25.10.2010

SERBIENGeneral auf der Flucht

Kommt Belgrad seinem Ziel näher, Mitglied der Europäischen Union zu werden? Ob das serbische Beitrittsgesuch nach Brüssel weitergeleitet wird, hängt von den EU-Außenministern ab, die sich diesen Montag in Luxemburg treffen; verlangt wird vor allem eine volle Zusammenarbeit Belgrads mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Doch nun traut auch der friedfertige Chefankläger in Den Haag, Serge Brammertz, den Serben in dieser Frage nicht mehr. Er hatte zwei Jahre lang versucht, Belgrad "mit Respekt und Kollegialität" zur Auslieferung des seit 15 Jahren flüchtigen bosnischen Serbengenerals Ratko Mladić zu bewegen. Jetzt scheint er mit seiner Geduld am Ende. Mehrmals forderte Brammertz, mögliche EU-Beitrittsverhandlungen von der Verhaftung Mladićs sowie des ebenfalls flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrechers Goran Hadžić abhängig zu machen. Beide befänden sich nach wie vor im Zugriffsbereich der serbischen Behörden.
Belgrad reagierte mit gewohnter Entrüstung. Der zuständige Staatsanwalt, Vladimir Vukčević, gestand jedoch, dass es "ein Leck bei den serbischen Ermittlungsbehörden" gebe: Geplante Verhaftungen würden den Flüchtigen rechtzeitig mitgeteilt; allerdings sei die undichte Stelle bislang nicht geortet. Auch sei Mladić einige Male die Flucht gelungen, weil der Staatssicherheitsdienst engste Mladić-Helfer festsetzte, statt sie zu observieren. Mittlerweile sind Dutzende Wohnungen, Häuser oder Militäreinrichtungen bekannt, in denen sich der 67-jährige General dank der Unterstützung seiner Anhänger verstecken konnte. Gefasst wurde er trotzdem nicht. Seine Familie versucht derweil unverdrossen, ihn für tot erklären zu lassen. Begründung: Mladić habe einen Schlaganfall erlitten und wegen fehlender Behandlung nicht überlebt.

DER SPIEGEL 43/2010
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