27.09.2010

AFFÄRENWas wusste Obermann?

Die Bestechungsaffäre beim mazedonischen Telekom-Ableger MakTel könnte für die Telekom-Manager und den Konzernchef René Obermann durchaus brisanter werden als bislang vermutet. Das zumindest legt ein "streng vertraulicher" Schriftsatz der renommierten US-Kanzlei Debevoise & Plimpton nahe, die von der Deutschen Telekom als Rechtsberater verpflichtet wurde. Danach wirft die Bonner Staatsanwaltschaft Telekom-Managern vor, eine Art Geheimabkommen mit der mazedonischen Regierung verhandelt zu haben. In dem Geheimvertrag sollen offenbar millionenschwere Zahlungen an die Regierung mit der Nicht-Vergabe einer dritten Mobilfunklizenz in Mazedonien verknüpft worden sein. Die Vereinbarung sei später auf diversen Computern gelöscht worden. Als Beleg für ihren Verdacht haben die Bonner Ermittler der Telekom offenbar E-Mails präsentiert, in denen auch Obermann über Verhandlungen mit der mazedonischen Regierung und über den Stand der Geheimvereinbarung unterrichtet worden sein könnte. Bislang war gegen Obermann lediglich angeführt worden, dass er in einem Gespräch mit dem Chef der mazedonischen Telefongesellschaft Dividendenzahlungen von einer möglichst langsamen Freigabe des Telefonmarktes abhängig gemacht habe. Wie die Juristen der US-Kanzlei in dem neunseitigen Schriftsatz ausführen, lieferten die E-Mails allerdings "keine Beweise" dafür, dass Obermann in die Erstellung einer solchen Vereinbarung eingebunden gewesen sei oder auch nur davon gewusst habe. Die vermeintlichen Fundstellen seien allesamt anders zu verstehen. Auch die Vereinbarung selbst, so die Kanzlei, sei juristisch nicht zu beanstanden und den ebenfalls ermittelnden US-Behörden bekannt. Die Telekom wollte sich zum Inhalt des Schreibens nicht äußern. Die US-Kanzlei sei bereits vor einigen Jahren als Beraterin in der Affäre eingestellt worden, hieß es nur. Der Schriftsatz diene als Vorbereitung für die deutschen Anwälte des Telekom-Chefs und sei das "Herzstück" einer möglichen künftigen Verteidigung.

DER SPIEGEL 39/2010
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