Roland Jahn begründet den geplanten Rauswurf: "Jeder ehemalige Stasi-Mitarbeiter, der in der Behörde angestellt ist, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer." Die "Opfer" mutieren auf diese Weise zu rachedurstigen Anklägern und Richtern. Dass diese Mitarbeiter laut Grundgesetz seit 1990 dieselben Rechte haben wie andere Bundesbürger, zählt nicht? Warum die "Opfer" ein Ausnahmerecht für ihre Mitbürger erzwingen wollen, sagt Jahn nicht.
Dresden,
Prof. Dr. Horst Schneider
Diejenigen, die Jahn in sein Amt gewählt haben und dies nun bedauern, weil sie den neuen Bundesbeauftagten für die Stasi-Unterlagen als einen Menschenjäger mit "Schaum vor dem Mund" sehen, hätten gründlicher darüber nachdenken müssen, ob man ein Opfer zum Richter machen darf. Es sei denn, sie wussten um die Größe seines Herzens. So groß wie das von Nelson Mandela hätte es gar nicht sein müssen.
Zehdenick (Brandenburg),
Ulrich Ehrenberg
Jahn hält die Bürgernähe der Behörde für wichtig und will deshalb die Außenstellen stärken. Auch das Profil als Aufarbeitungsinstanz will er schärfen. Die längst überfällige Trennung von den Stasi-Mitarbeitern ist dazu nur ein - allerdings notwendiger - Beitrag. Dass diejenigen, die diesen Missstand jahrelang hingenommen haben, dies heute nicht als Fehler zugeben wollen, ist menschlich verständlich. Dass der Beiratsvorsitzende versucht, die Regierung in ihrer Unterstützung Jahns zu irritieren, ist menschlich enttäuschend. Es geht nicht nur um Banales. Die Archivare sind die Ersten, nicht selten die Einzigen, die die originalen Akten anfassen. Es geht auch nicht um "47 Schicksale" oder Arbeitsplatzverlust, sondern nur um den Wechsel des Arbeitsortes.
Erfurt,
Hildigund Neubert
Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
DER SPIEGEL 22/2011
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