11.07.2011

PROTESTBEWEGUNGEN

Die Sonne ist überparteilich

Die dänische Lehrerin Anne Lund, Erfinderin des Anti-Atomkraft-Symbols, über verpassten Reichtum und den Ausstieg Deutschlands

SPIEGEL: Sie haben das berühmte "Nein danke"-Logo entworfen, und seit 35 Jahren kämpfen Sie gegen Atomkraft - fühlen Sie sich jetzt durch Fukushima und durch die Kehrtwende in Deutschland bestätigt?

Lund: Leider ja. Aber Deutschland hat jetzt eine Chance.

SPIEGEL: Welche?

Lund: Die Deutschen stehen unter dem Druck, neue Energieformen zu entwickeln. Auf diesem Gebiet können sie technisch eine Vorreiterrolle übernehmen, die deutsche Industrie hat dafür die besten Voraussetzungen. Klar, hätte man vor 20 oder 30 Jahren die Weichen anders gestellt, wäre es leichter, aber da galten die AKW-Gegner als Spinner.

SPIEGEL: Sie gehörten zu den ersten Aktivisten.

Lund: Wir waren eine kleine Truppe, wir haben alles selbst gemacht, auch wenn wir keine Ahnung davon hatten.

SPIEGEL: Etwa Logos entwerfen?

Lund: Damals war eine Demo geplant, aber uns fehlte ein Symbol. Blöderweise hatten wir keinen Grafiker oder Zeichner in unserer Truppe, also habe ich mich darum gekümmert. Mit alten Wachsmalstiften, die ich noch irgendwo fand, einem Malblock, so habe ich mich an meinen Küchentisch gesetzt.

SPIEGEL: Und warum entschieden Sie sich für eine Sonne?

Lund: Weil die Sonne überparteilich ist. Wir wollten, dass das Logo nicht angsteinflößend ist, sondern positiv, heiter, vor allem höflich. Darum auch "Nej Tak" oder "Nein danke".

SPIEGEL: Wie oft wurde das Logo kopiert?

Lund: Allein an Aufklebern und Ansteckern wurden etwa 20 Millionen verkauft, der Text wurde in etwa 50 Sprachen übersetzt. Vor ein paar Tagen fand ich die allerersten Bestellungen. Rührend! 10 Stück hier, 20 Stück dort, handgeschriebene Bestellbriefe von irgendwelchen Aktivistengruppen, und wir schrieben denen zurück, dass es noch ein paar Wochen dauere, bis wir neue Buttons oder Sticker gedruckt hätten.

SPIEGEL: Sind Sie damit reich geworden?

Lund: Kein Stück! Ich habe sämtliche Rechte der dänischen Anti-Atomkraft-Bewegung übertragen.

SPIEGEL: Denken Sie manchmal: schade?

Lund: Nein, Geld damit zu verdienen, das wäre mir falsch vorgekommen. Ich wollte auch nie Grafiker oder Designer werden.

SPIEGEL: Warum nicht?

Lund: Weil ich kein Talent habe.


DER SPIEGEL 28/2011
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