Herta Müller, 57, Literaturnobelpreisträgerin, verstört ihre ehemaligen Landsleute in Rumänien mit schroffer Direktheit. Vergangene Woche las sie aus der "Atemschaukel" im Athenäum, Bukarests klassizistischem Konzerthaus mit 794 Sitzplätzen. Der Andrang war gigantisch, der Saal mit mehr als tausend Zuschauern völlig überfüllt. Bei der Podiumsdiskus-sion nahm Müller kein Blatt vor den Mund. Die Frage, wie sich das Land entwickeln solle, um sie zur Rückwanderung zu bewegen, deklarierte Müller als "ohne Gegenstand". Rumänien müsse sich für seine Bürger entwickeln, nicht für sie. Eine Initiative, ihr den höchsten Staatspreis Rumäniens zu verleihen, interessiert sie nicht: "Ich sammle kein Blech." "Niemand kann sagen, dass sie Charme hat", schreibt die Wochenzeitung "Academia Caţavencu". Eindruck hat die Autorin dennoch gemacht: Müller sei "ohne Kompromiss, gespannt wie eine Feder und lässt ihrer Ehrlichkeit freien Lauf".
DER SPIEGEL 40/2010
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