04.07.2011

SOZIALE NETZWERKEZweifel an Google-Attacke

Die Netzwelt horchte auf, als Google vorige Woche sein neues soziales Netzwerk unter dem Namen Google+ startete. Dass der neue Dienst schnell den Platzhirsch Facebook bedrohen könnte, scheint indes unwahrscheinlich. 700 Millionen Menschen sind weltweit mittlerweile bei Facebook registriert. Der Mehrwert müsste gigantisch sein, damit ein Großteil der Nutzer wechselt. Der Suchmaschinenkonzern greift indes dort an, wo Facebook am verletzlichsten ist: Google+ besticht durch eine leichte Bedienbarkeit sowie die Möglichkeit, Kontakte sofort in Gruppen wie Arbeitskollegen oder Familie einzusortieren. Das geht bei Facebook auch, allerdings umständlicher. "Google hat den Trend hin zu sozialen Netzwerken mehrfach verschlafen und ist dadurch angreifbar geworden", sagt Lars Hinrichs, Gründer des Business-Netzwerks Xing. "Die Marktführerschaft wird Google Facebook nicht streitig machen", glaubt auch Kolja Hebenstreit, einst Mit-Finanzier des deutschen Netzwerks StudiVZ. "Es ist der beste Wurf von Google in diesem Bereich, aber exorbitante Neuigkeiten stecken nicht drin. Ein echter Wechselgrund fehlt", resümiert Daniel Backhaus, Social-Media-Verantwortlicher bei der Deutschen Bahn. Rolf Schmidt-Holtz, Aufsichtsratschef der Just Software AG sowie früherer Chef von Sony Music, ist ebenfalls skeptisch: "Google+ hat zwar den Vorteil, dass der Konzern bereits über eine große Nutzerzahl mit E-Mail-Adressen verfügt, so dass der Schritt zu einem Social Network nicht mehr so groß ist. Dennoch dürfte es Google+ aufgrund des starken Sogeffekts von Facebooks schierer Größe sehr schwer haben." Immerhin zeigt der jüngste Vorstoß, dass Google den Bereich der sozialen Netzwerke ernst nimmt. Kein Wunder: Facebooks Wert wächst, es ist immerhin fast schon halb so viel wert wie Google, dessen Aktienkurs zuletzt bröckelte. Die Chance von Google+ liegt wohl weniger im Angebot, als im Imageverlust der Konkurrenz: Nach zahlreichen Datenschutz-Debatten gehört Facebook neuerdings zu den Top Ten der meistgehassten Firmen in den USA.

DER SPIEGEL 27/2011
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SOZIALE NETZWERKE:
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