Jürgen Gosch, 69, Fischhändler mit Prominentenstatus, löste einen Inselzwist zwischen Sylt und Rügen aus. Der von seinen Kunden als "Sylter Fisch-Papst" verehrte Gastronom mit deutschlandweit zahlreichen Filialen hatte vorigen Sommer direkt an der Seebrücke in Binz auf Rügen ein Lokal eröffnet. Seitdem stehen auf der Ostsee-Insel die Zeichen auf Sturm. Vertreter des örtlichen Hotel- und Gaststättengewerbes ärgert vor allem das einen Quadratmeter große Gosch-Firmenlogo mit Namenszug und stilisiertem Hummer. Seit Anfang März kursieren nun auf Rügen anonyme Anti-Gosch-Aufkleber. Aufschrift: "Rügen scheißt auf Sylt". Rügens Landrätin Kerstin Kassner (Linke) findet die Parole unglücklich: "Man hätte doch einen netten, niveauvollen Spruch wählen können." In Leserbriefen an die lokale "Ostsee-Zeitung" ist von einem "Eigentor" und "bornierter und unwürdiger Sylt-Hetze" die Rede. Gastwirt Gosch selbst will sich "von so einem Spruch unter der Gürtellinie" nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Der gelernte Maurer erwägt, eine sechs mal acht Meter große Werbefläche auf einem Binzer Leuchtturm anzumieten. Gäste, die Rügen auf dem Seeweg erreichen, sollen einen besonderen Willkommensgruß erhalten: "Ich bin'z, Gosch!"
DER SPIEGEL 12/2011
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