16.08.2010

Briefe

Ein aussichtsloser Fall

Nr. 31/2010, Einspruch: Ferdinand von Schirach über Rauchverbote und Toleranz

Wunderbar! Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich freue mich schon auf die wutschäumenden Briefe der Gesundheits-Taliban.

Schwerin Andreas Griem

So viele Platituden auf einmal habe ich selten gelesen. Von den Nazis bis zum drohenden Süßigkeitenverbot führt Herr Schirach alles an, um das Rauchverbot lächerlich zu machen. Gleichzeitig werden Nichtraucher als genussfeindlich gebrandmarkt. War Stalin ein Genussmensch und insofern sympathischer als Hitler, weil er rauchte? Von mir aus kann jeder bei sich zu Hause qualmen, so viel er will, aber ohne mich zu zwingen mitzurauchen. Wer ist hier intolerant?

Freiburg im Breisgau,
Renate Mai

Der Beruf des Strafverteidigers mag als "déformation professionnelle" eine gewisse Dreistigkeit mitbringen, aber dass uns hier jemand seine Drogensucht als Antifaschismus verkaufen will, geht dann doch zu weit.

Hannover,
Tilman Brakebusch

Hier hat der Strafverteidiger einen aussichtslosen Fall übernommen. In Anbetracht dessen seien ihm die einseitige Auslegung der Wahlergebnisse und die sachlich wenig ergiebige Romantisierung des Rauchens verziehen. Der Richter (in diesem Fall das bayerische Volk) hat unbeeindruckt von solch flammenden Plädoyers die Gesundheitsinteressen der Nichtraucher über die Genussinteressen der Raucher gestellt.

MünchenChristian Doll

Diese Kolumne hat mich zum "Qualmen" gebracht. Polemischer geht es wohl nicht. Der Nichtraucher ist prüde, freudlos und offensichtlich ziemlich rechts. Der Raucher hingegen sinnen- und lebensfroh, liberal et cetera. Meine Lebensfreude ist mindestens so groß wie die von Rauchern. Sinngemäß: Die Freiheit des einen geht so weit, bis die Freiheit des anderen anfängt.

Hastings on Hudson (USA),
Birgit Stauch

Dem Herrgott sei Dank: Bayern, wo es schon immer so sauber zuging, ist so gut wie rauchfrei. Empfehlung für nächste Umweltziele: getrennte Friedhöfe für Raucher und Nichtraucher. Wer möchte schon nach dem Tod noch zum Passivraucher werden?

Kalefeld (Nieders.),
Hans-A. Piper

Wunderbare Worte, die mir nicht nur aus der Raucherseele, sondern auch aus dem Demokratengemüt sprechen.

München,
Christof Löwe

Was waren das doch für Zeiten voll Freiheit und Abenteuer, als die Männer ihre Feuerzeuge klicken ließen und Rauchringe in die Luft bliesen. Beim Rauchen in geschlossenen, für alle zugänglichen Räume allerdings begeht man Körperverletzung an Nichtrauchern. Das sollte man doch verhindern dürfen, ohne gleich in einer Diktatur zu landen.

Mannheim,
Harald Raab

Als ich vor drei Jahren das Rauchen aufgab, wurde ich also dadurch zum genussfeindlichen und intoleranten Faschisten. Als liberales Vorbild für meine Kinder hätte ich wohl besser dem verqualmten, versoffenen und verfetteten Hurenbock Edward VII. nacheifern sollen. Wenigstens habe ich nicht am Volksentscheid teilgenommen, da ich als Teil der dummen Schwarmintelligenz sicherlich die falsche Wahl getroffen hätte.

Raisting (Bayern),
Bernhard Irlinger

Verstehe, die Anti-Hitler-Koalition war auf Rauch gebaut. Und als Stalin Millionen Landsleute ermorden ließ, hatte er sich natürlich längst das Rauchen abgewöhnt. Schirachs Mandanten wünscht man bessere Plädoyers vor Gericht.

Königswinter (Nrdrh.-Westf.),
Hergen Eilert


DER SPIEGEL 33/2010
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