15.11.2010

FEMINISMUS Die gekränkte Frau

Erst Radikalfeministin, dann „Bild“-Kolumnistin: Alice Schwarzer hat eine seltsame Karriere hinter sich. Jetzt streitet sie in harschem Ton mit der jungen Berliner Familienministerin - und kämpft dabei auch um ihr Lebenswerk. Von Barbara Supp
Ein Samstag im November, die Frankfurter Paulskirche, Fahnenschmuck, die Glocken läuten, und Alice Schwarzer wird eine Rede halten, eine Laudatio auf eine andere Frau und auf sich selbst. Sie wird die andere loben, aber doch so, als hätte sie eigentlich selbst deren Preis verdient.
Ihr Verleger habe sie angerufen, erzählt Alice Schwarzer, vor sechs Jahren war das, er habe da ein Manuskript und wolle wissen, was sie davon halte. Es war ein Text über die Unterdrückung muslimischer Frauen. Ein Text von ebenjener Necla Kelek, die an diesem Novembertag den Freiheitspreis der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung bekommt.
Er schwebt in der Luft, dieser Satz, den sie nicht sagt, im lichten, mit gelb-blauen Blumenbouquets geschmückten Oval der Paulskirche: Wie, wenn Alice Schwarzer damals dem Verleger geraten hätte: "Das taugt nicht, druckt das nicht"?
Alice Schwarzer ist sehr beschäftigt in diesen Tagen, sie vermarktet ihr Buch "Die große Verschleierung", sie kommentiert für "Bild" den Prozess gegen den der Vergewaltigung beschuldigten Jörg Kachelmann, sie hält diese Laudatio in der Paulskirche, sie erscheint in einer Fernsehshow über deutsches Essen, sie schreibt einen offenen Brief an Familienministerin Kristina Schröder, die sie als "hoffnungslosen Fall" bezeichnet, "schlicht ungeeignet" für diesen Job.
Sie ist im Gespräch.
Sie muss im Gespräch sein, so scheint es, als müsste sie permanent dem Verdacht entgegentreten, es gäbe sie nicht mehr. Sie, die Radikalfeministin, die zur "Bild"-Kolumnistin geworden ist. Die Islamkritikerin, die zur geschätzten Prominenz in Unterhaltungsshows zählt, die Chefin des Feministinnenblatts "Emma", die die Kanzlerschaft der konservativen Angela Merkel gefeiert hat. Eine seltsame Frau. Eine der Berühmtheiten der Republik.
Eine, die gekränkt ist, zurzeit. Die oft schon und immer wieder gekränkt war, und oft fragt man sich: Warum regt sie sich so auf? Sie ist 67 und könnte ihren Platz in der bundesdeutschen Geschichte genießen. Aber sie tut es nicht.
Sie spricht über Necla Kelek, an diesem Novembermorgen, aber mehr noch spricht sie über sich selbst. Über ihre Reise nach Iran, vor 30 Jahren, über ein "Emma"-Dossier über Islamismus aus dem Jahr 1995, lobt sich und müsste es gar nicht tun, denn andere tun es auch.
Wolfgang Gerhardt, der Chef der Naumann-Stiftung, begrüßt "mit großer Freude" die Laudatorin, für Petra Roth, die Frankfurter CDU-Oberbürgermeisterin, ist sie die "gewiss wirkungsmächtigste Journalistin der Bundesrepublik", und Alice Schwarzer, im Zentrum der Republik und im Zentrum deutscher Geschichte, spricht mit weicher, runder, leicht rauer Stimme, hat einen schmalen, schicken Rock mit Schlitz an, macht kleine Scherze, "sind ja auch Menschen, die Männer", sagt sie zwinkernd, umarmt Necla Kelek, lässt sich feiern, genießt es.
Und schreibt zwei Tage später, als Reaktion auf ein SPIEGEL-Gespräch mit Kristina Schröder, ihren erbitterten offenen Brief.
Kristina Schröder ist 33 Jahre alt, Familienministerin, wollte erklärtermaßen nie Feministin werden und tut jetzt viel dafür, dass man sie nicht für eine hält. Sie ist gegen die Quote. Sie findet, dass Frauen selbst schuld sind, wenn sie weniger verdienen als Männer. Sie habe Bücher von Alice Schwarzer gelesen, "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" zum Beispiel, und finde darin die These, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr als Unterwerfung der Frau zu sehen sei, und das sei falsch. Auch dass Homosexualität die Lösung der Benachteiligung von Frauen sei, überzeuge sie nicht.
Das ist schief, denn Schwarzer hatte damals nicht behauptet, dass es keine befriedigende Sexualität mit Männern geben könnte. Aber sie begnügt sich nicht mit einer bloßen Korrektur. Sie wirft der Ministerin "hanebüchenen Unsinn" und "Stammtisch-Parolen" vor. Sie fragt sich, was "die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen". Sie schreibt: "Die einzig aufregende Nachricht aus Ihrem Amt war Ihr Namenswechsel", und empfiehlt ihr einen neuen Job: als "Presse-Sprecherin" von "rechtskonservativen Männerbünden".
Warum die Heftigkeit? Die Wut?
Man möchte sie treffen, ihre Wut begreifen, aber Alice Schwarzer hat seit Wochen schon für ein Treffen mit dem SPIEGEL keine Zeit.
So müssen also die Lektüre ihrer Texte, Beobachtungen, Antworten auf E-Mails, Gespräche mit anderen über sie an die Stelle einer Vier-Augen-Begegnung treten, und irgendwann stellt sich merkwürdigerweise das Gefühl ein: Vielleicht ist es von Vorteil, mit mehr Distanz über sie zu schreiben.
Distanz ist offenbar schwer herzustellen im Umgang mit Alice Schwarzer. Wer immer über sie redet, nimmt energisch Partei: Sie sei ein herzlicher Mensch, charmant, unterhaltsam, sagen die einen, oft sind es Männer. Sie sei eine Psychoterroristin, ein Macho im Rock, sagen die anderen, oft sind es Frauen.
Sie scheint aus mehreren Personae, aus inkompatiblen Persönlichkeiten, zu bestehen - ein Rätselspiel. Ein Puzzle. Wer ist diese Frau?
Eine jedenfalls, deren Ärger sich Bahn bricht, öffentlich und brachial. Länger schon ist sie gekränkt von jenen Jungfeministinnen, die sich "Alphamädchen" nennen und erklären, dass sie nicht "den ganzen Tag dankbar vor Alice Schwarzer auf den Knien liegen". Für Schwarzer sind sie nichts als "Wellness-Feministinnen" und kaltherzige Karrieristinnen, die sich "ausschließlich für ihre ganz persönlichen Belange" interessieren. Und jetzt, akut, kommt die Kränkung von jener nichtfeministischen jungen Familienministerin, die glaubt, ihre Thesen zu verstehen, und sagt: "Sorry, das ist falsch."
Es ist tatsächlich schwer vorstellbar für eine 33-Jährige im Jahr 2010, da die Republik von einer Kanzlerin geführt wird und die CSU sich eine Frauenquote gibt, da so vieles möglich erscheint für Frauen, wie sich das anfühlte, als Alice Schwarzer ihr Buch vom "Kleinen Unterschied" schrieb.
Die siebziger Jahre - eine andere Welt: im Parlament, wo es 1970 noch als Provokation galt, als sich eine SPD-Abgeordnete in Hosen in den Bundestag wagte - ein CSU-Vizepräsident hatte erklärt, er werde Frauen im Hosenanzug Redeverbot erteilen. Frauen in Hosen vertrügen sich nicht mit der Würde das Parlaments.
Im Schlafzimmer, wo eine Frau, der ein schnelles Rein und Raus nicht genügte, als frigide galt. Und Vergewaltigung in der Ehe gab es nicht, das hieß eheliche Pflicht.
So war das, und Schwarzer schrieb dagegen an.
Und jetzt kommen diese jungen Dinger und glauben es besser zu wissen, aber könnte sie diesen jungen Dingern nicht in Ruhe die Welt und die Geschichte erklären?
Sie kann es nicht, diesmal schon gar nicht, die Schröder-Attacke trifft den Kernbereich ihres Denkens, Schreibens, Streitens: den Körper. Die Sexualität. Trifft dorthin, wo es besonders schmerzt.
Schwarzer machte damals, in den siebziger Jahren, ein Massenpublikum mit der Existenz der weiblichen Klitoris bekannt und mischte sich, nach Ansicht vieler Ehemänner, unzulässig in Vorgänge im Ehebett ein.
Jahrelang wurde das mit Verachtung bestraft, mit körperlicher Diffamierung auch, in seriösen Blättern und vor allem auf dem Boulevard: "Hexe mit stechendem Blick", so wurde sie von der "Bild"-Zeitung beschrieben; "Nachteule mit dem Sex einer Straßenlaterne", das trug die "Abendzeitung" bei.
Schwäche zeigte sie nicht, aber dass sie den Körper als Ort der Verletzlichkeit empfinden kann, das zeigte sie schon. Sie konnte, so erzählte sie in einer Vorlesung jungen Journalisten, sogar mit dem bulligen CSU-Politiker Franz Josef Strauß Mitgefühl entwickeln, weil seine Gegner "abwertend über seinen feisten Nacken und seinen Körper schrieben". In einem Brief an eine Jugendfreundin beschreibt sie, wie sie als junges Mädchen mit Verdacht auf Kinderlähmung im Krankenhaus lag und was wohl aus ihr geworden wäre, hätte sie diese Krankheit mit einer Behinderung überlebt: "Feministin vermutlich nicht. Eine hinkende Alice Schwarzer … es hat auch so gereicht."
Der Körper als Zentrum der Verletzlichkeit - über Sexualität schrieb sie, das Intimste dieses Körpers. Über Homosexualität auch, immer wieder, und über das Recht, diese Homosexualität zu leben.
Über ihr eigenes Leben war zu erfahren, dass es in ihren frühen Pariser Jahren einen Bruno gab, über spätere Lebensbegleiter sagte und schrieb sie dann nichts mehr - sie, die doch eigentlich erklärte, dass das Private politisch sei.
"Wie ich lebe", so wird sie zitiert in der wohlwollenden Biografie von Anna Dünnebier und Gert von Paczensky, "das kann man sich bei der Lektüre meiner Texte ja denken. Selbstverständlich hatte ich mir zu dem Zeitpunkt des 'Kleinen Unterschieds' auch längst selbst die Freiheit genommen, mich für Frauen auf allen Ebenen zu interessieren. Auch auf der erotischen."
Weiter geht sie nicht. Das Anderssein - es wäre kein Problem mehr, heute, nach Wowereit, Beust, Westerwelle, Anne Will, aber Alice Schwarzer: schwieg.
Schwieg über sich, aber wurde die Stimme der Bewegung und wird immer noch so behandelt wie eine "Vorstandsvorsitzende für Frauenfragen", so sagt leicht spöttisch Lisa Ortgies, die desillusioniert nach kurzem Gastspiel als "Emma"-Chefredakteurin das Blatt verließ.
Schwarzer, die Frontfrau, die keine Schwäche zeigt und auf Angriff schaltet, wo Verletzung droht: Für Bascha Mika, Autorin einer kritischen Schwarzer-Biografie, ist das nichts Neues, es passt ins Bild - "Guerillera Commandante Alice", ewig angriffslustig, kampfbereit.
Eine Frau mit Kontrollwahn, so wird sie von vielen aus dem "Emma"-Umfeld beschrieben. Eine, die es gewohnt ist, dass man ihr nur in Marginalien widerspricht. Die nur die Augenbrauen zu heben braucht, um eine Idee zu töten.
Eine Macho-Frau, deren Begeisterungsfähigkeit in Jähzorn umschlagen kann, die Macht über Menschen, Texte, Ideen braucht, damit der Feminismus weiterhin ihr Feminismus ist und "Emma" bleibt, wie "Emma" war.
Es gibt Ehemalige, die bekommen noch Jahre später rote Flecken am Hals, spricht man sie auf ihre Zeit bei "Emma" an.
Es ist ein Bild, das nicht recht passt zu der fröhlichen Frau in der Paulskirche, ein Bild, das neu überprüft werden müsste, aber Alice Schwarzer hat ja keine Zeit. Es gibt wenige Porträts, für die sie sich treffen ließ, sehr viel weniger als Interviews, wo man jedes gedruckte Wort kontrollieren kann. Sie mag, so scheint es, Interpretationen nicht. Will die Deutungshoheit nicht verlieren.
Manches Misstrauen geht sicher auf alte, harte Zeiten zurück.
Es war die Zeit der Kollektive, der Illusionen auch, als "Emma" gegründet wurde - viele quatschen, manche machen den Job. Die Zeit der Kämpfe mit beinahe Gleichgesinnten, Kämpfe, die oft noch härter waren als die gegen die echten Gegner. Geblieben ist die Erkenntnis, dass nicht notwendigerweise ein besserer Mensch ist, wer die bessere Welt anstrebt. Und ein Denken in Beziehungsgeflechten: Mit jener Autorin kann man nicht zusammenarbeiten, die kennt die falschen Leute. Und diese da - hat sie die richtige Haltung? Hat sie nicht damals die falsche Partei ergriffen im Streit um Pornos oder Tierrechte oder Verschleierung von Frauen? Ein Denken, das in anderen Blättern in Maßen, in "Emma" aber zur Perfektion getrieben wurde. Das macht es schwierig, neue Themen zu entdecken, neue Ideen.
Im Großen und Ganzen blieb "Emma" bei den Haltungen und Themen, die Alice Schwarzer schon lange wichtig waren: beim wirklich wichtigen Kampf gegen Zwangsverheiratung, Ehrenmorde, Zwangsprostitution. Bei manchmal absurden Ideen wie jener, die Frauenrechte mit Tierrechten verknüpft. Bei jenen brachial vertretenen Thesen, die das Differenzieren und Debattieren so sehr erschweren: Ein Kopftuch muss dafür sprechen, dass die Frau entrechtet ist. Pornos können nur gewaltsame Unterdrückung der Frauen sein.
Schwarzer schreibt sehr viel selbst, weil so viele Autorinnen mit der richtigen Haltung schwer zu finden sind. Ein zermürbendes Leben. Und so muss dann doch die Erkenntnis gewachsen sein, dass "Emma" jemand Neues braucht, für neue Ideen - Beruf und Familie beispielsweise, Wirtschaft und Diskriminierung. Also holte sie sich Lisa Ortgies als Chefredakteurin, eine Mutter zweier kleiner Kinder, pries sie als "sehr selbstbewusste, taffe" junge Frau.
Und konnte dann doch nicht loslassen. Aus Angst: dass die Neue das nicht kann. Aus der größeren Angst, vielleicht: dass sie es kann.
"Macht", sagt eine ehemalige "Emma"-Mitarbeiterin, "das ist ihr blinder Fleck."
Niemand stoppt sie, wenn sie ihrer Kurzzeit-Chefredakteurin öffentlich nachtritt: Die junge Kollegin habe sich einfach "nicht geeignet für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin", gab sie bekannt.
Niemand stoppt sie, wenn sie die junge Familienministerin öffentlich zum "hoffnungslosen Fall" erklärt.
Seltsam. Das ist dieselbe Frau, die man gut gelaunt auf einem unbequemen Barhocker herumrutschen sieht, zu Gast in einer Wissensshow bei Ranga Yogeshwar beim WDR. Klaglos beantwortet sie Quizfragen zum Ernährungsverhalten der Deutschen, schäkert mit Kaya Yanar, ihrem Sitznachbarn, herzt Ranga Yogeshwar, legt Tim Mälzer vertraulich und verpflichtend die Hand auf den Arm. Gibt zu, "auch nur eine Frau" zu sein und manchmal den "anfallartigen Wunsch" zu verspüren, "fünf bis zehn Kilo weniger zu wiegen", und auf die Frage: "Mittag ohne Fleisch, wäre das wie ,Emma' ohne Alice?" lacht sie nur herzlich: "Wär ja mal schön!"
Charmant sei sie gewesen, eine charmante "Ulknudel", sagt Sepp Maier, der legendäre Nationaltorhüter, der ein paar Jahre lang in der Rateshow "Ja oder Nein" mit Blacky Fuchsberger ihr Nebensitzer war. Eigentlich müsste die verbissen sein, so hatte er gedacht, aber "a Gaudi war's", das weiß er noch gut. "Viel Spaß hammer gehabt. Vom Feminismus hat's nix erzählt."
Eine Erholung vielleicht, diese Welt der Unterhaltung, in der niemand die Menschheit retten will, selbst wenn diese Welt von Intellektuellen belächelt wird. Sie ist Rheinländerin, sie ist Talkshow-, Karneval-, Tanz- und Party-tauglich, schlagfertig, nimmt froh einen Bambi entgegen für einen Auftritt in "Wer wird Millionär?", plaudert freundlich mit Dieter Bohlen auf einer Bertelsmann-Party, genießt die Nähe zu Mächtigen und Wichtigen, zu Verlegern oder auch Kirchenleuten, selbst wenn die den Prinzipien des Feminismus eher nicht verpflichtet sind. Kann sich für die preußische Gräfin Dönhoff genauso begeistern wie zuvor für die Linksintellektuelle Simone de Beauvoir.
Sie kann mit Männern, oft besser als mit Frauen. Kann mit Konservativen, die Linken sind lange schon eher Feindbild, unter denen sind die schlimmsten Multi-Kulti-Träumer oder auch Ewiggestrige, die ihre Götter Marx und Mao ersetzt haben - "durch Mohammed". Die Konservativen dagegen haben ihr Angela Merkel beschert: "Wir sind Kanzlerin", das ist ein Satz von ihr. Wir. Ich. Alle Frauen.
Sie kann mit "Bild". Sie kann mit jenem Blatt, das sein Geld mit Sex, Gewalt und nackten Frauen verdient, vor drei Jahren warb sie für "Bild" und sagte zum Angebot des Blatts, den Kachelmann-Prozess per Kolumne zu begleiten, ohne Hemmungen, dafür "mit Freude ja".
Alice Schwarzer ist eine jener Prominenten, die besonders dann interessant sind, wenn eine Tätigkeit oder Anwesenheit scheinbar im Widerspruch zu Überzeugungen steht. Sie hat sich dem Mainstream angenähert und der Mainstream sich ihr, aber sie braucht auch den Feminismus und die Kratzbürstigkeit, sonst würde sie sich auflösen in diesem Mainstream, könnte nicht mehr Alice Schwarzer sein.
Sie braucht die Front, da taugt der Streit um den Islam und den Schleier und der um Kachelmann, ihre alten Themen, an denen sie sich seit Jahren wundschreibt: Sex und Gewalt.
Sie hat diese drei Gesichter, die Ulknudel, der weibliche Macho, die Aufklärerin mit einem Anliegen. Einem Anliegen, das der Macho manchmal in seinem Brüllen erstickt, was die Ulknudel dann wieder vergessen machen will.
Nur dass das, daher die Kränkung, nicht immer funktioniert.
Die Kanzlerin hat ihr, Alice Schwarzer, und allen anderen Frauen diese 33-jährige Nichtfeministin als Ministerin beschert - doch sie will sich deswegen nicht distanzieren von Angela Merkel. Ihr Verhältnis zu Parteien sei "schon lange kein ideologisches mehr, sondern ein pragmatisches" - "im Sinne vom kleineren Übel". So sieht sie das.
"Bild" zog die Auseinandersetzung von Schröder und Schwarzer prompt auf Zickenkrieg-Niveau, brachte ein Foto seiner Kolumnistin und ihrer Kontrahentin, garniert mit der säftelnden Schlagzeile: "Bizarrer Sex-Streit" - um "Sex, Homosexualität und Unterwerfung". Aber "selbstverständlich" kommentiere sie den Kachelmann-Prozess bis zum Urteil, lässt Alice Schwarzer per E-Mail wissen, so wie sie auch in anderen Blättern schreibe, unabhängig davon, was dort im Archiv stehe über sie.
Schwarzers Idee war vermutlich: Wenn ich, Alice Schwarzer, mich in die Welt der "Bild"-Zeitung begebe, dann überstrahle ich diese, dann spricht Schwarzer, nicht das Boulevardblatt. Nur sprach jetzt wieder das Boulevardblatt, und es sprach nichts Schönes über sie. ◆
Von Supp, Barbara

DER SPIEGEL 46/2010
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