02.03.1998

MEDIENPOLITIKAngriff auf Pro Sieben

Die schleswig-holsteinische SPD-Landesregierung mahnt einen medienpolitischen Kurswechsel an, der das börsennotierte Münchner Unternehmen Pro Sieben Media AG schwer treffen würde. Streitpunkt ist, daß Pro Sieben anders als die direkten Konkurrenten RTL und Sat 1 bisher keine Sendezeit an unabhängige Dritte abgeben muß. Der Sender bleibt unter der dafür gesetzlich vorgesehenen Grenze von insgesamt zehn Prozent Zuschaueranteil. In einem Brief an Kollegen in neun Staatskanzleien schreibt der Kieler Staatskanzleichef Klaus Gärtner, diese Festlegung sei "nicht mehr haltbar". Der deutsche Fernsehmarkt werde "erkennbar von drei Veranstaltern dominiert, von denen nur zwei die Verpflichtung zur Abgabe von Sendezeit trifft". Das sei, so Gärtner, mit dem Gleichheitsgebot "nur schwer in Einklang zu bringen". Der Medienpolitiker fordert, daß die Medienwächter einen "Bewertungsspielraum" bekommen, wenn "ein vergleichbarer Einfluß auch unterhalb der Zehn-Prozent-Grenze angenommen werden kann". Dann würde es mit großer Sicherheit den von Georg Kofler geführten Sender Pro Sieben erwischen: Der profitable TV-Veranstalter erwirtschaftet mehr Werbeeinnahmen als Sat 1, weil er in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49jährigen mit RTL zusammen an der Spitze liegt.

DER SPIEGEL 10/1998
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MEDIENPOLITIK:
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