12.01.1998

Reise- Ziel Sirius

Die Hamburger Psychologin Heide Fittkau-Garthe und ihre Jünger auf Teneriffa planten offenbar einen Massenselbstmord zur Jahrtausendwende. Ufos sollten die Erwählten nach dem Tod auf dem Planeten Sirius bringen - ins ewige Leben.
La Salud, zu deutsch die Gesundheit, am Rande von Santa Cruz, gehört nicht zu den besseren Vierteln der Hauptstadt von Teneriffa. An den Fassaden blättert die Farbe, Halbwüchsige lungern um ihre Motorroller herum. Auf den ersten Blick ist dies kein Ort für Esoteriker.
Das weiße Haus in der Calle Enrique de Anaga hebt sich von den anderen an dem kleinen Platz mit den Platanen ab. An Balkonen und blaulackierten Fenstern blühen Geranien, auf dem Dachgarten wehen bunte Girlanden. An der Haustür prangt in geschwungenen Lettern "Dra Heide". Das heißt Doktor Heide, und darunter steht der Nachname: Fittkau-Garthe.
Für die Nachbarn waren die Deutschen in dem Haus Menschen aus einer anderen Welt. Mal tanzten sie in weißen Tunikas im Regen vor dem Haus, mal drehten sie die Musik so laut auf, daß die Nachbarn keinen Schlaf fanden. Vor kurzem verblüffte die Anwohner ein langmähniger, blondgelockter Späthippie mit einer eigenwilligen Aktion: Er rückte mit einem Rieseneimer weißer Farbe an und übertünchte die schmuddeligen Graffiti an den grauen Mauern und Häuserwänden ringsum. Der ganze Platz bekam eine neue, reinliche Atmosphäre.
Am Silvesterabend rollten die Deutschen gar einen roten Teppich bis auf die Straße und feierten die ganze Nacht auf der Dachterrasse. Immer wieder lief der Sommerhit: "Macarena".
Die seltsamen Germanen waren freundlich, nur manchmal beschwerten sie sich über den Bratküchengeruch der Nachbarn, der ihnen den Atem raube. Um so verwunderter waren die Nachbarn, als sie in letzter Zeit immer häufiger Personen um das Haus schleichen sahen, die nicht nach La Salud gehörten: Polizisten in Uniform oder Zivil.
Am Mittwoch vergangener Woche schien die Stimmung gelöst. Die Kinder spielten auf dem Dach, aus den Fenstern klang Musik. Abends kamen neue Besucher: ein kleines Mädchen, das aussah wie Pippi Langstrumpf, die junge Frau mit einem Zopf, der bis zu den Kniekehlen reichte, und auch ein Mann, der sich eine Margerite auf den Nacken hatte tätowieren lassen.
Etwa zeitgleich klingelte in der Nachbarschaft, in der Ruiz de Padron, in einer anderen Wohnung von Heide Fittkau-Garthe das Telefon mit der Rufnummer 24 79 70. Hier führt die Hamburger Psychologin seit einigen Jahren ihr "Trainingszentrum zur Freisetzung der Atmaenergie".
Der Nürnberger Unternehmensberater Karl G. Breit, der im vergangenen Jahr auf die Kanaren übersiedelte und zu den engsten Gefolgsleuten Fittkau-Garthes zählt, nahm den Hörer ab. "Du hast Glück, daß du mich noch erreichst", beschied er die Anruferin, die früher im Trainingszentrum Kurse belegt hatte, und lieferte mit euphorischer Stimme auch gleich die Erklärung: "Wir befinden uns in der Hölle, aber bald werden wir im Himmel sein."
Den Weg ins Paradies verstellte die Polizei. In der Nacht quietschten vor dem Haus in der Enrique de Anaga Reifen, aus Dutzenden Autos sprangen Polizisten und stürmten in Sekunden das Haus. Um 1.30 Uhr war die Polizeiaktion beendet.
Mit dem Großeinsatz, bei dem 14 Frauen, 13 Männer und 5 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren vorübergehend in Obhut genommen wurden, habe sie, so die spanische Polizei, einen Massenselbstmord verhindert. Die Deutschen hätten sich noch in der Nacht auf dem höchsten Berg der Insel, dem 3716 Meter hohen Teide, mit Gift das Leben nehmen wollen. Die Sekte sei eine Absplitterung vom "Holistischen Zentrum Isis", benannt nach der ägyptischen Mond-Göttin. Die 56jährige Chefin habe die Mitglieder glauben gemacht, daß ein Raumschiff auf dem schneebedeckten Gipfel landen und alle nach dem Tod in eine andere Welt bringen werde.
Auch das Ziel der Reise war bekannt - der 8,7 Lichtjahre entfernte Sirius. Der 1,7 Sonnenradien große Planet gehört zum Sternbild "Großer Hund".
Vor der Haustür, so die Erkenntnisse der örtlichen Polizei, hätten schon die Autos bereitgestanden, mit denen die Sektenmitglieder in die Berge fahren wollten. In der Wohnung seien zudem Fläschchen mit giftigen Substanzen gefunden worden - auf dem Etikett habe "Diätprodukte auf Kräuterbasis" gestanden. Das deckte sich mit den Informationen, die aus Deutschland kamen.
Am vergangenen Montag war ein Kaufmann aus Neuss im 11. Kriminalkommissariat des Düsseldorfer Polizeipräsidiums erschienen und hatte erklärt, er habe Hinweise darauf, daß sich seine Schwester, Margot R., 55, am 8. Januar auf Teneriffa mit anderen Sektenmitgliedern umbringen wolle. Sein Wissen habe er von seiner Nichte Monika, die zusammen mit ihrer Mutter in Puerto de la Cruz gewesen, aber aus Angst vor der Sekte nach Tübingen zurückgekehrt sei.
In München steht am Klingelbord des Hauses Bonner Platz noch das Namensschild der Margot R. - doch die Zweizimmerwohnung mit Balkon ist leer.
Als der Vermieter die Räume betrat, fand er die Schlüssel säuberlich auf einem Glastisch aufgereiht und dazu einen Zettel mit dem Namen und der Telefonnummer von Heide Fittkau-Garthe auf Teneriffa.
Ihre feinen weißen Sofas hatte die frühere Therapeutin am Universitätsklinikum Rechts der Isar der Nachfolgerin überlassen, auch den schweren Garderobenständer aus Messing und die Tischlampe, deren weißes Schirmdach von einem Buddha getragen wird.
Apocalypse now, diesmal als deutscher Abflug aus dem Jammertal? Die meisten Experten mochten sofort glauben, daß der sanfte Wahn der Esoterik, der das Land erfaßt hat, zur Götterdämmerung auf Teneriffa geführt hat - gilt doch die Insel ebenso wie Lanzarote als warmer Hort für die geschundenen Seelen der sinnentleerten deutschen Ellbogengesellschaft.
Es gibt viele Parallelen zu jenen Katastrophen, in die Gurus ihre allzu gläubigen Anhänger trieben. So starben
* 912 Anhänger der "Volkstempel"-Sekte im November 1978 im südamerikanischen Guayana, indem sie zyankaliversetzte Limonade tranken, nachdem ihnen ihr Führer Jim Jones zugerufen hatte: "Die Zeit ist gekommen, uns an einem anderen Ort wiederzutreffen";
* 85 "Davidianer" im April 1993 in Waco, Texas, als Polizei und Militär ihre Farm stürmten, die sie auf Befehl ihres Sektenführers David Koresh in Brand gesetzt hatten;
* 74 Mitglieder des "Sonnentempler-Ordens" seit 1994 durch Gift und Schüsse; allein 47 im Oktober 1994 in den schweizerischen Alpenorten Cheiry und Granges-sur-Salvan;
* 39 Mitglieder der "Heaven's Gate"-Sekte im März 1997 in San Diego. Sie wollten mit einem Ufo in eine andere Welt.
Ob mit den "rituellen Handlungen" auf dem Pico de la Teide auf Teneriffa tatsächlich ein kollektiver Selbstmord geplant war, bleibt so lange ungeklärt, wie die Giftfläschchen noch nicht endgültig im Labor analysiert sind. Zwar wurde die Sektenchefin Heide Fittkau-Garthe, die ihre Truppe "Weltuniversität" nennt, verhaftet, und auch ihre Sekretärin kam vergangenen Freitag in Polizeigewahrsam - aber beide bestreiten in polizeilichen Vernehmungen, einen Massenselbstmord geplant zu haben.
Auch einige der Sektenmitglieder wurden im Laufe des Freitags vernommen. Sie haben sich auf einer Fittkau-Finca außerhalb von Santa Cruz inmitten eines riesigen Gartens mit Palmen und Zitronenbäumen verschanzt. Sie sind frei, müssen aber den Beamten für Zeugenaussagen zur Verfügung stehen. Nach Ansicht der spanischen Polizei sind sie Opfer. Erste Hinweise auf einen möglichen Massen-Selbstmordversuch hatte es schon im Juni 1997 gegeben. "Vieles deutete darauf hin", sagt auch der Beauftragte für Sekten und Weltanschauungsfragen der Diözesen Bamberg und Eichstätt, Ludwig Lanzhammer, "daß Schlimmes bevorstand."
Auch ein unveröffentlichtes Manuskript von Fittkau-Garthe, Titel: "Mutter", belegt die Endzeitvisionen der Hamburger Psychotherapeutin. "Diese Vermählung mit Gott, als höchste Autorität, höchstem Geliebten, Partner und Gemahl, wird auf einmal zur vollkommenen Befreiung von jeglicher Spur von Begierde und Laster."
Auch einen Zeitpunkt für den großen Befreiungsschlag gibt Fittkau-Garthe an. "Die Wahrheit lehrt Gott am Ende. 55 Jahre sind Vorbereitung, dann beginnt der nächste Schritt." Die Autorin war 56 Jahre, als die spanische Polizei sie verhaftete.
Ein Karriereknick im Leben einer erfolgreichen Frau. Mitte der siebziger Jahre gehörte Heide Fittkau-Garthe in Hamburg zu den inneren Zirkeln der hanseatischen Gesellschaft. Schon damals bewohnte sie die weißgestrichene Stadtvilla an der Agnesstraße.
Das Ehepaar Bernd und Heide Fittkau galt als äußerst ehrgeizig, ein Traumpaar mit dem richtigen Freundeskreis. Er lehrte als Psychologieprofessor an der Universität Göttingen, sie war bereits mit 26 Jahren promoviert und offerierte als Psychologin "Managementtraining" für diverse Firmen. Ein "psychologisches Training" mit "hot seat"-Sitzungen, in denen schonunglos kritisiert wurde, galt damals als letzter Schrei in der persönlichen Selbstfindung. "Die Frau hatte unheimlich Power und war gnadenlos hart", berichtet ein Hamburger Bekannter.
Ganz hanseatisch absolvierte die beruflich engagierte Bürgertochter bei dem Traditionsetablissement "Bobby Reich" an der Außenalster die Prüfungen zum A- und BR-Segelschein. In der griechischen Ägäis erkundete sie zusammen mit Mann und Freunden den südlichen Sternenhimmel.
Dabei prahlte sie, so erzählt eine ehemalige Freundin, in ihre Seminare kämen die Bosse großer deutscher Konzerne, knieten vor ihr nieder und weinten. Wenn sich das Schluchzen der Manager dann gelegt hätte, sei sie oft gefragt worden: "Was ist passiert?" Das war "der Gottesbeweis", lautete die Standardantwort der Psychologin. Viele Freunde glaubten schon damals: "Die ist uns entschwebt."
Der endgültige Abgang in den Spiritismus erfolgte, nachdem ihr Mann mit einer jüngeren Frau zusammenzog. Nach ersten Indienreisen tauchte Heide Fittkau-Garthe auf den feinen Hamburger Partys in "immer bunteren Klamotten" und mit einem Karma-Mal auf der Stirn auf. Der Pfad der Erleuchtung war beschritten. Auch Sohn Jan Tajo, heute 20, wandte sich von ihr ab. Heide fand einen neuen Vater in "Baba", dem Gründer der weltweit operierenden Brahma-Kumaris(Töchter Brahmas)-Sekte.
"Die Baba-Sekte ist nicht harmlos", urteilt der Leiter des Referates für Religion und Weltanschauungsfragen der Diözese Augsburg, Hubert Kohle. Allerdings habe die hinduistisch inspirierte Wiedererweckungsbewegung mit den militanten "Sonnentemplern" und deren spektakulären Selbstmordaktionen nichts zu tun. Als "Guru-Bewegung" aus Indien und Pakistan seien insbesondere Frauen als "die Stimme Babas" ausgewählt, die Menschheit zu beglücken.
Eine davon ist Heide Fittkau-Garthe.
Bald verwandelte sich die Wohnung der Stadtvilla zu einem Meditationszentrum. Das braune Mobiliar stellte sie vors Haus zum Sperrmüll, weiße Möbel kamen rein. In Weiß gehüllte Menschen kamen zu den Sitzungen ins Haus, indische Sphärenklänge erfüllten die Räume. Sie selbst ging nur noch in weißen, fließenden Gewändern und färbte sich die Haare dunkelrot. Körner wurden ihre Alltagsnahrung.
Heide Fittkau leitete in diesen Jahren als Sektenführerin auch das Zentrum Brahma Kumaris. An der roten Backsteinvilla am Winterhuder Kai stand ihr Name am Klingelschild. Im Keller trafen sich die Glaubensjünger zur Meditation, oft schon frühmorgens um drei. "Der Gott kam dann um halb vier", weiß eine Nachbarin. Die Anhänger gaben nach Angaben von Beobachtern ihre Sparbücher ab, Frauen verkauften ihren Schmuck im Wert von mitunter mehreren hunderttausend Mark.
Die Hamburgerin geriet aber schon bald in Konflikt mit den eisernen Gesetzen Babas. Als sie das sekteneigene Zölibatsgelübde brach, kam es 1990 zum Bruch mit Brahma Kumaris.
Die Versuchung hieß Jens Oberdick, Mitte 30, Psychologe aus Hamburg und seitdem engster Vertrauter der Sektenchefin. "Das war der einzige Mann, von dem sie sich in Teneriffa etwas sagen ließ", berichtet eine Aussteigerin, "der hatte bei ihr Narrenfreiheit."
Heide Fittkau-Garthe baute sich nach Einschätzung von Sektenexperten von 1991 an ein eigenes Lehrgebäude auf. Darin vertreten waren diverse Elemente der Wiedererweckung, der Psychologie, des Spiritismus als auch der Karma-Astrologie. "Da ist so eine Art hanseatischer Brahmatismus entstanden", urteilt Sektenexperte Lanzhammer. Hinzu kamen Empfehlungen der Psychologin, mit "Energieströmen" und "Bewußtseinstraining" selbst Krebserkrankungen zu behandeln.
Schon 1991 warnte die Hamburger "Bildwoche" vor den "unseriösen" Methoden von Heide Fittkau.
Das hinderte diverse renommierte Unternehmen wie den Elektrokonzern ABB nicht, die Dienste des "Psychologischen Trainings-Zentrums" an der Alster oder die des Fittkau-Partners Breil, die Nürnberger "Praxis für Unternehmensentwicklung", in Anspruch zu nehmen.
So schulte sie noch im März 1993 fünf Tage lang "Führungskräfte im Personalbereich der ABB" in wahrer "Kooperation durch selbstsouveräne Führung" im Maritim Seehotel Timmendorfer Strand (siehe Kasten Seite 169).
Ein Umstand, der Hansjörg Hemminger, Mitglied der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" im Deutschen Bundestag, nur begrenzt wundert: Der Fall zeige "die erschreckende religiöse und weltanschauliche Hilflosigkeit unserer technischen und wirtschaftlichen Elite, ihre Unfähigkeit, selbst die kläglichsten Sinnangebote aus der Schrottecke der Ideengeschichte kritisch einzuschätzen".
Bereits von 1996 an bot das Psycho-Duo Fittkau/Breit auch auf Teneriffa Seminare zur "Aktivierung innerer Kräfte" an. Auf der "wunderschönen Insel", so ein Seminarangebot, befände sich "ein besonderes Zentrum der Energie auf diesem Planeten". Dabei sei eine Unterbringung in einer "einsam gelegenen Privat-Finca" möglich. Auch Möglichkeiten zum Golfen würden vermittelt.
Um die Voraussetzungen für den gediegenen Rahmen der Management-Seminare zu schaffen, soll Señora Fittkau allerdings auch rüde Mittel eingesetzt haben. So wurde das von ihrer Mutter, die einst wegen einer Rheuma-Erkrankung auf die Atlantikinsel kam, geerbte Haus in Santa Cruz für die Sekte entmietet. Spanische Familien seien, so eine ehemalige Mitarbeiterin, einfach rausgeworfen worden.
Um eine der nach "brahmanischen Regeln" eingerichteten Wohnung anzumieten, waren hanseatische Preise zu entrichten. 1600 Mark Monatsmiete kostet in der Ruiz de Padron ein Appartement.
Wer nicht spurte, bekam es mit der Chefin zu tun. Eine ehemalige Mitstreiterin, die für das erleuchtete Leben auf Teneriffa ihren Wohnsitz in Deutschland aufgegeben hatte, beschreibt den "ungeheuren Druck" auf die Mitglieder. "Da wurde mit Ängsten und Schuldzuweisungen richtig Psychoterror gemacht", sagt die Aussteigerin, "es ging ihr letztlich nur um Macht."
Das ist der Moment, von dem an die Menschen, die in solchen Sekten und Vereinigungen Nestwärme suchen, gefährlich leben - vor allem dann, wenn sich diese Gruppen nach außen hin abgeschottet haben und irgendein Paradies dem Jammertal Erde vorziehen.
Der Weg vom Kauf des ersten Ufo-Buches über die Aufgabe der eigenen Persönlichkeit bis hin zur Einwilligung in den kollektiven Selbstmord ist sicher lang. Doch selbst die Zeitschrift "Esotera", mit 40 000 verkauften Exemplaren monatlich das Zentralorgan des gemäßigten Esoterik-Flügels, warnt in regelmäßigen Abständen vor dem "Mißbrauch spiritueller Macht". Jeder habe "Verantwortung für die eigene Befindlichkeit", mahnt das Blatt und rät den Probanden, "einen spirituellen Lehrer aufmerksam zu beobachten", bevor sie sich entschließen, "sein Schüler oder seine Schülerin zu werden".
Dabei hatte alles so schön angefangen im Blumenmeer der sechziger Jahre: "Wenn der Mond im zweiten Haus steht und Jupiter mit Mars geht", hieß es optimistisch im Erfolgsmusical Hair, "werden Friede und Liebe auf der Erde regieren." Mit Frieden und Liebe ist es bislang nichts geworden, aber das Zeitalter des Wassermanns, von dem das Musical kündete, ist unübersehbar angebrochen: Es beschert allen westlichen Zivilisationen ein wirres Angebot aus Mystik, Alchimie, Erlösungsphantasien und magischem Budenzauber.
200 Jahre Aufklärung konnten es nicht verhindern: Jeder dritte Deutsche hält mittlerweile wieder die Zukunft für vorhersagbar, jeder siebte vertraut auf Magie und Hexerei. 50 Prozent der Deutschen bekennen sich dazu, an außerirdische Wesen zu glauben, jeder dritte immerhin hält Ufos für existent, zwei Drittel fürchten den schädlichen Einfluß von Erdstrahlen auf den Schlaf. Rund 20 Prozent sind überzeugt, mit dem Jenseits lasse sich Kontakt aufnehmen.
Ganz wild sind die Deutschen auf Astrologie: Jeder zweite glaubt an die Macht der Sterne. Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe schrieb 1798 in einem Brief an Schiller: "Der astrologische Aberglaube ruht auf dem dunkelen Gefühl eines ungeheuren Weltganzen ... Diesen und ähnlichen Wahn möchte ich nicht einmal Aberglauben nennen, er liegt unserer Natur so nahe, ist so leidlich und läßlich als irgendein Glaube."
Unter den Horoskop-Gläubigen finden sich - und das gilt stellvertretend für den gesamten Esoterik-Markt - denn auch keineswegs nur bedauernswerte arme Irre, sondern etliche Männer und Frauen, die es zu einigem Ansehen gebracht haben: John F. Kennedy, Ronald Reagan und seine Frau Nancy gehören dazu, ebenso Prinz Charles. Mitmenschen also, die klug oder reich oder beides sind und durchaus bedeutende, wenn auch eventuell langweilige Jobs bekleiden. Seit Naturwissenschaft, Philosophie und Mathematik die Welt entzauberten und dazu übergingen, alles empirisch-penibel zu erläutern, muß, wie der Philosoph Jürgen Habermas resigniert feststellte, mit "Einsamkeit, Schuld, Trauer und Tod prinzipiell trostlos gelebt werden" - aber wer will das schon.
In ihrer emotionalen Unsicherheit suchen die Mühseligen und Beladenen der postindustriellen Gesellschaft mehr und mehr ihr Heil in allen möglichen Arten von Metaphysik: Sie sind überzeugt davon, daß zwischen Himmel und Erde eine Menge mehr Dinge existieren als grüne Männchen mit großen Ohren.
So widmen sie sich mit großem Ernst der "schamanischen Musiktherapie", dem "Biofeedback" oder der "Visionssuche in der Wildnis". Auch für die erotischen Bedürfnisse der großen Esoterik-Familie wird gesorgt. Besonders beliebt ist derzeit die "Tantra-Massage, entspannend, sinnlich", ein an indisches Yoga angelehnter integraler Teil des Vorspiels. Esoterik ist, so ein intimer Kenner der Szene, "wenn Zellulitis vom Hintern ins Hirn wandert".
In der Eso-Zeitschrift "Connection - Das Magazin fürs Wesentliche" berichtet eine Leila Dregger über eine "Erotic Phantasy Party". Die langjährige Anhängerin des Psycho-Gurus Dieter Duhm, dessen Buch "Angst im Kapitalismus" in den siebziger Jahren in der linken Szene Furore gemacht hat, empfand ihren engen Minirock zunehmend als Belastung. "Das ewige Ritual des Rock-hinunter-Ziehens" analysierte die Soziologin messerscharf als "stabilisierenden Untergrund unserer patriarchalen Kultur" - und legte einen "taoistischen Striptease" aufs Parkett.
Splitternackt sinnierte sie dann darüber, "wie es wäre, gar nichts mehr verstecken und wegdrücken zu müssen". Die Mischung aus feuchten Träumen, wirren Phantasien und Paranoia macht für viele den Charme der Szene aus. Der Verstand ist an der Garderobe abzugeben.
Die Subkultur der Bewußtseinswanderer versucht sich in einem Angebot zu orientieren, in dem zwischen Sinn, Flachsinn und Unsinn alles erlaubt ist, was irgendwem einfällt. So tummeln sich neben bescheidenen, ernsthaften Zen-Buddhisten, die äußerst asketisch leben, profitgeile New-Age-Propheten aller Art, die Kapitalismus und Eskapismus aufs trefflichste zu verbinden wissen: Zauberer, Mondsüchtige, Kräuterkundige, Edelsteingläubige, Schamanen, Visionäre und Wanderprediger.
Für viele dieser Gruppen gilt, was der Zivilisationsskeptiker Oswald Spengler bereits 1919 in "Preußentum und Sozialismus" schrieb: "Die anglo-amerikanischen Sekten repräsentieren nur das Bedürfnis nervöser Geschäftsmenschen nach einer Beschäftigung des Gemüts mit theologischen Fragen."
Auf Esoterik-Messen wie Ende November in Mannheim präsentiert sich die frühere Versicherungsangestellte Ursula Perniß aus dem schwäbischen Haigerloch als "Engelsmedium". Nach einer Operation, berichtet die Endvierzigerin einem gespannt lauschenden Publikum mittlerer und reiferer Jahrgänge, habe sich ihr Leben grundlegend verändert.
Nach einem Herzstillstand habe sich ein Engel zu ihr gesellt, ihr aufgetragen: "Gehe zu den Menschen und bringe ihnen die Engel nahe" - gegen Entgelt, versteht sich.
Das Angebot, das sich dem Esoterikfreund auf den Messen bietet, reicht von CDs mit Meeresrauschen und traditionellen Klängen aus Tibet über Tarot-Karten und die Bach-Blütentherapie nach Doktor Edward Bach bis zum optimistischen "Lebensfreude-Kalender" vom "Nie-nie-Sagen-Verlag" aus Konstanz.
Verlage und Autoren profitieren von der zunehmenden Orientierungslosigkeit. Der Esoterikbereich ist inzwischen einer der wenigen Buchhandelszweige, die noch wachsen.
Zehn Verlage, darunter so namhafte wie Fischer, Goldmann, Rowohlt und Ullstein, bieten eigene Esoterik-Taschenbuchreihen an. Von den etwa 15 Millionen Mark, die der Hugenduebel Verlag jährlich umsetzt, stammen sogar rund 85 Prozent aus der spirituellen Ecke. "So viele Neuerscheinungen wie im vergangenen Jahr hat es noch nie gegeben", erklärte Jürgen Mellmann von der Hamburger Esoterik-Buchhandlung Wrage.
Ob Aromatherapie, Channelling, Aura-Reinigung, Trommeln unter Olivenbäumen oder seliges Summen zum besseren Gedeihen der Topfpflanze - all das gehört zur Esoterik irgendwie dazu. Kritiker sehen in dem geistig-geistlichen Wirrwarr eine fatale Mischung aus quasireligiösen, quasiwissenschaftlichen Ideen und Lehren, durchsetzt von naiver Heilsgläubigkeit und Aberglauben. Pfarrer Wolfgang Behnk, Sektenbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, spricht abschätzig von "Fast food für die Seele".
Die New-Age-Bewegung, so glaubt der Berliner Soziologe und Philosoph Christof Schorsch, sei sowohl Krisensymptom und Kind des Wertewandels als auch Ausdruck hartnäckiger utopischer Wunschbilder.
Gefahndet wird nach dem "wahren Ich", nach dem "inneren Geliebten", nach dem "höheren Selbst", aber auch ganz erdverbunden nach "Erfolg, Geld und besserem Sex".
Ursache für die manische Suche ist ein wachsendes kollektives Unbehagen in einer Ego- und Ellenbogengesellschaft, die Kälte und Zynismus produziert - Wohlstand zwar auch, aber eben keinen Sinn und auch nichts Warmes für die Seele. In einer Welt, die trotz (und wegen) explodierenden Wissens immer unverständlicher und bedrohlicher erscheint, wächst die Faszination einfacher Antworten.
Der Bremer Ethnologe Hans Peter Duerr, der in kulturkritischen Untersuchungen immer wieder die "Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation" erkundet, sieht hinter dem wirren Treiben ein durchaus ernstes Anliegen. Spinner, so meint er, gebe es überall, aber diese Leute seien ganz und gar nicht verrückt. "Ich denke, die Esoterik ist eine Form der Rebellion gegen die moderne Gesellschaft, und ihre Anhänger sehnen sich nach etwas, was ihnen dieses Leben nicht bieten kann - Nestwärme, Zuwendung, Intimität."
Kommt dann noch das Bedürfnis nach einer überschaubaren Gruppe von Menschen hinzu, die quasireligiöse Bindungen zueinander haben und nicht nur oberflächliche Kontakte, beginnt oftmals der Weg in Sekten und Psychogruppen.
Während der Sektenbeauftragte der schleswig-holsteinischen Landesregierung, Hans-Peter Bartels (siehe Interview S. 170), gerade in der schleichenden Umarmung der Sinnsuchenden einen Anlaß dafür sieht, "den Schwachsinn Esoterik nicht zu verharmlosen", plädiert der Freiburger Psychologe Walter von Lucadou, 52, für mehr Verständnis.
Für viele Menschen sei die Welt eben "eine einzige Katastrophe". Während der eine Teil in hemmungslosen Konsum flüchte ("getreu dem Motto: Wenn die Welt morgen untergeht, dann will ich jedenfalls gelebt haben"), suche der andere überall nach Hoffnung. Die Paradoxie liege darin, daß die "keineswegs Desperados und auch keine Ausgeflippten sind, wie man immer meint, sondern Menschen, die bereit sind, für ihre Hoffnung viel zu investieren - sogar ihr Leben".
Eine "Verteufelung dieser ganz normalen Menschen als labil, irrsinnig, dumm oder verantwortungslos" schließe sie aus der Gesellschaft aus. Damit werde die Chance vertan, "zu verhindern, daß sie diesen Rattenfängern auf den Leim gehen".
Viele Psychogruppen, so legen die Experten Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck in ihrem Buch "Psychosekten" dar, bedienen sich verschiedener Psychotechniken, die auch in Trainingsseminaren großer Unternehmen oder in Kursen von Volkshochschulen und Universitäten üblich sind.
Die Gründe für den Einstieg in eine Sekte ähneln sich ebenfalls: kaputte Familie, kaum Freunde, konfuse Fragen nach Werten, eine diffuse religiöse Bedürftigkeit. Ob die Heilsuchenden nun bei der weltabgewandten Sonnentempler-Sekte unterkommen, bei der Gemeinschaft Universelles Leben oder bei den Zeugen Jehovas: Gemeinsam ist allen Gruppen, daß sie
* endzeitlich ausgerichtet und nach außen hin abgeschottet sind;
* Menschen mit unterschiedlichen Heilsversprechen rundherum ausbeuten;
* ihre Mitglieder mit verschiedenen Psycho-Praktiken unter Druck setzen und dadurch eine neue Sektenidentität schaffen.
Auch die Sektenführer gleichen sich. Sie lächeln, wirken sanft sowie irgendwie heilig und überlegen, sie haben Charisma wie Hollywood-Stars, jedenfalls in den Augen ihrer Anhänger, denen sie meist einen streng reglementierten Stundenplan aufbürden: früh aufstehen, beten, geistige und körperliche Übungen bei gleichzeitiger Entsagung der weltlichen Drogen, wozu natürlich auch Alkohol zählt. Sex ist von Übel, es sei denn, er wird nach Vorschrift vollzogen, was heißen kann: mit eigens dafür Auserwählten oder als Auserkorene mit dem Meister selbst.
Langsam, stetig, unbeeinträchtigt von außen beginnt, im Wechselspiel zwischen Macht und Unterordnung, Herrschaft und Gehorsam, ein Prozeß der Persönlichkeitsveränderung, schließlich die totale psychische, körperliche und finanzielle Unterwerfung. Die Mitglieder werden ausgebeutet und beherrscht, sie tragen kindliche Allmachtsphantasien in sich und sind doch, wie nach einer Gehirnwäsche, nichts weiter als willenlose, roboterhafte Wesen.
Verstärkt sich dann, wie vor dem Millennium, die Aufbruchstimmung, so wächst, wie auf Teneriffa, der Glaube an die Ufos, der sonst vor dem Bildschirm ausgelebt werden kann.
Regelmäßig müssen sich etwa die FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully in der Fernsehserie "Akte X" mit Wesen aus dem All beschäftigen, die man allerdings nie zu sehen bekommt. Nur ihre Opfer treten in der Serie auf - oder verschwinden für immer. 19 Millionen Amerikaner haben laut einer "Newsweek"-Umfrage schon einmal Ufos gesehen - das entspricht in etwa der Zuschauerzahl von "Akte X" in den USA. In Deutschland hat die Serie jeden Sonntag vier bis fünf Millionen Zuschauer.
Ufos, Jahrtausendende, Weltuntergang - die unheilige Dreieinigkeit sitzt Millionen Menschen im Hinterkopf: Das Trappeln der apokalyptischen Reiter übertönt die eigene Sterbeangst, im Millennium-Fieber werden alle Menschen Brüder, und die Ufos sind leuchtende Beweise, daß da draußen, überm Sternenzelt, doch einer wohnt, ein guter Vater womöglich.
Das Buch zum Film im Kopf schrieb ein amerikanischer Werbestratege, Glenn Kleier, 47, Boß der größten PR-Agentur Kentuckys. Nach eingehenden Markt- und Bedürfnis-Analysen setzte er sich zu einem als weltweit angelegten Bestseller nieder, bekam von seinem Verleger eine Million Dollar auf die Hand und beglückt jetzt die Menschheit mit seinem "Millennium-Roman". Titel: "Der letzte Tag".
Ufos hat sich Kleier verkniffen, dafür setzt ein wohlgezielter Komet das Apokalypsical in Gang. Und dann gibt er, dem Gesetz seiner Branche folgend, den Armen im Geiste, was sie haben wollen: Apokalyptische Horden erwarten das Ende, vom Himmel stürzen Feuerzeichen, der Kosmos blubbert total esoterisch, rette sich, wer kann - aber ein Retter naht.
Denn er kommt nieder, wenn die Welt aus den Fugen und der Mensch von Sinnen ist, ein neuer Messias. Und weil wir in modernen, aber harten Zeiten leben, ist es ein Fräulein, Jesa mit Namen, stramme Feministin aus Passion. Sie entstammt einem israelischen Frankenstein-Labor, der Komet hat sie freigesetzt, sie heilt Blinde und Lahme, bereist segnend die Welt und kanzelt den Papst ab.
Durch sie werden die apokalyptischen Pferde abgesattelt, aber sie selbst stirbt am Karfreitag des Neuen Millenniums, und am Ostersonntag ist sie verschwunden. Der Laden läuft also weiter, alle Kirchen machen zu, und alle Männer werden Schwestern.
Wie im Himmel, so auf Erden: Amerikanische Wissenschaftler denken bereits über eine neue Gesellschaft auf dem Mars nach, ein Gedanke, der die Menschen offenbar fasziniert. "An dem Tag, als die Pathfinder-Sonde auf dem Mars landete, verzeichnete die entsprechende Internet Website 100 Millionen Besucher", berichtet der amerikanische Weltraumwissenschaftler Rober Zubrin. Die "Aufrufe zum Kofferpacken", schreibt die Schweizer "Weltwoche", seien inzwischen Mainstream.
"Irgendwann wird es zur Kolonialisierung der Milchstraße mit der Menschenrasse kommen. Und wenn es wider Erwarten doch ETs (Extraterrestrial Intelligences) dort draußen gibt, so werden wir sie treffen", sagt der deutsche Astronaut Ulrich Walter.
Die Verführung zum Tod ist im Gegensatz zur Milchstraßen-Besiedlung nur bei gleichzeitiger Jenseitsverheißung möglich. Und mit ein bißchen Budenzauber aus der Welt des Science-fiction, in der Begegnungen der Dritten Art nicht selten sind. "Nach Hause", jammerte schon der kleine, liebenswerte Außerirdische in dem Kinohit "E.T." und tappte verwirrt duch einen großen dunklen Wald. Wer wollte das nicht - nach Hause, in eine schönere, bessere Welt?
Dabei setzen Heilsuchende mehr und mehr auf überschaubare Gruppen als Reiseveranstalter. Der Trend im Bereich Erlösungs-Travel geht, wie Experten mit Sorge beobachten, weg von Groß-Sekten zu kleinen kommuneähnlichen Gemeinschaften, die nur selten in ihrem Umfeld oder bei Behörden die Warnlampen blinken lassen.
So soll der von seiner Nichte alarmierte Neusser Kaufmann bei zwei Polizeidienststellen abgeblitzt sein, bevor er im Düsseldorfer Polizeipräsidium Gehör fand.
Erst dort erkannten die Beamten die Brisanz der Anzeige und informierten die Kollegen des Bundeskriminalamts, die die Meldung an die Spanier weiterreichten.
Auch Heide Fittkau-Garthe hatte etliche Hinweise gegeben. Ihrer Nachbarin Marion Dadbine hatte sie im Laufe der Jahre mal gestanden, sie sei "eine Vertreterin von ganz oben", was sie nach einer Reise nach Tibet dann präzisierte: "Beim Bergsteigen mit den Sherpas ist mir klar geworden: Ich war Christus."
Als sie am 12. Dezember nach Teneriffa aufbricht, trägt sie den Nachbarn auf, die Blumen zu gießen, auch müsse die Wohnung gelegentlich gelüftet werden. Bevor sie die Eichentreppe der Stadtvilla hinuntergeht, sagt sie aber auch: "Die Welt wird schön am 8. Januar." Und Marion Dadbine sagt über diesen Moment: "Da war er wieder, dieser bohrende, eindringliche Blick."
Derartig blumige Formulierungen erleichtern jetzt die Dementis. Die Sektenmitglieder, die in der Finca auf das Ende der Ermittlungen warten, haben sich offenbar auf eine Sprachregelung geeinigt.
Die Selbstmord-These, sagt Andreas Hellmann, 36, der sich am Freitag abend bereit erklärt, mit dem SPIEGEL zu sprechen, sei "völlig falsch", ja "eine Verleumdung". Auch die anderen Vorwürfe, so der Mann, der Psychologie und Philosophie studiert hat und nun angeblich an seiner Doktorarbeit schreibt, seien "lächerlich und völlig bescheuert". Niemand habe auf ein Raumschiff gewartet, auch nicht geglaubt, daß die Welt untergeht.
Als die Polizei kam, hätten er und seine Freunde "ein nettes Essen gehabt, sonst nichts". Es habe "kein Gift" in der Wohnung gegeben, lediglich "zwei Kisten alkoholfreies Bier". Die Autos habe man angemietet, um Freunde zum Strand fahren zu können.
Dabei betont Hellmann, der an ein Leben nach dem Tod glaubt ("aber nicht im Sinne der Bibel, sondern als Reinkarn ation"), allerdings ein wenig zu deutlich Lebenslust und Lebenswillen. Dem Gesprächspartner schlug er mehrfach auf die Schulter und rief: "Leben ja. Wacht auf, wacht auf!"
Demonstrativ zeigen dann die Bewohner der Hazienda in Arafo, dem Zweitsitz von Heide Fittkau-Garthe, 50 Kilometer von Santa Cruz entfernt, ihr Alltagsleben und wässern mit einem großen Gartenschlauch die Blumenbeete. Sie geben sich locker, wie man es früher in Poona tat, und auch das ausgewaschene Rot der T-Shirts der Sekretärin paßt eher in einen Ashram.
Kein Hauch von Arielle umgibt die Freunde, nicht die Strenge der Zeugen Jehovas und nicht die kalte Freundlichkeit der Scientology-Sekte. Diese Gemeinde lebt scheinbar die vordergründige Esoterik moderner Großstadtmenschen - eine Gemeinschaft, die auf Teneriffa, wo sich viele der Welt abgewandte Gruppen in Sichtweite des wolkenumkränzten Gipfels des Teide eine sonnige Zuflucht geschaffen haben, kaum auffällt.
Eine andere Welt hatte Heide Fittkau-Garthe auch den Managern von ABB in ihrem Seminar versprochen. Der kleine Ort Arafo sei zu einem für in die Tiefe gehende Spezialseminare idealen Transformationsort geworden. Firmen, die ihre Führungskräfte dorthin schicken, verspricht sie: "Fast wie runderneuert werden alle aus diesem kleinen Paradies zurückkehren und zu einer Sonne für das Unternehmen werden."
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Reise- Ziel Sirius

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