18.05.1998

GESTORBENRichard Jaeger

85. Wäre der weiß-blaue Jurist länger als ein Jahr Bundesjustizminister geblieben, dann gäbe es in Deutschland womöglich keine obligatorische Zivilehe, keine Scheidung, keine Pornographie - dafür aber die Todesstrafe. "Kopf ab"-Jaeger, stets mürrisch und aggressiv, kämpfte schon 1945 gegen ein Reich "bismarckscher Prägung" und stimmte auch 1972 als einziger seiner Fraktion gegen die Ostverträge. Als er sich vier Jahre später auch noch gegen den von Parteichef Strauß eingefädelten "Kreuther Beschluß" zur Loslösung von der CDU auflehnte, war seine langjährige Karriere als CSU-Bundestagsvizepräsident beendet. "Nur ein Bayer", so postulierte der (in Berlin geborene) bärbeißige Moralist, habe ein "Recht, dauernd in Bayern zu leben". Richard Jaeger starb vergangenen Donnerstag in München.

DER SPIEGEL 21/1998
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