DER SPIEGEL



WM 2018

Immer große Ziele

Wladimir Geskin, 57, Mitglied der Chefredaktion von Russlands Sportzeitung "Sport-Express" über die erfolgreiche Fußball-WM-Bewerbung

SPIEGEL: Russland ist Gastgeber für die Leichtathletik-WM 2013, die olympischen Winterspiele 2014, danach soll in Sotschi die Formel 1 starten. Nun hat das Land auch noch den Zuschlag für die Fußball-WM 2018 bekommen. Warum reißt sich Moskau um jedes sportliche Großereignis?

Geskin: Wir Russen brauchen immer große Ziele. Denken Sie an Zar Peter den Großen, der sein Reich modernisierte, oder die Sowjets, die den Kosmos eroberten. Das liegt in unserem Blut. Wenn wir uns Großes vornehmen, können wir auf dem Weg dorthin auch viele kleine Probleme lösen. In Sotschi, dem Ort der Winterspiele 2014, gab es bis vor kurzem noch nicht einmal eine Kanalisation.

SPIEGEL: Welchen Anteil hatte der Einsatz von Premier Wladimir Putin?

Geskin: Einen riesigen. Putin hat sich mit fast allen Mitgliedern der Fifa-Exekutive getroffen. Der Staat zahlt Milliarden Rubel für den Bau von Stadien, neuen Autobahnen, Flughäfen und Hotels. Die Regierung gibt alle erdenklichen Garantien.

SPIEGEL: Wer nach Russland reisen will, benötigt ein Visum. Wie sollen Millionen Fans aus dem Ausland rechtzeitig eine Einreisegenehmigung bekommen?

Geskin: Ausländische Besucher können visafrei einreisen, mehr noch: Mit ihrem Ticket können sie die Schnellzüge zwischen den russischen Städten kostenlos nutzen.

SPIEGEL: In Russland blüht die Korruption. Sehen Sie die Gefahr, dass ein großer Teil der Milliarden, die in die Infrastruktur für die WM fließen sollen, in den Taschen bestechlicher Beamter, Politiker und Unternehmer landet?

Geskin: Nicht nur bei uns wird geklaut, das zeigt doch der jüngst enthüllte Bestechungsskandal bei der Fifa. Wenn wir aber immer die Korruption fürchten, dann dürften wir uns an gar nichts wagen.


DER SPIEGEL 49/2010
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