28.03.2011

BriefeSchlichtweg schäbig

Nr. 12/2011, Titel: Fukushima - was wirklich geschah
Mich beschleicht ein sehr ungutes Gefühl, wenn jemand wie Herr Söder oder Herr Mappus nach einer unglücklichen Verkettung von Umständen davon redet, dass er die Atomkraft jetzt mit anderen Augen sehe. Was haben diese und auch andere Politiker denn vorher unter dem hübschen Euphemismus des Restrisikos verstanden? Spätestens seit Tschernobyl dürfte ja wohl klar sein, was zu erwarten wäre!
Mühlheim a. M. (Hessen),
Georg Weissmann
Anstatt die vielen Opfer der Katastrophe zu betrauern und das unvorstellbare Leid dieser Menschen in den Fokus zu rücken, werden die Tragödie und der vermeintliche GAU in Fukushima ausschließlich dazu missbraucht, subtil vorhandene Ängste und Hysterie zu schüren und dies als willkommenes Wahlkampfthema zu nutzen.
Erfurt,
David Kiefer
Im April 1986 war es fünf vor zwölf - 25 Jahre danach ist es wohl schon fünf Minuten zu spät.
Düsseldorf,
Hanns-Josef Bolten
Dr. Merkel, treten Sie zurück! Sie haben aus niederem Beweggrund durch die Laufzeitverlängerung die Gefährdung der Volksgesundheit billigend in Kauf genommen. Ihr momentanes Korrekturrudern ist schlichtweg schäbig.
Beelen (Nrdrh.-Westf.),
Thomas Kemper
Ihr Bericht ist bruchstückhaft und unplausibel. Stattdessen gibt es reichlich Weltuntergangspathos und Agitationsprosa.
Liederbach (Hessen),
Jörg Hammacher
Zwei technisch unterschiedliche und regional getrennte Stromnetzwerke, unglaubliche Schlamperei bei der Wartung, enorme Erdbebengefahr und zu nahe am Wasser gebaut trotz Tsunami-Risiko. Deshalb sollen in Deutschland AKW abgeschaltet werden? Der Deutsche selbst ist zu nahe am Wasser gebaut und neigt zur Panik. Da ist mir "Reisei", die tugendhafte japanische Abgeklärtheit, lieber.
Berlin Alan Benson
Die nationalen und internationalen Kontrollinstanzen haben eine viel zu schwache Position angesichts der vielen AKW, die weltweit noch gebaut werden sollen. Auch Tepco hatte eine solche Machtstellung, wenn es bestimmen konnte, welche Sicherheitsmaßnahmen ausreichend sind.
Bielefeld,
Dr. Carl-Roland Rabl
Eine Frage an die Spin Doctors der Atom-lobby: Kann es sein, dass all die langhaarigen, bärtigen, Pullover strickenden, Fahrrad fahrenden, berufsdemonstrierenden, arbeitsscheuen, Pflasterstein werfenden Hausbesetzer all die Jahrzehnte vielleicht doch ein kleines bisschen recht hatten?
Detmold,
Wolfgang Quakernack
Wie und wo verbuddeln, versenken, verkaufen andere Länder seit Jahrzehnten ihren strahlenden Atommüll? Während wir alle moralischen, ethischen, religiösen Aspekte zur Legalität von Gentechnik, pränataler Implantationsdiagnostik und Indikationen zum Schwangerschaftsabbruch hochrangig diskutieren, nehmen wir gleichzeitig billigend in Kauf, dass durch jeden AKW-GAU in großen Regionen unserer kleinen Erde alles Erbgut von Mensch, Tier, Pflanze unvorhersehbar verändert wird.
Bonn,
Gisela Lange

DER SPIEGEL 13/2011
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