17.01.2011

SPIEGEL-GESPRÄCH„Ein schwarzer Engel des Zufalls“

Der Literaturwissenschaftler Manfred Schneider über Vernunft und Unvernunft eines Attentäters, den paranoiden Geist westlicher Gesellschaften und ihre Suche nach Erklärungen
SPIEGEL: Herr Schneider, am 8. Januar hat in Arizona der 22-jährige Jared Lee Loughner aus nächster Nähe der Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords in den Kopf geschossen und sechs Menschen umgebracht. Und während die Welt um Erklärungen ringt, kann man in Ihrem jüngst erschienenen Buch "Das Attentat" nachlesen, dass ein Attentäter wie Loughner eben nicht wahnsinnig sei, sondern Produkt einer Hyperrationalität. Was soll das bedeuten?
Schneider: Jeder Attentäter ist ein scharfsinniger Beobachter und Interpret von Zeichen und Ereignissen. Für ihn geschieht nichts aus Zufall, er durchleuchtet die Welt auf einen feindlichen Willen hin. Überall vermutet er eine Verschwörung. Das Ergebnis erscheint uns wahnsinnig und verrückt. Gleichzeitig aber sind es Logik und Vernunft, die beim Attentäter auf Hochtouren laufen und zu diesen paranoiden Annahmen führen. Paranoia ist keine Unvernunft, sondern Hyperrationalität. Loughner ist ein sehr typischer Vertreter dafür.
SPIEGEL: Als hätte er Ihr Buch gelesen.
Schneider: Ja, fast.
SPIEGEL: Was ist so typisch?
Schneider: Erstens: Loughner handelte subjektiv hochmoralisch. Der Paranoiker rettet die Welt vor einer Bedrohung. Er koppelt sein System der Interpretation von allem anderen ab und stellt innerhalb dieses Systems wieder eine Ordnung her, die für ihn nicht mehr beängstigend ist. Zweitens: Loughner hat Nachrichten hinterlassen, das ist immer Teil einer rationalen Attentatsoperation. Es handelt sich offensichtlich um eine lange überlegte und vorbereitete Aktion. Drittens: Es war eine politische Tat. Beim Attentäter nimmt der Wahnsinn, der ja unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten hat, eine politische Form an. Denken Sie an diese Videobotschaft, in der er über den Goldstandard und Währungen spricht. Das sind elementare Zeichensysteme der westlichen Gesellschaften. Die will er erneuern oder austauschen. Das ist verrückt, aber es ist eben der Versuch, Kontakt mit der Macht aufzunehmen.
SPIEGEL: Wenn Loughner nun nicht über Gold und Währungen geredet hätte, son-
dern von einem neuen Menschen mit drei Armen und vier Beinen: Wo fängt der pure Irrsinn an?
Schneider: Beim Wortsalat. Wenn nur mehr ein großes Blabla bleibt. Das ist die eine Grenze. Die andere lautet: Das Thema der Paranoia ist die Macht. Paranoia beschäftigt sich nicht mit einem Phantasma, wie Sie es als Beispiel geben.
SPIEGEL: Loughner hat 2007 bei einer Bürgersprechstunde die Abgeordnete Giffords gefragt, ob sie wisse, "wieso Wörter das bedeuten, was sie bedeuten". Merkwürdigerweise soll sie ihm auf Spanisch geantwortet haben. Ihre für ihn unzureichende Erklärung auf seine Frage soll Loughner extrem erbittert haben.
Schneider: Dieser fundamentale Zweifel an unseren Zeichensystemen ist ein immer wieder anzutreffendes Symptom. Der Ex-Soldat Denis Lortie, der am 8. Mai 1984 das Parlament in Québec stürmte und wahllos auf alles schoss, was sich bewegte, hatte in einer seiner Botschaften vor dem Attentat gesagt: "Ich will etwas zerstören, was die Sprache zerstören will." Und Loughner gab zu Protokoll, "die Regierung kontrolliert die Grammatik".
SPIEGEL: Ist Paranoia immer destruktiv?
Schneider: Nicht unbedingt. Denken Sie an den fabelhaften Sherlock Holmes: Er entziffert die zufälligen Zeichen besser als jeder andere und ist in der Lage, aus ihnen den abwegigsten Verdacht zu erhärten. Ein Papierschnipsel hier, ein Häufchen Zigarrenasche dort. Ein Paranoiker vor dem Herrn! Aber immer im Auftrag des Guten unterwegs.
SPIEGEL: Das ist doch ein Unterschied. Holmes zieht die richtigen Schlüsse.
Schneider: Das hat Loughner selbst ja auch gedacht. Doch dem Paranoiker fehlt die Selbstreflexion, die Möglichkeit der Überprüfung. Auf der Ebene des Denkens liegt hier der entscheidende Mangel. Ein Attentäter wie Loughner ist immer ein Einzelkämpfer, für den irgendwann ein Verdacht zur Gewissheit wird. Er beginnt, ohne kommunikativen Abgleich mit der Umwelt, sich ein Erklärungssystem zu schaffen für die Dinge, die ihn besorgen und bedrängen.
SPIEGEL: Aber lässt sich erkennen, ob einer ein Holmes oder ein Loughner ist?
Schneider: Das ist manchmal extrem schwierig. Zum Beispiel: Nach Holmes' Methode arbeiten auch die Geheimdienste. Aber die Analyse von Colin Powell vor dem Uno-Sicherheitsrat im Februar 2003, wonach im Irak mobile Biowaffenlabors unterwegs seien, hatte die gleiche Struktur wie der Wahn von Adelheid Streidel, die 1990 Oskar Lafontaine mit einem Messer lebensgefährlich verletzte: Sie glaubte, dass in Wackersdorf unterirdische Menschentötungsfabriken existierten.
SPIEGEL: Der ermittelnde Sheriff in Tucson hat bald nach dem Attentat gesagt, wir hätten es hier mit einem "einzelnen, sehr gestörten Individuum" zu tun. Das ist zu einfach, oder?
Schneider: Allerdings. Aber ich verstehe auch, wie so eine Annahme entsteht.
SPIEGEL: Wie?
Schneider: Der Attentäter betritt die Bühne wie ein schwarzer Engel des Zufalls. Plötzlich passiert in unserer rationalen Welt etwas Unfassliches, das in kein Erklärungsbild passt. Dass etwas Schreckliches nur zufällig passiert, ist für uns aber besonders schwer zu ertragen. Und damit wir das im Fall von Jared Lee Loughner nicht auch sagen müssen, suchen wir nach Gründen, welche die Tat logisch und gewissermaßen vorhersehbar machen.
SPIEGEL: Zum Beispiel mit der prompten Behauptung, der Täter habe Hitlers "Mein Kampf" gelesen.
Schneider: Genau. Dabei ist das noch nicht einmal belegt. Alle hoffen aber, dass es so ist. Loughner soll auch ein Anhänger des rechtsextremen Verschwörungstheoretikers David Wynn Miller gewesen sein. Wäre das so, hätten wir etwas gefunden, um das Gefährliche zu reduzieren. Das heißt, wir hätten die Tat theoretisch verhindern können, und aus diesem Versäumnis könnten wir für die Zukunft lernen. Im Auge der Beobachter ist etwas schiefgelaufen, ein Sicherheitssystem muss versagt haben. Wir brauchen einen Grund und einen Schuldigen.
SPIEGEL: Was hindert uns daran einzugestehen, dass das Attentat schlicht Zufall war, kontingent, wie Sie es nennen, grundlos, verrückt, sinnlos?
Schneider: Wir müssen nach Gründen forschen, wenn uns etwas Furchtbares zustößt. Jedes Phänomen hat seinen Grund, das ist das Konzept unseres rationalen Denkens seit der Aufklärung. Und für die Gründe, ein Attentat zu begehen, ziehen wir die Repräsentanten des Bösen heran: den Kommunismus, den Faschismus oder die Medien. Jetzt tauchen am Horizont neue Repräsentanten auf, der muslimische Feind als aktuelle paranoische Gestalt oder der ruchlose Banker. Die Politik kann ja schlecht sagen: "Na gut, diese Finanzkrise, das ist einfach Riesenpech gewesen." Nein, sie muss erklären, dass es bestimmte Agenten gibt, die so oder so gehandelt und deswegen bestimmte Ereignisse verursacht haben. Wenn diese Behauptung aber versagt, wenn sie als nicht glaubwürdig betrachtet wird, entstehen extreme Irritationen. Nehmen diese eine paranoische Form an, dann wird eben vermutet, dass es im Hintergrund etwas anderes geben muss - einen großen, geheimen Plan, eine dunkle Verschwörung der bösesten Mächte. Das nenne ich paranoische Vernunft, eine wahnhafte, aber nicht krankhafte Vernunft. Paranoid ist der Attentäter.
SPIEGEL: Sarah Palin und der Tea Party wird vorgeworfen, mitverantwortlich zu sein an der Atmosphäre in den USA, die zu solch einer Tat führen kann. Sie aber lehnt, fast in Ihrem Sinne, den gesamtgesellschaftlichen paranoischen Erklärungsversuch ab und sagt, solche Taten stünden nur für sich - und sind damit zufällig.
Schneider: Palin zu einer Schuldigen zu erklären ist natürlich abwegig. Doch auch ohne paranoische Schlüsse zu ziehen, erkennt man sofort ein Gewebe von Zusammenhängen, in denen das Attentat steht und auf die der Täter Loughner ja bewusst hinweist. Und die republikanische Fundamentalpolemik ist ein Teil dieses Zusammenhangs. Zum Beispiel in der Verwendung des Begriffs "Mind Control". Das ist der zentrale paranoische Gedanke der amerikanischen Rechten, der davon ausgeht, dass die Regierung über Sprache und Medien die Gedanken der Bürger kontrolliert. Wenn Palin jetzt fordert, das Attentat als Einzeltat, also als Zufall zu sehen, ist das paradox. Denn dann tritt sie plötzlich aus dem System der Paranoia - Stichwort Mind Control - aus, das sie und die Tea Party ja mehr und mehr mitgeschaffen haben.
SPIEGEL: Ist es nicht eigenartig, dass sich Attentate, Paranoia und Zufallsleugnung vor allem dort vermehren, wo Mitbestimmung, Information und Durchlässigkeit die höchsten Gebote sind, in den westlichen Demokratien also?
Schneider: Das ist statistisch erwiesen. Je offener und transparenter ein System, desto stärker zieht es den Verdacht auf sich, dass im Hintergrund etwas regiert, das sich den Augen entzieht.
SPIEGEL: Dann wäre WikiLeaks auch ein Attentäter im Sinne der paranoischen Vernunft?
Schneider: WikiLeaks wird getrieben von dem gleichen paranoischen Verlangen, bis in die äußersten Winkel Licht zu schicken und der Macht noch das letzte Geheimnis zu entreißen. Das hat seine eigene Paradoxie, denn die Macher von WikiLeaks benötigen ja selber das Geheimnis. Sie müssen ihre Informanten mit aller Gewalt schützen, und damit schaffen sie selbst Geheimnisse und Geheimnisträger, in die dann vielleicht wieder eine neue Gruppierung mit ihrem Verdacht hineinstößt.
SPIEGEL: Auffällig oft kommen die Zeichen und Zahlen, die der Paranoiker zu Bedeutung verdichtet, aus Literatur und Film.
Schneider: Attentäter sind intensive Mediennutzer. Die Medien sind die Quelle ihres Verdachts, und sie treibt zugleich das heftige Verlangen, in ebendiesen Medien zu erscheinen. John Hinckley, der 1981 versucht hat, Ronald Reagan zu erschießen, war Kinofan. Hinckley war zutiefst beeindruckt von Martin Scorseses Film "Taxi Driver" und ist der damals 13-jährigen Jodie Foster hinterhergestiegen. Er hat ihr Gedichte und zahlreiche Briefe geschickt. Natürlich blieben sie unbeantwortet. In einem Brief an die "New York Times" schrieb er dann den ungeheuerlichen Satz: "Die Schüsse waren der größte Liebesbeweis in der Weltgeschichte." In diesen welthistorischen Dimensionen hat so ein kleiner, unglücklicher, elender Kerl gedacht. Es war sein Traum, mit Jodie Foster im Weißen Haus zu leben.
SPIEGEL: Da war Ronald Reagan ihm natürlich im Weg. Aber widerspricht dieser Attentäter dann nicht Ihrer Theorie von der paranoischen Vernunft? Von Vernunft kann man doch hier nicht mehr reden.
Schneider: Doch. Er kannte die ganze Geschichte der Attentate. Er wusste von seinen Vorgängern und hat sich in gewisser Weise mit ihnen identifiziert. Es war ihm klar, was nach seiner Tat passieren würde, dass Bilder entstehen und innerhalb eines Tages um die Welt gehen. Er wusste, ich trete aus dem ungesehenen in den gesehenen Zustand über. Und dann werde ich auch von der von mir verehrten Frau gesehen. Vom Ungesehenen in den Bereich des Gesehenen überzuwechseln, das ist ein starker Antrieb.
SPIEGEL: Welcher Attentäter interessiert Sie besonders?
Schneider: Mark David Chapman wäre so einer, der Attentäter, der auf John Lennon geschossen hat. Nicht, dass ich besondere Sympathien für ihn hätte, aber sein Schicksal ist bewegend und erschütternd. Er hat gemeint, in J. D. Salingers Roman "Der Fänger im Roggen" seine Geschichte zu lesen. Unmittelbar nach der Tat, Lennon lag noch blutend im Hausflur des Dakota Building, hat er nach dem Buch gegriffen und wieder zu lesen begonnen. Chapman hat auch von Synchronizitäten gesprochen, die ihn in seinem Tatentschluss schließlich bestärkten.
SPIEGEL: Sie meinen mit Synchronizität, dass Ereignisse, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, trotzdem aufeinander bezogen werden?
Schneider: Der Begriff ist von C. G. Jung und meint den Zusammenhang von Ereignissen, die nur vordergründig zufällig sind. Zum Beispiel hieß der Mann, der Chapman in Honolulu die Tatwaffe verkauft hat, Ono - wie Lennons Frau. Als Chapman auf dem Flug nach New York nach einer Zeitschrift griff, war John Lennon auf dem Titelbild. Es gab eine ganze Serie solcher Details, die er als Synchronizitäten auffasste und die ihn in seinem Entschluss zur Tat rational bestärkten: Es ist klar, ich habe meinen Auftrag. "Ich musste es tun", das ist ein bei Attentätern immer wieder vorkommender Satz.
SPIEGEL: Der Ur-Attentäter in Ihrer Analyse ist der Cäsar-Mörder Brutus. War dieser Mann paranoid?
Schneider: Im klinischen Sinne natürlich nicht. Aber er ist, wie seine Mitattentäter, einem grundsätzlichen Verdacht gefolgt, nämlich dass Cäsar König werden wolle. Das hätte den Tod der Republik bedeutet. Cäsar beteuerte zwar, er wolle die Krone nicht, aber die Verschwörer kamen bei der Interpretation seines Verhaltens zum gegenteiligen Schluss.
SPIEGEL: Sie folgten ihrem Misstrauen.
Schneider: Wer Attentäter wird, ist immer zuerst ein Deutender: von Zahlen und Fakten, von Gesten, von Sätzen oder vom Schweigen. Der Fall Brutus ist ja so interessant und wird bis heute diskutiert, weil es für die Ermordung Cäsars nachvollziehbare Gründe gab. Dante versetzte ihn in die Hölle, aber Brutus hat, von Cicero angefangen, bis heute bedeutende Anhänger, sein Ruf ist geradezu makellos.
SPIEGEL: Wann kippt die misstrauische Haltung oder Empfindung in Paranoia?
Schneider: Wenn all die nichtrationalen Momente wegfallen, die zur Vernunft gehören, dann wird es pathologisch. Wenn es keine Zweifel im Denken mehr gibt, kein Zögern beim Handeln. Wenn keine Empathie mehr möglich ist und sich das Gefühl durchsetzt, dass dieses und jenes nun unter allen Umständen getan werden muss, um das Schlimmste zu verhüten: Dann verhält sich jemand nicht mehr paranoisch, sondern paranoid.
SPIEGEL: Aber was ist dann mit jemandem wie Georg Elser, der sich aufmachte, Hitler zu töten? Da kann man doch wohl nicht von Paranoia sprechen.
Schneider: Hier war nicht der Attentäter paranoid, sondern sein Gegenüber, sowohl Hitler als auch große Teile der deutschen Gesellschaft. Es ist ja durchaus möglich, dafür ist auch der Stalinismus ein Beleg, dass die Mehrheit einer Gruppe irrationale, wahnhafte Einstellungen teilt.
SPIEGEL: Sie haben Sherlock Holmes als Beispiel für eine sozusagen gesunde Paranoia genannt. Der Detektiv ist also unser Arzt bei akuter Kontingenzunverträglichkeit?
Schneider: Unbedingt. Er vernichtet Kontingenz, weil er aus scheinbar zufälligen Indizien etwas Sinnvolles lesen kann. Wir delegieren an kriminalistische Helden wie ihn, an Ermittler und Polizisten, unsere Hoffnung, dass man das Böse erkennen und deshalb bekämpfen kann.
SPIEGEL: Sie nennen den Attentäter den "schwarzen Engel des Zufalls". Er ist unsichtbar, er kommt aus dem Nichts wie Loughner oder die Schoolshooter von Columbine, er richtet Verheerungen an, indem er scheinbar wahllos mordet.
Schneider: Das Wahllose ist Programm. Sebastian B., der Schoolshooter von Emsdetten, hielt den Columbine-Attentäter Eric Harris für Gott, und Dylan Klebold, Harris' Freund, empfand sich selbst als "irgendein Gott". Niemand von diesen jungen Männern - der typische Attentäter ist männlich und um die 20 Jahre alt - war verrückt oder intellektuell debil. Bei ihrer Tat spielten sie Gott, sie waren Zufallsdämonen. Die Anmaßung, für wenige Stunden oder Minuten über Leben und Tod beliebiger Menschen zu entscheiden, bescherte ihnen das äußerste Hochgefühl. Einer der letzten Einträge im Tagebuch von Dylan Klebold heißt: "have fun!"
SPIEGEL: Und wie verhält es sich mit islamistischen Selbstmordattentätern?
Schneider: Anders als die Loughners und die Schoolshooter, die die Unausweichlichkeit ihrer Tat aus ihrem paranoischen Denken heraus erarbeiten, erhalten diese radikal Gläubigen ihren Tatentschluss von dritter Seite. Sie leben in einer kollektiven paranoischen Überzeugung, dass nichts ohne Gottes Wille geschehe. Sie handeln außerdem aus einem erkennbaren Grund. Für unsere Welt war ihr Auftreten am 11. September 2001 ein Extremfall von Kontingenz: unvorhersehbar, schrecklich, zunächst einfach nicht zu verstehen. Politisch steckte dahinter der Wille, unserem System eine Lehrstunde der Ungewissheit zu erteilen. Die kann man aber eigentlich nicht besiegen. Es ist der Versuch, bei uns paranoides Denken zu befördern. Ihr Handeln aber hat einen Grund, den wir inzwischen nachvollziehen können. Es ist keine paranoide Einzeltat mehr, und das hat einen Vorteil.
SPIEGEL: Welchen?
Schneider: Von den islamistischen Selbstmordattentätern haben wir inzwischen ein ziemlich genaues Bild, es gibt einen Phänotyp, an dem sich die Ermittler orientieren. Die Attentäter vom 11. September waren unvorhersehbar, aber ihre möglichen Nachfolger, zehn Jahre später, sind es nicht mehr. Wir wissen genug über Männer dieses Schlags, um prophylaktisch agieren zu können.
SPIEGEL: Herr Schneider, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Gespräch führten die Redakteure Philipp Oehmke und Elke Schmitter.
Von Philipp Oehmke und Elke Schmitter

DER SPIEGEL 3/2011
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