27.06.2011

INTERNET

Kampf um Adressen

In Singapur wurde vergangene Woche gefeiert, als wäre gerade das Internet eröffnet worden: Der scheidende Vorsitzende der Icann, einer Art Weltverwaltungsbehörde für Online-Adressen, sprach von der "größten Veränderung", die im Netz jemals stattgefunden habe. In Wirklichkeit geht es nur darum, dass es neben den bisher 22 bekannten Adress-Endungen wie ".com" oder ".gov" sowie den über 250 Länderkennungen (".de") 2013 eine potentiell riesige Zahl neuer Ober-Adressen geben wird: Denkbar ist so gut wie alles, von Markennamen wie ".lufthansa" oder ".microsoft" bis zu geografischen Bezeichnungen wie ".bodensee" oder ".newyork". Auch Gattungsbegriffe wie ".theater" oder ".eisenbahn" werden dann möglich sein. Das Vergabeverfahren dürfte allerdings sehr kompliziert werden. Schon jetzt bringen sich Anwaltskanzleien in Stellung. Das Handbuch mit den Vergaberegeln ist 352 Seiten stark. Nicht jeder darf eine beliebige Endung registrieren, so kann etwa ein Markeninhaber Widerspruch einlegen. Auch Privatpersonen sind von der Vergabe ausgeschlossen. Hauptproblem: Wer bekommt eine gewünschte Domain, wenn es mehrere Anspruchsberechtigte gibt, also zum Beispiel ein Firmenname irgendwo auf der Welt ein zweites Mal existiert? "Der Meistbietende gewinnt. Vorher wird die Icann allerdings versuchen, dass man sich einig wird, also etwa die Domain gemeinsam nutzt", sagt Martin Bosse, Experte für Internetrecht. Um Missbrauch zu vermeiden, muss der Antragsteller Details zu seiner Finanzsituation oder seinen Plänen mit der Domain detailliert vorlegen. Es gibt sogar eine Art Schiedsgericht für strittige Fälle. Domains mit kompletten Ländernamen wie etwa ".deutschland" bleiben übrigens tabu: Sie dürfen bisher nicht registriert werden.

185 000 Dollar kostet der Antrag für eine neuartige Top-Level-Domain. Ein Komplettpaket mit Beratung und technischer Umsetzung wird auf 700000 taxiert.



DER SPIEGEL 26/2011
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