03.01.2011

GESTORBENGerhard Schürer

Gerhard Schürer, 89. Ein Text, gerade 24 Seiten lang, katapultierte den gelernten Maschinenschlosser und späteren Leiter der Staatlichen Plankommission der DDR in die Weltgeschichte. Seine "Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlussfolgerungen" hieß fortan inoffiziell "das Schürer-Papier". Darin hatte der SED-Mann dem Politbüro am 30. Oktober 1989 in klaren Worten den Staatsbankrott diagnostiziert: "Die Konsequenz der unmittelbar bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit wäre ein Moratorium (Umschuldung), bei dem der Internationale Währungsfonds bestimmen würde, was in der DDR zu geschehen hat." Schürers Warnung sorgte für Aufregung in der SED-Führung, aber seine Mahnungen kamen zu spät. Seine Kommission und sein Staat lösten sich auf, er selbst wurde Unternehmensberater bei einem Kapitalisten, bei Peter Dussmann. Dessen Unternehmen bahnte er den Weg gen Osteuropa. Gerhard Schürer starb am 22. Dezember in Berlin.

DER SPIEGEL 1/2011
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