30.08.2010

BriefeWelche Hybris!

Nr. 33/2010, Klima: SPIEGEL-Gespräch mit dem Physiker Hans Joachim Schellnhuber über Gewinner und Verlierer der globalen Erwärmung
Das Interview ist eine Offenbarung. Zunächst bringt Herr Schellnhuber Russlands Brände in Zusammenhang mit der Klimaveränderung: Die globale Temperatur sei seit mehr als einem Jahr auf Rekordkurs. Er verschweigt dabei die Tatsache, dass die globale Durchschnittstemperatur seit 2000 leicht abgesunken ist und erst im ersten Halbjahr 2010 wieder auf 14,2 Grad angestiegen ist. Dabei gäbe es eine Reihe von Faktoren wie den ungewöhnlichen Sonnenfleckenzyklus in den letzten drei Jahren oder die schwächere atlantische Oszillation, die das Absinken der Temperatur erklären könnten. Leider alles keine CO2-Phänomene. Da bleibt man lieber bei "Verdichtung und Wahrheit". Schellnhuber gibt zum ersten Mal zu erkennen, dass man aus wissenschaftlicher Sicht auch mit einer Erwärmung zwischen zwei und drei Grad leben könne. Das Zwei-Grad-Ziel war aber die Voraussetzung, um zu einer 80-prozentigen CO2-Minderung zu kommen. Bei drei Grad reichen 50 Prozent aus. Was nun? Noch vor einem Jahr hieß es aus seinem Munde, dass wir selbst im Zwei-Grad-Gleichgewicht langfristig einen Meeresspiegel-Anstieg von mehr als 50 Metern bekämen. Ebenso seien als kurzfristige Gefahr stärkere Stürme zu erwarten. Nachdem das Max-Planck Institut in Hamburg das ausgeschlossen hat, sagt Schellnhuber, dass das Dunkel, in dem wir uns in dieser Frage bewegen, dicht sei. Bemerkenswert. Kopfschütteln kann man nur über die Aussage, dass wir schon bald alle mit nachhaltigem Biosprit aus Brasilien fahren könnten. Wie viel Savanne und Urwald will denn Schellnhuber opfern, damit wir alle mit Biosprit aus Brasilien mit einer höchst negativen CO2-Bilanz fahren können? Unerträglich wird es allerdings, wenn er ausführt, dass man durch direktes Herausfiltern von Kohlendioxid die Klimaveränderung vermeiden könne. Welche Hybris!
HamburgDr. Fritz Vahrenholt
Geschäftsführer RWE in Innogy, Senator a.d.
Herr Schellnhuber behauptet, dass die globale Durchschnittstemperatur seit einem Jahr auf Rekordkurs sei. In der Tat ist die global gemittelte Temperatur von Ende 2009 bis Juni 2010 gestiegen, aber doch nur, weil derzeit ein sehr starker El- Niño-Vorgang an der Westküste Südamerikas stattfindet, der sich abschwächt und voraussichtlich in eine kältere Phase übergeht. Die Temperaturen nehmen seit Juni wieder ab und werden bis Ende des Jahres wieder auf das Niveau der Jahre 2001 bis 2009 zurückgegangen sein. Jahre, in denen die global gemittelte Temperatur nicht gestiegen ist, trotz ungebremst zunehmender Kohlendioxidkonzentration.
Kerpen Dr. Rainer Link,

DER SPIEGEL 35/2010
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