10.08.1998

BÜNDNISGRÜNEDrei oder vier Minister

Die Bündnisgrünen wollen in einer Koalition mit der SPD mindestens drei Minister stellen. In Ressorts, die von sozialdemokratischen Ministern geführt werden, sollen grüne Staatssekretäre einziehen - und umgekehrt.
Gegen Widerstand aus der eigenen Partei besteht Fraktionschef Joschka Fischer darauf, nicht nur das Außenministerium, sondern auch die Vizekanzlerschaft zu übernehmen. Alles andere sei ein "Zeichen von Schwäche", hält Fischer parteiinternen Kritikern entgegen, die ein ökologisches Super-Ressort für wichtiger halten.
Kritik an den Außenamtsambitionen kommt auch von Realo-Seite, weil Fischer wegen seiner internationalen Verpflichtungen ständig auf Reisen wäre. "Dann fehlt in Bonn der Zampano Nummer eins", heißt es in der Fraktion.
Für den linken Parteisprecher Jürgen Trittin ist das Umweltressort vorgesehen. In einem Bildungs- und Forschungsministerium wünscht Fischer sich Krista Sager. Da die Hamburger Wissenschaftssenatorin sich noch sträubt, wird an ihrer Stelle Michaele Schreyer, ehemalige Berliner Umweltsenatorin, gehandelt. Bei einem besseren Wahlergebnis als 1994 (7,3 Prozent) hätten die Grünen gern ein viertes Ressort aus dem Sozialbereich. Die Suche nach geeigneten Ministern gestaltet sich allerdings schwierig. Einerseits muß das komplizierte Quotendiktat (links/rechts, Ost/West, Mann/Frau) erfüllt werden - so wie in der Parteispitze neben dem linken West-Mann Trittin die ostdeutsche Reala Gunda Röstel steht. Andererseits sollen die Bewerber möglichst Regierungserfahrung aus den Ländern mitbringen. Fraktionsexpertin Andrea Fischer hält sich ebenfalls bereit.
Der ehemalige grüne Frankfurter Stadtkämmerer Tom Koenigs könnte Parlamentarischer Staatssekretär in dem für Oskar Lafontaine vorgesehenen Finanzministerium werden. Der Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir, Sohn türkischer Einwanderer, soll das Amt des Ausländerbeauftragten übernehmen.

DER SPIEGEL 33/1998
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Drei oder vier Minister