08.06.1998

FERNSEHENGeld und Ideen

Eine wichtige Rolle im Medienmarkt hat die Deutsche Bank übernommen. Das Institut, dessen Beraterausschuß Bertelsmann-Chef Mark Wössner leitet, ist jetzt größter Geldgeber des TV-Unternehmers Leo Kirch. Von der Bankgesellschaft Berlin, wo Kirch mit 1,1 Milliarden Mark verschuldet war, übernahm die Deutsche 900 Millionen Mark Kredit. Die Summe stockte das Geldhaus noch mal um rund 400 Millionen Mark auf. Als Sicherheit übernahm es von den Berlinern Kirchs 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag; an der Börse ist der über zwei Milliarden Mark wert. 60 Prozent davon hat die Bank beliehen. Den Berliner Bankern war das Geschäft mit Kirch, der sich fürs digitale Fernsehen hochverschuldet hat, zu heikel geworden. Auch andere Institute lehnten Kirchs Kreditwünsche ab. Beim Einstieg der Deutschen Bank gehe es nicht um ein bloßes Kreditgeschäft, heißt es bei der Bankgesellschaft Berlin, vielmehr stehe hinter den Aktivitäten "ein Masterplan". So will die Deutsche Bank Investoren suchen, falls sich Kirch von Springer-Anteilen trennen sollte. Die eigenen Investmentbanker haben zudem ein Modell für die Sender der Kirch-Familie erarbeitet. Es sieht vor, daß Sat 1, wo Kirch über die Mehrheit verfügt, in die Pro Sieben Media AG seines Sohns Thomas integriert wird. Pro Sieben könnte so Sat-1-Verluste (1997: 165 Millionen Mark) steuerlich nutzen, zugleich würden Kosten eingespart. Zur Finanzierung des Deals ist eine Kapitalerhöhung nötig, bei der die freien Aktionäre mitziehen müßten. Kirch müßte seine Sat-1-Mehrheit als Sacheinlage einbringen. Noch hat Kirch nicht zugestimmt. Es handele sich um ein "Planspiel ohne Bezug zur Realität", kommentiert Geschäftsführer Dieter Hahn: "Bei Sat 1 mag es viele Kaufinteressenten geben, es gibt aber keinen Verkäufer."

DER SPIEGEL 24/1998
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