Ein Jahrhundert ist nur so schön wie seine Toten - nach dieser Maxime funktioniert der Theaterabend "Glowing Icons" des belgischen Theaterbesessenen und Käferkünstlers Jan Fabre. Und weil nur wenige Jahrhunderte so grausam-schön waren wie dieses, bietet sich als Conférencier seiner bunten Fin-de-siècle-Show niemand so sehr an wie der blutrünstige Graf Dracula: Willkommen also in der Geisterbahn der Geschichte, willkommen im Gruselkabinett des Doktor Fabre. Von Samstag dieser Woche an gastiert Fabre, 39, mit diesem Abschluß seiner "Trilogie vom menschlichen Körper" im Berliner Hebbel-Theater - und läßt dabei unsterbliche Tote von Kleopatra, Mae West und Jackie Kennedy bis Andy Warhol, Einstein und Dalí auftreten, getreu dem Motto: Nichts ist so wahr wie die Illusion. Fabre schießt mit Bildern auf Bilder, poliert eine eh schon glänzende Pop-Oberfläche noch ein bißchen nach - und nach filmgerechten 100 Minuten bleibt davon nicht viel mehr haften als die eine charakteristische Geste dieses Jahrhunderts: immer wieder Harakiri.
DER SPIEGEL 13/1998
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