26.07.2010

AUSSTELLUNGENZeitlos schrecklich

Brennende Panzer, verwüstete Landschaften, gefolterte und gedemütigte Gefangene - der kalifornische Künstler Sandow Birk, 47, erzählt in seinen Arbeiten vom Krieg. Wo dieser Waffengang genau stattfindet und wer da gegen wen in die Schlacht gezogen ist, bleibt ungenannt. Jeder Betrachter aber, der Nachrichtensendungen verfolgt, erkennt sofort, dass es um den Feldzug der Amerikaner gegen den Irak geht - so sehr haben sich die Schlüsselbilder dieses Kriegs, die Birk für seine Kunst benutzt, ins kollektive Bewusstsein gebrannt. Zu sehen sind die Werke bis zum 3. Oktober im Kunstmuseum Spendhaus in Reutlingen. Die Schau "The Depravities of War - Die Schrecken des Krieges" konfrontiert Birks Blick auf die Schlachten von heute in einer Doppelausstellung mit einem Radierzyklus von Jacques Callot (1592 bis 1635), der den Dreißigjährigen Krieg, die grausamste Völkerschlacht des 17. Jahrhunderts, dargestellt hat. Der Kalifornier Birk wählte für seine Darstellung die älteste druckgrafische Technik der Kunstgeschichte, den Holzschnitt. Auf 15 über ein mal zwei Meter große Sperrholzplatten übertrugen der Künstler und seine Mitarbeiter dessen mehrfach vergrößerte Vorlagen. Der Gegensatz von abgebildeter hochtechnisierter Kriegführung und distanzschaffender historischer Darstellungsform macht den Reiz der Ausstellung aus. Sie beschreibt, beklemmend aktuell, die Zeitlosigkeit des Schreckens.

DER SPIEGEL 30/2010
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