08.06.1998

GESTORBENGottfried Dienst

78. Sein Ruhm gründete sich auf eine einzige Szene in einem Fußballspiel. Als Schiedsrichter des WM-Finales 1966 erkannte er einen Schuß des Engländers Geoff Hurst gegen Deutschland als Tor zum 3:2 an; Zweifel blieben, ob der von der Latte senkrecht abprallende Ball wirklich die Linie überschritten hatte. Das sogenannte Wembley-Tor wurde zum Gattungsbegriff für umstrittene Torentscheidungen und beschäftigte seither Fans, Autoren und Wissenschaftler. Deren Versuche, eine Fehlentscheidung nachzuweisen, zweifelte Dienst allerdings stets an: der Ball sei eben nicht ganz rund, sondern ein "Ei" gewesen - seine Flugbahn daher im nachhinein nicht zu berechnen. Zuspruch gab es seinerzeit von Bundespräsident Lübke, der den Ball "im Netz" hatte "zappeln sehen". Dienst, im Zivilberuf Betriebsleiter bei der Schweizer Post, gab 1968 seine internationale Schiedsrichter-Karriere auf, kehrte aber oft nach Wembley zurück, um Interessenten seine Geschichte zu erzählen. Gottfried Dienst starb am 1. Juni in Basel.

DER SPIEGEL 24/1998
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