Jost Stollmann, Schatten-Wirtschaftsminister im SPD-Team, will sich mit seiner schärfsten Kritikerin, der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ursula Engelen-Kefer, aussprechen. Das Vier-Augen-Gespräch ist für Mitte August geplant. "Aufgrund von Mißverständnissen hat es unnötige Kontroversen gegeben", so Stollmann, "die möchte ich ausräumen." Vor allem die Gewerkschafterin hatte sich über Stollmanns flotte Sprüche über das Sozialsystem erregt. Mit Walter Riester, IG-Metall-Vize und Arbeitsminister im Schröder-Team, habe er bereits die gemeinsamen Vorarbeiten für ein Bündnis für Arbeit besprochen.
Am 19. August wird Stollmann gemeinsam mit Gerhard Schröder Wahlkampf in Berlin machen. Tags darauf soll er erstmals an einer Sitzung des Schattenkabinetts teilnehmen. Auch dort, so ein Teammitglied, wächst der "Verdruß" über die provokanten Interviews des Unternehmers. Auf der gemeinsamen USA-Reise in dieser Woche will Schröder deshalb größere Partei-Disziplin von seinem Wirtschaftsmann einfordern. Stollmann müsse auch noch etwas von seiner "Aufgeblasenheit" herunterkommen, heißt es in Schröders Umgebung.
Der Kanzlerkandidat will sich bei seinem Kurzbesuch in Washington den Amerikanern als zuverlässiger außenpolitischer Partner empfehlen. "Es wird unter einer SPD-geführten Bundesregierung keinen Wechsel in der grundsätzlichen Orientierung der deutschen Außen-, Europa- und Sicherheitspolitik geben", lautet der Kernsatz des Vortrags, den er am Dienstag abend in der Georgetown University hält.
DER SPIEGEL 32/1998
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