Ein Team von 50 Redakteuren und Dokumentaren aus der Auslands- und der Deutschland-Redaktion des SPIEGEL, aus den Korrespondenten-Büros und von SPIEGEL ONLINE hat in den vergangenen fünf Monaten einen Datenschatz von 251 287 Dokumenten aus dem Bestand des amerikanischen Außenministeriums auswerten können, den die Enthüllungsplattform WikiLeaks zur Verfügung gestellt hatte. Wie bei der Veröffentlichung zu den Kriegstagebüchern aus Afghanistan (im Juli) und dem Irak (im Oktober) beginnt das SPIEGEL-Team um die Redakteure Hans Hoyng, 62, Marcel Rosenbach, 38, und Holger Stark, 40, seine Dokumentation der Botschaftsberichte zeitgleich mit der "New York Times" und dem britischen "Guardian"; zusätzlich sind diesmal auch "El País" aus Madrid und "Le Monde" aus Paris beteiligt. Weitere Berichte werden täglich auf SPIEGEL ONLINE folgen.
Die Fülle der diplomatischen Depeschen zeigt in Tausenden Facetten, wie die Vereinigten Staaten die Welt sehen - und wie sie die Weltläufte nach ihren Interessen zu beeinflussen suchen. Rund 1700 Berichte trug dazu die amerikanische Botschaft in Berlin bei, die am Pariser Platz liegt - genau wie das Berliner Büro des SPIEGEL. Mit Blick auf das Botschaftsgebäude arbeiteten sich die Berliner SPIEGEL-Leute durch die Deutschland-Dokumente. Sie zeigen, wie erschreckend wenig die amerikanischen Diplomaten von deutschen Spitzenpolitikern halten - und in welch klarer Sprache sie ihre Einschätzungen nach Hause senden (Seite 20). Abzuwägen ist in solchen Fällen das Nachrichteninteresse der Öffentlichkeit gegen berechtigte Geheimhaltungsinteressen des Staates. Das hat der SPIEGEL getan.
Wie bei den vorangegangenen Veröffentlichungen hat der SPIEGEL das Material unabhängig ausgewertet, analysiert, aufbereitet und alles dafür getan, solche Informanten zu schützen, die womöglich um ihr Leben oder ihre Freiheit fürchten müssten. Die Redaktion hat - wie andere beteiligte Medien auch - unter anderem das Weiße Haus und das State Department, aber auch die amerikanische Botschaft in Berlin um Stellungnahmen gebeten und lässt Botschafter Philip Murphy zu Wort kommen (Seite 26). In einigen Fällen brachte die US-Regierung Sicherheitsbedenken vor, manche Einwände hat der SPIEGEL akzeptiert, andere nicht. Ein Ergebnis dieser Bitten war, dass die US-Diplomaten zwischen Canberra und London Anfang voriger Woche damit begannen, ihren wichtigsten örtlichen Gesprächspartnern die Geheimhaltungspanne zu erklären und sie vor den Veröffentlichungen zu warnen.
DER SPIEGEL 48/2010
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