21.02.2011

Automatischer Schnitt

Finanzexperten kritisieren die bisherigen Euro-Rettungsbemühungen.
Harsche Kritik an den Plänen der EU zur Rettung des Euro äußert der europäische Sachverständigenrat EEAG, eine Gruppe internationaler Ökonomen rund um den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn.
Bei einer Staatspleite reiche es nicht, Gläubiger nur im Einzelfall oder gar nur mit deren Zustimmung an den Sanierungskosten zu beteiligen, wie von der EU bislang vorgesehen. Notwendig sei vielmehr ein "automatischer Forderungsverzicht auf den Nominalwert einer Staatsanleihe", schreiben die Wissenschaftler in einem Gutachten, das sie diese Woche vorstellen wollen. Der im Fachjargon Haircut genannte Abschlag solle mindestens 20, höchstens 50 Prozent betragen, schlagen die Experten vor. Eine derartige Obergrenze für Verluste helfe, eine "Panik zu verhindern, die auftreten kann, wenn mit dem Totalverlust" zu rechnen sei.
Eine Selbstbeteiligung der Geldgeber sei indes "absolut notwendig, damit sichergestellt ist, dass sie Vorsicht walten lassen, wenn sie ihr Geld verleihen, und auch entsprechend Zinsaufschläge verlangen", heißt es in der Expertise weiter.
Die Überlegungen sehen zudem vor, Hilfszahlungen zu deckeln. Der geplante dauerhafte Rettungsmechanismus soll an klamme Staaten nur Liquiditätshilfen und Garantien von höchstens 30 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts vergeben dürfen. Nur so sei zu verhindern, dass die Geberländer selbst in Finanznot geraten.
Die Forscher plädieren auch dafür, dass ein gefährdetes Land per Mehrheitsbeschluss der Mitgliedstaaten aufgefordert werden kann, die Währungsunion zu verlassen. Auch ein "freiwilliger Austritt muss jederzeit möglich sein", regen sie an.
Den Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank lehnt der Expertenrat kategorisch ab. Diese Maßnahme solle den Notenbankern nur erlaubt sein, um eine Deflation, also dauerhaft sinkende Preise, abzuwehren.

DER SPIEGEL 8/2011
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