das Essen war gut, die Sonne schien, wir waren mit seinem Mercedes-Cabrio, das Verdeck heruntergelassen, durch ruhige Straßen hierhergerollt. Sein wichtigster Klient Michael Ballack hatte soeben seinen Weg zurück in die Stammelf von Chelsea London gefunden, er war bei L'Oréal in die Rolle von Pierce Brosnan geschlüpft, die deutschen Bahnhöfe waren mit seinem Lächeln plakatiert, und in der Fußball-Weltmeisterschaftsausgabe der amerikanischen "Vanity Fair" war Ballack der Deutsche, der sich neben Cristiano Ronaldo, Kaká, Drogba und Eto'o in Unterhosen fotografieren lassen durfte. Seine Unterhose trug die schwarzrotgoldenen Farben. Ballack war unumstrittener Kapitän Deutschlands. Er war der einzige Star, den wir dort draußen in der Welt hatten. Und doch schien Michael Becker dem Frieden nicht zu trauen.
Er redete viel über Leute, die seinen Klienten beneideten, weil sie mittelmäßig seien, hässlich, untalentiert, bürokratisch, provinziell, unmännlich oder eben schwul. Er erzählte unglaubliche Geschichten, die ich in meinen Notizblock schrieb, und Becker schien nichts dagegen zu haben, vielleicht, weil er annahm, dass sie sowieso nie veröffentlicht würden oder auch, dass sie bekannt seien. Ein paar Tage später, am Rande des Abschiedsspiels von Bernd Schneider in Leverkusen, kündigte Becker inmitten einer Traube von Spielerberatern und Journalisten im Bayer-Clubhaus an, dass es einen ehemaligen Nationalspieler gebe, der "die Schwulencombo" demnächst hochgehen lassen würde. Ich erwartete, dass meine Kollegen nun mit roten Ohren nachfragen würden, was das bedeuten solle, aber sie nickten nur gelassen. Alle Sportjournalisten schienen die Geschichten von der vermeintlichen großen homosexuellen Verschwörung um die Mannschaft von Joachim Löw zu kennen. Die Gerüchte sind auch mit nach Südafrika gereist. Sie gehören offenbar dazu.
Als wir aufgegessen hatten, zeigte mir Becker sein Büro, sein Haus und den Garten, in dem er seit einiger Zeit vergebens versucht, einen Froschteich anzulegen. Er erzählte mit leuchtenden Augen, wie Elton John auf Michael Ballacks Hochzeit die deutsche Nationalhymne gesungen hat. Als ich ihn fragte, ob denn ein Spieler, der etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei, sagte Becker nur: "Der ist halbschwul", und ich begriff, dass das alles ein Synonym war für etwas, was Becker nicht mehr verstand. Irgendetwas Leichtes, Unideologisches, Tänzerisches, Schönes, Freudvolles, in dem man sich verirren konnte, wenn man sich bislang an Hackordnungen und Hierarchien orientiert hatte.
Ballack ist der letzte Star, den Michael Becker noch betreut, er klammert sich an ihn wie an die Zeit. Und so kann man das, was mit der deutschen Mannschaft in den letzten vier Wochen passiert ist, wahrscheinlich auch am Beispiel Michael Ballacks erzählen, obwohl er gar nicht dabei war. Oder gerade deshalb.
Ballack ist zu einer Figur des Übergangs geworden, und daran ist nicht nur sein Manager Becker schuld, sondern auch die alten Nörgler des deutschen Fußballs, die Breitner und Netzer und Lattek, die von Michael Ballack immer forderten, er solle Führungsstärke zeigen, und natürlich sein Alter. Ballack dachte zunächst, es genüge einfach, gut zu spielen, und er spielte gut. Er führte die deutsche Mannschaft durch zwei Welt- und Europameisterschaften, er schoss wichtige Tore, er opferte sich, er wurde das Gesicht des deutschen Fußballs in der Welt. Aber irgendwann, vermutlich als er an Kraft und Einfluss verlor, erreichten ihn die Signale der alten Männer, und er begann seine Führungsrolle aufzuführen. Er schrie und tobte auf dem Platz, er stritt sich mit Bierhoff und Podolski. Er kämpfte und schoss immer noch wichtige Tore, aber manchmal wirkte er wie ein Platzhirsch, der die Jungen daran erinnerte, dass früher auch nicht alles schlecht war. Am deutlichsten wurde das, als er sich verletzte. Er war nun ein Kapitän ohne Mannschaft und versuchte sich dementsprechend zu verhalten. Er reiste mit Gipsfuß ins Trainingslager nach Sizilien, weil er das Gefühl hatte, dass dies von ihm erwartet würde. Als Capitano. Aber im Trainingslager diskutierte man bereits über seinen Nachfolger. Ballack fuhr nach Mallorca weiter, um sich neben Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen auf die "Wetten, dass…?"-Couch zu setzen. Er trug ein himmelblaues Jackett, einen Gipsfuß und wirkte völlig verloren. Ballack war ein Beweis, wofür, wusste man noch nicht genau.
Ein paar Wochen später sezierte die deutsche Nationalmannschaft in ihrem WM-Auftaktspiel Australien, und man bekam eine Ahnung. Mittendrin wirbelte Thomas Müller, er trug Ballacks Rückennummer, schoss ein Tor und war überall. Auf einer anschließenden Pressekonferenz fragte ihn jemand, wieso er sich gerade die 13 ausgesucht habe.
"Die war noch frei", sagte Müller und lachte. Dann sagte er noch, er wisse ja, in welcher Tradition er sich da befinde. Das sei ihm natürlich eine Ehre. Aber er meinte nicht Michael Ballack, er sprach von Gerd Müller. Den hatte er zwar nie live spielen sehen, aber er fand ihn ganz nett. Thomas Müller ist 20 Jahre alt. Knapp zwei Wochen später, gegen England, schoss die neue Nummer 13 Deutschlands zwei Tore und wurde zum Mann des Spiels gewählt. Ballack schien nur noch zu beweisen, dass es auch ohne ihn ging.
Das Spiel gegen England wirkte wie die Geburtsstunde des neuen deutschen Fußballs. Australien zählte nicht richtig, dann hatten sie sich durch zwei schwere Spiele gegen Serbien und Ghana gekämpft, aber in den Klassiker gegen England, der mit so viel Blut, Schweiß und Verspanntheit belastet war, fuhren sie wie ein frischer Wind. Sie hatten Glück, dass Lampards Lattentor nicht zählte, aber sie wollten kein Glück. Sie hörten einfach nicht auf, anzugreifen und Tore zu schießen, so lange, bis am Ende, abgesehen von Englands sauertöpfischem Trainer Capello, niemand mehr über das nicht gegebene Tor diskutierte, sondern nur über die Deutschen, die überhaupt nicht mehr deutsch schienen. Es hatte etwas Erleichterndes, Befreiendes, diese Mannschaft spielen zu sehen, und noch erleichternder, befreiender war es, wie sich die Spieler freuten. Sie fielen sich in die Arme, und als Klose im ersten Spiel endlich wieder traf, herzte ihn die Mannschaft, als habe er eine lange, schwere Krankheit überstanden. Podolski wollte ihn gar nicht mehr loslassen, sagte Klose später. Es sei schön gewesen. Sie wirkten alle wie Jungs auf einem Schulausflug, der ihnen unendlich viel Spaß macht. Löw bedankte sich bei den Spielern, die er auswechselte, sie bedankten sich bei ihm. Das schienen keine Gesten zu sein, sondern Bedürfnisse. Alle vertrauten einander. Das deutscheste Gefühl, das diese Mannschaft auslöste, war Romantik.
In seltsamen, rührenden Momenten schien die Mannschaftsleitung beweisen zu wollen, dass sie überhaupt noch deutsch waren. Bundestrainer Joachim Löw erklärte in steifen Worten, wie stolz auch die Spieler seien, deren Familien aus fernen Ländern stammten, den deutschen Adler auf der Brust zu tragen. Er schien das abzulesen wie Philipp Lahm die Antirassismusbotschaft der Fifa. Löw sprach immer viel von "Automatismen" und "harter Arbeit", und dass einem die Leichtigkeit nicht in den Schoß fiele. Teammanager Bierhoff erklärte, dass auch die Art zu jubeln damit zu tun habe, dass jeder sich freue, Teil dieser deutschen Auswahl zu sein. Niemand renne nach einem Tor allein über den Platz, keiner zeige auf seine Rückennummer. Sie träten als Kollektiv auf und seien sich bewusst, hier ihre Nation zu verkörpern. Fairness, Offenheit, Präzision, sagte Bierhoff, dafür stehe ja auch Deutschland. Er sagte auch, dass die Spieler im Gegensatz zu früher ihre Sportsachen nach dem Training ordentlich zusammenlegen und nicht mehr einfach auf den Boden werfen, wo sie der Zeugwart entknäulen muss. Das sei allerdings nicht militärisch antrainiert worden, fügte er schnell hinzu, hoffnungslos verknäult in all die deutschen Tugenden. Und Mannschaftskapitän Lahm versuchte aus dem schnellen Passspiel seiner Mannschaft den deutschen Gehalt zu filtern. Er kam auf "Zielorientierung".
Natürlich war das alte FußballDeutschland auch da. Thomas Berthold saß gescheitelt wie ein Unteroffizier im Fernsehstudio des südafrikanischen Fernsehens und warnte vor der Unerfahrenheit der deutschen Abwehr. Im DFB-Mannschaftsquartier erzählte mir Generalsekretär Wolfgang Niersbach, dass er schon misstrauisch wurde, als er von den Betreuern hörte, wie pflegeleicht die neue deutsche Mannschaft sei. Pflegeleicht sei ja schön und gut, aber man brauche auch Ellenbogen. Und nach dem Englandspiel erklärte mir Lothar Matthäus ungefragt, wie er als Trainer der englischen Nationalmannschaft die Deutschen bezwungen hätte.
Sie waren da, aber man hörte sie nicht so richtig in all dem Jubel.
Nach dem Argentinienspiel suchte selbst Joachim Löw nach Worten für das, was er eben gesehen hatte. Er wirkte, als hätte er einem Wunder beigewohnt. Er redete kaum noch von harter Arbeit, Training und Automatismen, sondern von Weltklasse, Wahnsinn, Championswürdigkeit und Schweinsteiger, der überragend gespielt habe. In der Kabine gratulierte die Bundeskanzlerin, die auf der Tribüne getanzt und geklatscht hatte. Auch sie war wieder leicht wie wir alle. Der lebenslustige südafrikanische Präsident Zuma sah sie an, als fürchtete er, dass sie ihm jeden Moment auf den Schoß springen würde. Antschela, sagte Löw und lächelte verträumt, ja sie freuten sich alle, wenn die Antschela komme. Es lag nichts Anbiederndes und schon gar nichts Politisches in dieser Aussage, es war eher so, als komme Queen Mum zum Spiel. Ein Maskottchen.
Auch Michael Ballack war Gast des Argentinienspiels, aber die Aussagen zu ihm klangen gepresster. Natürlich freue man sich, dass der Michael hier sei und sie anfeuere, klar, viel Zeit habe man allerdings nicht für ihn, weil man sich ja noch in einem Turnier befinde, sagte Bastian Schweinsteiger. Michael Ballack saß neben Bierhoff auf der Tribüne wie ein Ehrengast des DFB-Präsidiums. Natürlich jubelte er bei den Toren, aber einmal, zwischen dem 3:0 und dem 4:0, zeigte eine Stadionkamera sein Gesicht, und er sah sehr ernst aus. Er reiste am übernächsten Tag ab. Es gab irgendeine medizinische Erklärung, aber jeder verstand, wie schwer es für ihn sein musste, diese ganze Freude zu sehen, ohne wirklich dabei zu sein. Selbst Kevin-Prince Boateng, der eine Zeitlang als Staatsfeind galt, weil er Ballack kaputtgetreten hatte, war nun ein WM-Held. Alles, was auf Michael Ballack im Moment wartete, war Leverkusen.
Inzwischen war keiner der Unterhosenstars der "Vanity Fair" mehr im Turnier. Es waren die vier Mannschaften übrig geblieben, die neben Ghana am deutlichsten sichtbar als Mannschaft aufgetreten waren. Die Uruguayer spielten nicht, als würden sie aus Südamerika kommen, die Spanier spielten wie Barcelona, Holland spielte wie Deutschland und Deutschland wie Holland. Die südafrikanischen Zeitungen schrieben von der "deutschen Maschine", die England bezwang und danach Argentinien. Aber es klang nicht abschätzig. Die deutsche Maschine war keine Dampfmaschine mehr, kein Bulldozer, eher eine Nähmaschine oder einer dieser Automaten, die in hohem Tempo gleichmäßig Tennisbälle ausspucken.
Auf dem Höhepunkt der selbstbewussten Leichtigkeit sagte Schweinsteiger, der im Argentinienspiel "Man of the Match" geworden war, dass sie sich im nächsten Spiel Spanien wünschten. Sie wollten keine Ausreden mehr, kein Durchgewurschtel, sie wollten die Favoriten schlagen. Torwart Manuel Neuer antwortete auf die Frage, ob er zu Manchester United wechseln wolle: "Nö. Ich hab doch Vertrag auf Schalke." Es gab jetzt keinen vernünftigen Grund mehr, die Bundesliga zu verlassen. Deutschland hatte Zukunft. Kurz danach erklärte uns Philipp Lahm, dass er die Kapitänsbinde nach der Weltmeisterschaft nicht mehr hergeben wolle. Das Amt mache ihm Spaß, sagte Lahm. Er trage gern Verantwortung. Es klang in diesem Moment selbstverständlich, nicht anmaßend. Aber ein einziges Spiel kann so etwas verändern.
Die Deutschen haben sich lange gewehrt, aber am Ende ratterte die spanische Nähmaschine einfach perfekter. Es war beruhigend zu sehen, wie sich in Joachim Löws Gesicht die Enttäuschung über die deutsche Niederlage mit der Bewunderung über das spanische Spiel mischte. Es ist ja das, was er will. Er ist von seinem eigenen Ideal bezwungen worden. In der Mixed Zone versuchte seine Mannschaft weiterhin eine Mannschaft zu sein. Die Veteranen Schweinsteiger, Podolski, Klose und Lahm bauten sich vor den Journalisten auf, in ihrem Rücken schlichen die niedergeschlagenen Jungstars wortlos zum Bus. Die neuen deutschen Männer Neuer, Özil, Khedira, Kroos und Boateng sahen aus wie Schuljungs. Nur Thomas Müller, der für das Spanienspiel gesperrt worden war, blieb für einen Moment stehen.
Wie fühlen Sie sich, fragte jemand.
"Scheiße", sagte Müller.
Kurz nach Mitternacht stand ich mit ein paar Kollegen in einem Gästehaus in Durban, wo wir übernachteten. Man sah das Stadion in der Ferne und dahinter den Indischen Ozean. Die Kollegen überlegten, was die Geschichte des nächsten Tages sein würde. Wir redeten über Khedira, der den Spaniern nicht gewachsen war, über Friedrich, der zu viele Bälle im Spielaufbau verloren hatte, über Lahm, dessen Pässe nie angekommen waren und über Özil, der sich im entscheidenden Moment nicht getraut hatte zu schießen. Und es dauerte nur einen Moment, da stand Michael Ballack wieder im Raum. Jemand sagte, man brauche auch einen Spieler, der einfach mal jemanden umtritt. Man konnte nur ahnen, was Thomas Berthold in diesem Moment dachte, was Lothar Matthäus, was Generalsekretär Niersbach und was Michael Becker.
Auf der deutschen Pressekonferenz am nächsten Tag war jedenfalls wieder viel von harter Arbeit die Rede und weniger von deutscher Leichtigkeit. Die Journalisten interessierten sich vor allem für ihre Rückflugoptionen und die Frage, ob Philipp Lahm mit seiner Kapitänsaussage nicht doch zu weit vorgeprescht sei.
Der Name, der am häufigsten fiel, war der von Michael Ballack. Ein Kollege stellte öffentlich fest, dass es gut war, dass Lahm Stärke bewiesen hatte, aber schlecht, dass er es vor dem Spanienspiel getan hatte. Es schien, als hätte sich Lahm auf Stalins Stuhl im Politbüro gesetzt, der nach dessen Tod eigentlich frei bleiben sollte. Lahm saß tapfer auf der Pressetribüne, eher ein Klassensprecher als ein deutscher Kapitän.
Alles Romantische war für einen Moment verflogen. Das Schöne, Leichte, Tänzerische gehörte den Spaniern. Es ist nicht einfach, ein neuer deutscher Mann zu sein, aber man kann sagen, dass es in der Welt gut ankommt. ◆
Von Alexander Osang

DER SPIEGEL 28/2010
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