Es könnte einer der spektakulärsten Prozesse um geraubte Kunst werden. Die Nachfahren eines jüdischen Barons aus Ungarn haben die Republik Ungarn jetzt auf Herausgabe von mehr als 40 Werken verklagt, die seit Jahrzehnten in Budapester Museen hängen. Darunter sind Werke von El Greco, Francisco de Zurbarán, Eugenio Lucas Velázquez und Alvise Vivarini. Der Wert der Kunstwerke wird auf über 76 Millionen Euro geschätzt. Die Bilder stammen aus dem Besitz von Baron Mór Lipót Herzog (1869 bis 1934), einem Unternehmer. Die Sammlung, vor dem Krieg die bedeutendste Ungarns, ging nach dem Tod des Ehepaars Herzog an dessen drei Kinder. Als die Nazis 1944 Ungarn besetzten und damit begannen, die jüdische Bevölkerung zu deportieren, kamen auch Mitglieder der Herzog-Familie im Holocaust um. Andere konnten fliehen. Die Sammlung wurde konfisziert. Die Herzog-Nachkommen hatten bislang vergebens versucht, mit der ungarischen Regierung außergerichtlich zu einer Einigung zu kommen. David de Csepel, Urenkel von Baron Mór Lipót Herzog und Sprecher der Familie: "Wir führen die Auseinandersetzung der vorangegangenen Generationen weiter, und wir kämpfen für das, was rechtmäßig unserer Familie gehört."
DER SPIEGEL 31/2010
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