21.03.2011

MILIEUSDie grüne Hölle

Im Französischen Viertel in Tübingen sind die Grünen die stärkste Volkspartei. Seine Bewohner haben sich in gediegenem Luxus eingerichtet. Der Widerstand gegen Atomkraft war hier fast schon vergessen. Von Markus Feldenkirchen
Herrlich", sagt der Bürgermeister, er stemmt die Hände in die Hüften, "immer wieder herrlich." Boris Palmer steht auf seiner Dachterrasse, hoch über dem Französischen Viertel, einer Siedlung im Süden Tübingens, er genießt einige Atemzüge lang den Ausblick, dann sagt er: "Immer wieder schön."
Unter ihm liegt eines der grünsten Viertel Deutschlands. Nirgendwo sonst erhält Palmers Partei bessere Wahlergebnisse als in diesem Biotop unter seiner Terrasse. Es hat bunte Häuser von wettbewerbsgekrönten Architekten. Es hat riesige Glasfronten mit Wohnzimmern dahinter, die bei Designmessen mitmachen könnten. Es hat Innenhöfe, die aussehen wie gebührenpflichtige Abenteuerspielplätze. "Ein kleines Paradies", sagt Palmer.
Seit ein paar Tagen hängen gelbe Stofflappen aus den Fenstern des Paradieses, sie tragen die Aufschrift "Atomkraft? Nein danke". Die Betreiber des Bioladens "Rote Rübe" haben nach den Bildern aus Japan ein riesiges Transparent über ihrer Ladentür befestigt, "Atomkraftwerke abschalten".
In der hochwertigen Aufgeräumtheit des Viertels wirken diese Plakate, als wären sie über Nacht von Eindringlingen angebracht worden. Wenig hing hier an den Wänden, bevor in Fukushima die atomare Katastrophe geschah. Nichts erinnerte in diesem alternativen Dorado an jenes Thema, mit dem die Grünen vor drei Jahrzehnten zu einer politischen Kraft wurden. Es ging hier lange Zeit mehr um die Sicherheit von Bugaboo-Kinderwagen als um die Sicherheit von Neckarwestheim 1. "Das Thema Atom hatte zuletzt an Bedeutung verloren", sagt Palmer.
Palmers Arm kreist über das Gelände wie ein Taktstock. "Schauen Sie, da eine Solaranlage", sein Finger sticht in Richtung eines Daches. "Und da noch eine. Und noch eine." Für die Häuser seien natürliche Baustoffe verwendet worden, erklärt er. "Wir stehen hier übrigens auf einem Passivhaus", was bedeutet, dass es ohne Öl auskommt. "Jetzt zum Verkehrskonzept." Er zeigt auf die Parkplätze für die Stadtteilautos, dann auf das Parkhaus am Rande des Viertels. "Die Idee ist, dass das Auto im Stadtbild keine Rolle spielt."
Was Palmer da vorführt, ist das grüne Modell einer besseren Welt. Nach dem Abzug der französischen Armee im Jahr 1991 schuf der Stadtplaner Andreas Feldtkeller auf dem Boden einer Kaserne seine Vision von sozialem, ökologischem Leben, eine grüne Insel in einem Meer von Bundesstraßen. Da unten, sagt Palmer, hätten sich viele den Traum von einem anderen Leben erfüllt.
Boris Palmer wurde vor vier Jahren zum ersten grünen Oberbürgermeister Tübingens gewählt. Seine Partei ist hier nicht nur Volkspartei, sondern Massenpartei. Bei der Wahl kam er im Französischen Viertel auf fast 70, der Kandidat mit CDU-Parteibuch auf 0,7 Prozent. Nun, da die Atomkraft zum wichtigsten Thema der Landtagswahl in Baden-Württemberg am kommenden Sonntag geworden ist, könnten die Grünen erstmals die 80-Prozent-Hürde nehmen.
Deutschlandweit steigt die Partei seit einiger Zeit bei Meinungsumfragen in ungekannte Höhen auf. Von den neuen Bürgerlichen ist die Rede, einer neuen Klientel. Bislang jedoch ist unklar geblieben, wofür dieses Milieu tatsächlich steht, und vielleicht findet man die Antwort darauf am besten in diesem Viertel zu Palmers Füßen, wo die Menschen zwar auch bestürzt sind über die Ereignisse in Japan, aber wo die Wut nicht ausreicht, um an einer der vielen Demonstrationen teilzunehmen. Wie leben die modernen grünen Wähler, wie essen, arbeiten, wohnen sie gern? Was ist ihnen wichtig im Leben?
Als Syra und Ansgar Thiel hier das erste Mal durch die Straßen liefen, glaubten auch sie, sich ins Paradies verirrt zu haben. Oder wenigstens in die Toskana.
Die Einwohner saßen im Café, auf ihrem Balkon, lasen Zeitung, tranken Kaffee, Kinder spielten auf Straßen und Innenhöfen, das Leben fühlte sich italienisch an. "Das wollen wir auch haben", sagte Syra Thiel zu ihrem Mann.
Sie schlossen sich einer der vielen Baugemeinschaften im Viertel an, elf Parteien, die ihr Glück gemeinsam planten. Volldemokratisch. Sie diskutierten alles, von der Beschaffenheit der Waschbecken bis zur Heckenbepflanzung im Innenhof. Am Ende stand ein gläserner Tempel an der Hauptstraße des Viertels.
Es ist halb acht, die drei Kinder sind im Bett, jetzt macht Ansgar Thiel erst mal einen Espresso mit anständiger Crema. Er ist Direktor des Instituts für Sportwissenschaften, seine Frau arbeitet halbtags als PR-Beraterin. Sie sitzen an einem langen, schneeweißen Küchentisch, darauf eine einsame Schale, auf der Obststücke kunstvoll zu einem Stillleben arrangiert sind.
Alle Probleme habe man in der Baugemeinschaft friedlich lösen können, sagt Thiel, selbst das Fußballspielen im Innenhof. "Obwohl da die Fronten ganz schön verhärtet waren." Er verschränkt die Finger ineinander, um die Verhärtung zu verdeutlichen. Die einen freuten sich über das Gekicke, andere fühlten sich belästigt. Nach vielen Sitzungen, unter der Aufsicht einer professionellen Supervisorin, stand am Ende ein Kompromiss. Man einigte sich auf ein Fußballverbot zur Mittagszeit und eine Eingrenzung der Spielfläche durch neu zu pflanzende Hecken. Zudem wurde vereinbart, dass nur noch mit Softbällen gespielt werden dürfe und nicht mehr mit Lederbällen, die laut sind und gefährlich.
Vor kurzem haben die Thiels ihre alte Baugemeinschaft verlassen, weil es nach der Geburt des dritten Kindes zu eng wurde. Nun wohnen sie ein paar Straßen weiter. "Das dritte Kind hatte viel mit der Gegend hier zu tun", sagt Syra Thiel. "Das Milieu inspiriert einfach." Allein rund um den Innenhof der Thiels wohnten 66 Kinder. Hebammenpraxen bieten Kurse in "Pränatalem Singen" und "Orientalischem Tanz" an. "Im Tanz wird dein Kind liebevoll geschaukelt und sanft massiert", so wirbt der örtliche Hebammenservice "Kugelhupf".
So richtig grün, also im klassischen Sinne, seien sie ja gar nicht, sagt Syra Thiel. Selbst bei der Atomkraft sei sie nie ganz sicher, ob sie dafür oder dagegen sein soll, selbst heute nicht, da der GAU in Japan gezeigt hat, was diese Technologie mit der Erde anrichten kann. Das mit dem Ökologischen spiele eine Rolle, für sie sei aber am wichtigsten, dass es die Kinder gut haben. Nach der Geburt des letzten Sohnes habe sie das Viertel lange nicht verlassen.
Der grüne Horizont mag in guten Momenten bis nach Japan oder Bangladesch reichen, oft aber endet er am Sandkasten der eigenen Kinder. Das gesellschaftliche Engagement vieler Familien im Französischen Viertel beschränkt sich auf den Kauf einer Flasche K21-Bioapfelsaft im Bioladen "Rote Rübe". Auf dem Etikett der Saftflasche prangen das Stuttgart-21-Protest-Emblem und der Hinweis "21 Cent an den Widerstand".
Der Grünen-Wähler von heute sei am leichtesten über seine Lebenswelt zu beschreiben, sagt Bürgermeister Palmer oben auf seiner Dachterrasse. Man lege, erstens, großen Wert auf Kinderbetreuung und Schule. Sein Daumen klappt aus. Dann auf Kultur, Offenheit und Toleranz. Zeigefinger. Auf Biolebensmittel. Mittelfinger. Man fahre lieber Fahrrad als Auto. Ringfinger. Und sei trotz seines ökologischen Bewusstseins ein großer Freund von Fernreisen. Kleiner Finger. "Da geht es gern mal auf die Malediven."
Seine erste Begegnung mit der Atomkraft hatte Palmer, als er 14 Jahre alt war. Der Reaktor in Tschernobyl war gerade explodiert, seine Lehrerin gab ihm auf, ein Referat über den Reaktorunfall vorzubereiten. Aus Palmer ist später kein Aktivist mehr geworden, er ist nie freiwillig auf die Straße gegangen. "Dieses Rumdemonstrieren war nicht so mein Ding", sagt er. "War mir zu laut und zu wild. Vermutlich bin ich dafür zu bürgerlich." Als Palmer am Montagabend an einer Mahnwache gegen Atomkraft in der Tübinger Innenstadt teilnehmen muss, steht er mit hochgeschlagenem Mantelkragen am Rand und wirkt wie ein Unternehmensberater, der sich auf die falsche Veranstaltung verirrt hat. Aus dem Französischen Viertel sind nicht mal eine Handvoll Leute gekommen.
Vier Stockwerke unter Palmers Dachterrasse steht Susanne Tromposch in dunkelgrauen Puschen in ihrem Flur, sagt "Achtung, jetzt", dann drückt sie den Lichtschalter. Am Ende des langen weißen Flures erglimmt eine minimalistische Lichtröhre. Tromposch lächelt. Sie sagt, dass das Lichtkonzept ihrer Wohnung auf Dan Flavin zurückgehe, den berühmten amerikanischen Lichtkünstler.
Susanne Tromposch geht hinüber ins Wohnzimmer, wo sie die Arme ausbreitet wie Karl-Theodor zu Guttenberg am Times Square. "Ich habe mir hier einen Traum erfüllt: einen Loft!" Sie zeigt auf die Gemälde an den weißen Wänden. "Die ganze Wohnung ist um meine Kunst herum gestaltet."
Sie erklärt, dass ihre Küche ganz bewusst weder eine Dunstabzugshaube noch Hängeschränke habe und dass der Loft in Grau, Weiß und Beige gestaltet sei, auch ganz bewusst. "Grau, Weiß und Beige, das zieht sich als Konzept durch mein Leben." Es ist nicht ganz klar, was das zu bedeuten hat, aber Frau Tromposch steht bereits in ihrem Badezimmer und streicht über das Waschbecken von Philippe Starck. "Bei Dingen, die mir wichtig waren, habe ich nicht gespart." Dann macht sie auf das Loch in der gläsernen Schiebetür aufmerksam, das als Griff dient. "Merken Sie was?" Sie zögert den Moment hinaus, dann löst sie das Rätsel. "Exakt die Größe einer Espressotasse." Tromposch, eine Frau um die fünfzig, ist elegant gekleidet, ganz in Schwarz, sie trägt eine goldene Kette, Ohrstecker und kurze Haare. Sie arbeitet als Lehrerin an einer Schule außerhalb Tübingens und wählt seit Jahren die Grünen. "Also ich merke immer wieder: Die Wohnung ist in sich stimmig."
Die Grenzen zwischen neuem Design und Biedermeier sind bisweilen fließend. Der moderne grüne Alltag ist ein Triumph der Ästhetik und der Behaglichkeit, er findet vorzugsweise in hochwertigen Filzpantoffeln und mit Türgriffen in der Größe einer Espressotasse statt. Und montags ist dann Frauensauna.
An das Französische Viertel grenzen zwei Siedlungen, deren Wohnblöcke weniger feinfühlig in die Landschaft gestellt wurden. Auf den Klingelschildern stehen Namen wie Abdulsalam, Bolschow, Kaltsidis oder Al-Samir, Russen, Araber und ein paar ärmere Deutsche. Es liegt nur eine sechs Meter breite Straße zwischen den Siedlungen und dem Viertel, doch sie ist die Grenze zwischen zwei Welten. Ein Austausch findet nicht statt, im Viertel bleibt man gern unter sich und erzählt diesen Witz: "Der einzige Arbeiter, der in diesem Viertel je gesehen wurde, ist der Sozialarbeiter." Es soll selbstironisch klingen, ist am Ende aber die Wahrheit.
"Dann bitte mal die Schuhe ausziehen", sagt Cornelia Waschkies und öffnet die Tür zu ihrem Behandlungszimmer. Sie leitet das "Zentrum Impuls" mitten im Französischen Viertel. Drüben, im großen Seminarraum, bieten Waschkies und Kollegen eine Reihe von Kursen an. Neben den Klassikern wie Yoga, Feldenkrais, Qigong oder Tantrisch-Schamanischen Erlebnis-Spielräumen kann man hier auch Klangschalenmassagen und Ursprungsseminare buchen - oder einfach mal beim Verbundatmen reinschnuppern.
Waschkies trägt ein rotes Wollkleid und braune Strumpfhose. Umgeben wird sie von mintgrünen Wänden und weißen Vorhängen. Auf dem Tischlein brennt eine Kerze, daneben steht ein Kleenex-Spender mit aufgedruckter Buddha-Figur.
Sie erklärt erst mal das Rebirthing. Es geht darum, wie ein Säugling zu atmen. "Wie zu jener Zeit also, als der Körper noch in Ordnung war. Es ist ein verblüffend wirksames und einfaches Mittel, sich selbst bis in die Tiefen der eigenen Seele kennenzulernen." Es geht im Französischen Viertel häufig um das Ich.
Waschkies lebt gleich ums Eck, in der ersten Baugemeinschaft des Französischen Viertels. Für ihr "Zentrum Impuls" ist das hier ein ideales Publikum. Das Viertel, sagt sie, habe etwas Experimentierfreudiges, etwas angenehm Unkonventionelles. Die Leute seien sehr offen für "neue Strömungen".
Wer sich ein paar Tage aufhält in diesem Mekka des besseren Menschen, vergisst irgendwann all die Begriffe, die einmal grün waren. Es geht dann nicht mehr um eine gerechte Welt, sondern um ein bequemes Leben, nicht um Frieden in der Welt, sondern um den Frieden in der eigenen Seele, allenfalls noch um den Frieden auf den Innenhöfen.
Wenn es Mittag wird, versammeln sich die Bewohner des Viertels bei Bruno im "Latour". Sie sitzen an großen Tischen, jeder, wie er gerade kommt, wie im Kennenlern-Urlaub. Heute gibt es Ökosalat, Kalbsfilet in Weißweinsauce und Knöpfle. In den Gesprächen geht es auch um Japan, aber nicht nur. Der geplante Bau einer neuen Lärmschutzwand ist ebenfalls Thema.
Im Vorraum seiner Küche steht Bruno, karierte Kochhose, besudeltes T-Shirt, und steckt sich vor dem nächsten Kalbsfilet ein schnelles Zigarettchen an. Bruno, ein Italiener, kocht seit 13 Jahren für das Viertel, er weiß, wie seine Gäste ticken, lebt mitten unter ihnen, wählt wie sie die Grünen. Aber er hat sich seine ganz eigene Sicht auf die Dinge bewahrt.
"Kennen Sie den Begriff Öko-Spießer?", fragt er vorsichtig. Seit er im Viertel lebe, wisse er, was damit gemeint sei. "Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Bus", sagt Bruno, er zeigt nach draußen, wo hin und wieder ein Bus über die Hauptstraße rollt. "Jetzt haben einige doch glatt einen Antrag bei der Stadt gestellt, dass der Bus außen rum fahren soll, vorbei an den Siedlungen, weil, ist ja klar: Da drüben wohnen die Kanaken." Er drückt seine Zigarette aus und huscht kurz in die Küche.
"Dann die Sache mit den Konzerten", sagt Bruno, zurück aus der Küche. Früher habe er draußen vor dem Café Open-Air-Jazzkonzerte veranstaltet. Fast jeden Abend kam die Polizei vorbei, gerufen von den Nachbarn. "Hab ich keinen Nerv mehr drauf", sagt Bruno. Der Betreiber des Theatersaals habe die gleichen Erfahrungen gemacht. Nach langem Rechtsstreit dürfe er jetzt nur noch an gewissen Tagen im Monat Theater machen. Und um 22 Uhr muss der Vorhang fallen.
Für ein Viertel, das sich selbst für alternativ, kreativ und tolerant hält, ist das immerhin bemerkenswert. Vermutlich gibt es kein zweites Milieu, in dem Selbstwahrnehmung und Außenansicht weiter auseinanderklaffen als bei den Sympathisanten der Grünen.
"Bruno, hasch no' a bisserl Sauce?", ruft jemand von den Tischen. "Ja, das schmeckt heute wieder", ruft der Koch zurück. Dann verzieht er sich in seinen Vorraum, für die nächste Zigarette. "Und das Rauchen, das ist natürlich völlig verpönt." Manchmal lässt Bruno seine Mannschaft zu später Stunde im Schankraum rauchen. Selbst am nächsten Morgen würden manche Gäste noch theatralisch mit der Hand wedeln, dann hört Bruno Sätze wie: "Puhh, hier riecht's aber verraucht." Vor einem der Häuser im Viertel steht eine Bank mit einem Warnhinweis: "Nichtraucherbank".
Dieter Thomas Kuhn ist mit dem schwarzen Rad der Marke Birdy zum Mittagessen gekommen. Für ihn ist das Birdy ideal - es lässt sich zusammenfalten und passt sogar auf die Rückbank seines Porsche 911, Baujahr 1988.
Kuhn hat in den neunziger Jahren in bunten Anzügen den deutschen Schlager wiederbelebt, man nannte ihn "die singende Föhnwelle". An diesem sonnigen Montagmorgen aber wirkt der Stimmungssänger bedrückt. Das Wochenende über hat er das Geschehen in Japan im Fernsehen verfolgt. "Das haut mich gerade emotional dermaßen weg", sagt Kuhn. Er habe ernsthaft überlegt, an dieser Menschenkette teilzunehmen.
Kuhn war der Erste im Französischen Viertel. Als die Franzosen das Gebiet zurückgelassen hatten, gründete er dort mit ein paar Musikern eine wilde WG. Er erzählt von heißen Partys und illegalen Kneipen, man habe es krachen lassen. Früher ging er auch gegen die Atomgefahr auf die Straße.
Heute wohnt er mit Freundin und Tochter in einer schicken Eigentumswohnung mitten im Viertel. Von früher sind nur zwei Ohrringe, die langen Haare und seine Vorliebe für gelbe Cowboystiefel geblieben. Kuhns Biografie ist symptomatisch für das Viertel, in ihr spiegelt sich die Entwicklung eines ganzen Milieus.
Das Wilde, Radikale des Anfangs ist einer gewissen Sattheit gewichen, einer lähmenden Selbstzufriedenheit. "Vielleicht", sagt Kuhn, "haben wir es uns all die Jahre viel zu gemütlich gemacht in unseren gutisolierten Häusern."
Grün zu wählen habe ja allgemein als hip und schick gegolten, auch er habe sich in dieser Pose gefallen. Japan habe ihm klargemacht, dass das zu wenig sei. Echtes Grünsein bedeute eben nicht, alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen und ordentlich den Müll zu trennen. Man müsse, sagt Kuhn, wieder konsequenter werden, radikaler, zumindest aktiver und engagierter. Man müsse handeln.
Er denkt einen Moment nach. Vielleicht, sagt er dann, werde er erst mal seinen Porsche verkaufen.
Von Markus Feldenkirchen

DER SPIEGEL 12/2011
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