DER SPIEGEL



SEGELN

Ferrari statt Lastwagen

Der Bremerhavener Yachtkonstrukteur Rolf Vrolijk, 63, Chefdesigner im Alinghi-Team, über die Revolution beim traditionsreichen America's Cup - künftig sollen große Katamarane mit 40 Meter hohen Flügeln gegeneinander antreten.

SPIEGEL: Die Organisatoren des America's Cup haben vergangene Woche mit allem gebrochen, was seit 1851 heilig war. Was soll das?

Vrolijk: Beim America's Cup wurde schon immer die jeweils modernste Technik genutzt. Der Titelverteidiger BMW-Oracle-Racing kann ja im Wesentlichen bestimmen, wie die Regeln aussehen. Und die wollen, dass die Regatta so spektakulär wird wie möglich - vor allem fürs Fernsehen. Dazu wird der Cup 2013 nun als Höhepunkt eingebettet in eine Weltmeisterschaft, die Läufe beginnen schon kommendes Jahr. Das Ganze wird also ein Zirkus wie die Formel 1, nur so seien künftig Sponsoren zu gewinnen.

SPIEGEL: Das letzte Duell zwischen Alinghi und BMW Oracle wurde auch schon mit Mehrrumpf-Yachten ausgefochten - was macht sie attraktiver?

Vrolijk: Sie brauchen keinen Ballast, sie segeln ungefähr doppelt so schnell, und wenn einer der beiden Rümpfe abhebt, über die Wellen fliegt, wird es schon spektakulär. Einer der Mitorganisatoren hat gesagt, bislang hätten wir Lastwagen gefahren. Jetzt kämen Ferrari. Das ganze Leben ist schneller geworden, und das passt jetzt in die Zeit, das passt zur Facebook-Generation. Natürlich geht dabei ein Stück Tradition verloren, vor allem die Einzigartigkeit des Cups.

SPIEGEL: Wird der Cup jetzt auch gefährlich wie die Formel 1?

Vrolijk: Die Katamarane sollen zudem noch bei deutlich mehr Wind rausgehen als bislang. Das wird ruppig, da geraten die Boote an ihre Belastungsgrenzen. Es wird jetzt immer auch darum gehen, wieder heile nach Hause zu kommen.


DER SPIEGEL 38/2010
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