03.08.1998

BILD

Nicht mit links

Die früheren "Bild"-Chefredakteure Hans-Hermann Tiedje, 49, und Peter Bartels, 54, arbeiten wieder für ihre alte Zeitung - diesmal als Anzeigentexter im Dienst der CDU. Seit Mitte Juni erscheint dreimal in der Woche auf Seite zwei des Boulevardblatts auf Parteikosten (offizieller Preis: jeweils rund 60 000 Mark) ein seitenbreiter Kasten mit Schlagzeilen, die unter Tiedjes Leitung entstehen. Kohls Wahlkampfhelfer wird von rund zehn Journalisten unterstützt - unentgeltlich, wie es heißt. Darunter sind neben Bartels der ehemalige Regierungssprecher und "Bild"-Chef Peter Boenisch, Radiomanager Georg Gafron und Medienkritiker Reginald Rudorf. Das "Team Tiedje", wie die Riege in der CDU-Zentrale genannt wird, geht mit der Opposition recht rüde um. Da wird etwa unter dem Motto "Unser Land in deren Hand?" die Vergangenheit des Grünen-Sprechers Jürgen Trittin ("früher Kommunist") zum Thema, die des SPD-Rechtsexperten Otto Schily ("früher Sympathisant der linken Szene") oder das Vorleben des PDS-Chefs Gregor Gysi ("ein Mann Mielkes"). Ein anderes Mal heißt es in Riesenlettern: "Mein Aufschwung. Mein Euro. Meine Einheit. Meine Güte, Schröder!" Mit flapsigen Sprüchen sollen die Kernaussagen der Union vermittelt werden: "Zukunft schafft man nicht mit links ... Eigentlich schafft man überhaupt nichts mit links." Die Kampagne soll den ganzen Wahlkampf begleiten und womöglich durch eine eigene CDU-Wahlkampfzeitung erweitert werden. Als deren Chefredakteur ist Bartels im Gespräch, der mit Tiedje gemeinsam Ende der achtziger Jahre die "Bild"-Zeitung geführt hat.


DER SPIEGEL 32/1998
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