30.10.2010

Briefe

Feldzug gegen die Wirklichkeit

Nr. 43/2010, Schriftsteller: SPIEGEL-Gespräch mit Feridun Zaimoglu über seine türkischen Eltern, seine schwierige Schulzeit in München und die Sarrazin-Debatte

Multikulti-Illusionismus auf hohem Niveau und in exzellentem Deutsch! Und doch aus diesem Munde wieder nur ein weiteres Kolleg jener routinierten Kampfberichterstattung von Deutschlands Migrationsfronten, die ein kluger Kollege einmal den "Krieg des Feridun Zaimoglu gegen die Empirie" genannt hat. Also einen Feldzug gegen die Wirklichkeit und, vor allem, ihre Kritiker: "Provokateure, die Metzgern mit stumpfen Ausbeinmessern gleichen, sie schneiden und stechen, sie reißen und zerren, Lichtbringer der Aufklärung, Fußsoldaten der Demokratie, Kulturpapisten und Rechtkonservative" - Originalton Zaimoglu 2007. Da wird unsereiner aber ganz hellhörig! Steckt dahinter doch das niederträchtigste aller niederträchtigen Totschlagargumente der Abwiegelungsriege: Wer es wagt, Kritik zu üben, ob am inflationären Bau von Großmoscheen, am Kopftuch oder gar am Islam selbst, ist Rassist, Neonazi, Fremdenfeind. Der Versuch, eine ganze Nation einzuschüchtern. Schamloser kann der überhängende Schulddruck aus der Nazi-Zeit nicht instrumentalisiert werden. "Ich leugne nicht, dass vieles falsch läuft", lese ich. Ach ja, die Riesenprobleme der Parallelgesellschaften - eine Marginalie? Genau das ist die Achillesferse des Feridun Zaimoglu: Zustände, die das Problem Nummer eins der deutschen Innenpolitik werden, wenn sie es nicht schon sind, einfach unterzupflügen.

Köln,
Dr. Ralph Giordano


DER SPIEGEL 44/2010
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